Zentralbanken denken über höhere Inflation in Europa nach

In Zentralbank-Kreisen mehren sich die Stimmen, die eine höhere Inflation für die Euro-Zone fordern. Ohne weiteres, massives Gelddrucken drohe eine Deflation. Eine Studie der Bundesbank belegt, dass ein starker Euro die Zone zerreißen würde.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Der Euro ist für die Krisenländer viel zu stark, um wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Darauf weist der ungarische Zentralbanker hin. Offenbar teilt EZB-Chef Draghi diese Meinung. Abhilfe dagegen ist nicht in Sicht. Die Maßnahmen der EZB gegen einen starken Euro laufen ins Leere.

EZB-Präsident Draghi hat sich offenbar gegenüber dem ungarischen Notenbanker Gyorgy Matolcsy dahingehend geäußert, dass ein Eurokurs über 1,30 US $ der Wettbewerbsfähigkeit südeuropäischer Exporte deutlich schade.

„Präsident Draghi sagt uns jedes Mal in Basel, dass, solange der Euro nicht so stark gegenüber dem Dollar ist – als Messlatte 1,10 US-Dollar – die Länder des ClubMed wettbewerbsfähig auf dem Weltmarkt bleiben. Aber sie (die Länder) sind es nicht mehr, wenn das Euro-Dollar-Kurs-Verhältnis den Wert von 1,30 US-Dollar überschreitet“, äußerte sich Matolcsy in einer Rede auf einer Finanzkonferenz am Donnerstag. „Mit einem Euro-Dollar Wechselkurs von 1,60 US-Dollar käme unter den Eurozonen-Ländern nur Deutschland zurecht“.

Ein EZB-Sprecher bestritt, dass Draghi Kommentare zu Wechselkursen abgegeben habe.

Dagegen sagte Matolcsy, der EZB läge eine Studie vor, die Draghis Ansichten hinsichtlich der Wechselkurse bestätigten, berichtet das Wallstreet Journal.

Aktuell wird der Euro gegenüber dem Dollar mit 1,36 US-Dollar gehandelt, also deutlich über dem Level von 1,10 US-Dollar, den Matolcsy aus Draghis Äußerungen zitierte, um als konsistent hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der südlichen Euro-Länder betrachtet zu werden.

Draghi lehnte bereits mehrmals öffentliche Kommentare hinsichtlich des starken Euro-Wechselkurses gegenüber anderen Währungen ab.

Abhilfe gegen den starken Euro ist nicht in Sicht. Die Maßnahmen der EZB sind nahezu ausgeschöpft. Um eine Absenkung des starken Euro-Dollar-Wechselkurses zu erreichen dürften weder ein neues LTRO-Programm für die Banken noch eine weitere Absenkung des Leitzinses ausreichen.

Zuletzt hatten Volkswirtschaftler der Bundesbank eine Studie erarbeitet, die sich mit dem Thema beschäftigt, ob es der Euro schwieriger für Länder in der Einheitswährung macht, ihre Leistungsbilanz-Ungleichgewichte untereinander anzupassen.

Laut WSJ durchforsteten die Bundesbank-Ökonomen sämtliche Daten zwischen den Jahren 1994 bis 2011 für alle 27 Länder der Europäischen Union. Untersucht wurden alle Erhebungen für Staaten, die die sowohl innerhalb als auch außerhalb des Euro-17-Nationen-Blocks zugehörig sind. Die Analyse erfasste Ländern mit flexiblen Wechselkursen als auch solche mit festen Wechselkursen. Letztere geben mehr Spielraum hinsichtlich Zinsen und eigener Geldpolitik.

Das Fazit der Studie: Der Euro wird auch weiterhin Probleme für den gemeinsamen Währungsraum schaffen. „Anpassungen werden deutlich in jenen Ländern behindert, die Mitglieder der Währungsunion sind“, heißt es in der Studie. Der Euro kann zu stark für Spanien, Italien und Griechenland und für Deutschland zu niedrig sein.

Diese Erkenntnis ist für alle nüchternen Beobachter keine Überraschung.

Unterdessen werden wegen des starken Euro deutliche Forderungen an die EZB laut.

Kurz bevor Draghi die Leitzins-Senkung bekannt gab, forderte der italienische Finanzminister Fabrizio Saccomanni die EZB dazu auf, die lähmenden Auswirkungen des starken Euro auf ihre wirtschaftlichen Auswirkungen hin zu prüfen. Die EZB müsse wegen dem starken Euro handeln. Frankreichs Industrieminister Montebourg forderte die EZB bereits im Oktober diesbezüglich zum Handeln auf.

Dem schloss sich auch Matolcsy an. Er setzt jedoch einen anderen Schwerpunkt: Die Euro-Zone sollte schnell agieren, um – wie es lange Zeit in Japan der Fall war – eine Deflation und einen wirtschaftlichen Absturz zu verhindern.

Matolcsy schlägt vor, die Euro-Zone sollte ihr Inflationsziel um 2 bis 4 Prozent anheben, damit die EZB mit dem Gelddrucken beginnen könne.

Die EZB solle die „Kriegskasse“ mit dem Kauf von „Entwicklung-Bonds“ füllen. Damit dürfte Matolcsy den Ankauf von Staatsanleihen mittels OMT-Programm meinen. Dadurch könne man beginnen, Geld zu drucken und das Ankaufprogramm dann wieder stoppen, wenn die Inflation 4 Prozent erreicht habe.

Dass ein einmal begonnenes Bond-Aufkaufprogramm nicht mehr gestoppt werden kann, ist in den USA zu beobachten. Es geht einher mit der Bilanzausweitung der Fed, führt in der Quintessenz lediglich dazu, den Aktienmarkt zu befeuern und spiegelt kaum wirtschaftliche Entwicklungen wider.

Das QE-Programm in den USA führt zur Anhäufung von Reichtum für die ohnehin schon Reichen. Durchschlagende volkswirtschaftliche Erfolge sind bei solchen geldpolitischen Maßnahmen nicht auszumachen.

Im Gegenteil: Die EZB-Politik schadet den deutschen Sparern massiv.

Das hat jetzt sogar der bayerische Finanzminister Markus Söder gemerkt. Er fordert ein Ende der Enteignung der deutschen Sparer (hier).

Es wäre mannhaft gewesen, wenn die CSU das Thema schon etwas früher entdeckt hätte.

Im neuen Regierungs-Programm wird davon nichts zu finden sein.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick