EU-Kommission plant verschärfte Regulierung der eZigarette

Die EU-Kommission will den Gebrauch von eZigaretten massiv regulieren. Die Anhänger der eZigarette fürchten, dass die Einstufung als Medikament dazu führen würde, vor allem junge Raucher wieder in die Arme der Tabak-Industrie zu treiben. Die Tabak-Lobby kämpft ihrerseits gegen Regulierungen und würde eine stärkere Regulierung begrüßen: Die großen Konzerne vertreiben nämlich keine eZigaretten.

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Der traditionellen Zigarette täuschend ähnlich: Die eZigarette. Sie schadet zwar auch der Lunge, ist jedoch für Herz und Blutdruck deutlich weniger gefährlich als der alte Glimmstengel. (Foto: rutoo)

Der traditionellen Zigarette täuschend ähnlich: Die eZigarette. Sie schadet zwar auch der Lunge, ist jedoch für Herz und Blutdruck deutlich weniger gefährlich als der alte Glimmstengel. (Foto: rutoo)

 

Die EU-Kommission will sich über das Votum des EU-Parlaments hinwegsetzen und die eZigarette massiv regulieren: Der Plann von José Manuel Barroso sieht vor, praktisch alle vom EU-Parlament festgesetzten Werte deutlich zu verschärfen: Das Parlament hatte eine maximale Nikotin-Konzentration von 30 mg/ml beschlossen, die Kommission will 20mg/ml. Die Kommission will nur Medikamenten-Aromen akzeptieren, die Nachfüll-Liquids und die nachfüllbren Verdämpfer verbieten und außerdem die Liquid-Packungsgrößen auf 5ml beschränken.

Dac Sprengel, Vorsitzender des Verbands des eZigarettenhandels: „Mit diesem neuen Vorschlag versucht die EU-Kommission, sich über den Mehrheits-Beschluss des Parlaments hinwegzusetzen. Es gibt in der Kommission treibende Kräfte, die ein vollständiges Verschwinden der eZigarette favorisieren und die demokratischen Abstimmungs-Prozesse nicht akzeptieren wollen. Durch den Kommissions-Plan würde die eZigarette doppelt reguliert und erhielte sowohl die Beschränkungen eines Tabak-Produkts als auch die Auflagen für medizinische Produkte.“

Doch die Argumente der Lobbyisten der eZigarette, diese sei das wirkungsvollste Mittel, um sich das Rauchen abzugewöhnen, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Und auch die Frage, wie gesundheitsgefährdend die eZigaretten sind, kann nicht eindeutig beantwortet werden.

Es gibt jedoch einige Aspekte, in der die eZigarette besser abschneidet.

Forscher der Universität von Athen haben zwar herausgefunden, das E-Zigaretten das Risiko, Lungenschäden zu erleiden, keineswegs senken können. Die Forscher beobachteten 32 Studienteilnehmer und maßen ihren Atemwiderstand.
Sie konnten feststellen, dass nach dem Genuss einer E-Zigarette der Atemwiderstand der Versuchspersonen schlagartig anstieg und für etwa 10 Minuten auf diesem Niveau blieb. Bei Personen, die in ihrem Leben noch nie geraucht hatten, stieg der Atemwiderstand von 182 Prozent auf durchschnittlich 206 Prozent; bei Rauchern mit normaler Lungenfunktion von 176 Prozent auf im Durchschnitt 220 Prozent.

„Wir wissen noch nicht, ob neue Nikotinprodukte wie E-Zigaretten sicherer als normale Zigaretten sind, obwohl das Marketing behauptet, sie seien weniger schädlich“, sagt Christina Gratziou, eine Autorin der Studie, „diese Studie hilft uns, zu verstehen, inwieweit, diese Produkte potentiell schädlich sein könnten.“ Man müsse noch weiterforschen, um zu erfahren, ob die Auswirkungen auf die Lunge langfristig sind.

Die Studie unterstützt die Position der European Respiratory Society (ERS), der europäischen Vereinigung der Lungenärzte, zu den E-Zigaretten. ERS-Präsident Klaus Rabe sagt: „Die ERS betrachtet E-Zigaretten weder als sicherere Alternative zum Rauchen noch als ein probates Mittel, mit dem Rauchen aufzuhören.“

Doch Rauchen schädigt nicht nur die Lunge und ist verantwortlich für eine Vielzahl von Krebsarten, auch Herz- und Gefäßkrankheiten werden durch den Konsum von Tabak begünstigt. Hierbei könnten E-Zigaretten tatsächlich weniger schädlich sein als ihre pflanzlichen Kollegen. Eine Studie des ebenfalls in Griechenland beheimateten Onassis Cardiac Surgery Center zeigt, dass das „Dampfen“ einer E-Zigarette keine schädlichen Auswirkungen auf das Herz hat.

In dieser Studie wurde die Herzfunktion von 22 E-Zigaretten-Benutzern mit der von 20 Rauchern verglichen, die täglich rauchen. Nach dem Rauchen einer Tabakzigarette verschlechterte sich die Herzfunktion der Raucher, der Blutdruck stieg an und die Herzfrequenz erhöhte sich. Bei den „Dampfern“ stellte sich nach einem siebenminütigem Genuss der E-Zigarette lediglich ein leicht erhöhter Blutdruck ein.

Nicht besonders überraschend, meint Russell Luepker, Sprecher der American Heart Association: „Die E-Zigarette hat den Vorteil, dass sie neben Nikotin nicht noch tausende andere Chemikalien enthält.“ Und auch wenn in manchen Studien Formaldehyd und andere krebserregende Stoffe in den Liquids der E-Zigarette gefunden wurden, so sei deren Konzentration 500- bis 1400-fach niedriger als in normalen Zigaretten.

Daher verfolgt die Tabak-Lobby die Bestrebungen der EU-Kommission mit Wohlwollen: Wird die eZigarette reguliert, könnten jugendliche Raucher damit abgeschreckt werden, die Zigarette künftig in der Apotheke kaufen zu müssen. Die Tabak-Lobby hat hinter den Kulissen in Brüssel immer noch mächtige Fürsprecher.

Es wäre in ihrem Sinn, wenn die Raucher wieder zur klassischen Zigarette greifen würden. Schockbilder auf den Packungen haben sich als nicht besonders wirksam erwiesen, auch wenn die EU jetzt neue Motive plan (hier).

Die eZigarette ist zwar erwiesenermaßen viel weniger schädlich als die klassische Zigarette: Normalen Zigaretten enthalten laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) bis zu 8.000 chemische Substanzen, darunter 90 krebserregende.

Solche Produkte können freilich niemals in die Apotheke verbannt werden.

Die eZigarette wird vorwiegend von unabhängigen Unternehmen vertrieben, kein großer Tabak-Konzern unterstützt das Produkt. Allerdings plant  Philip Morris International, im kommenden Jahr in das Geschäft mit der eZigarette einzusteigen: Der millardenschwere Markt biete hervorragende Chancen für die Marke Marlboro, teilte der Konzern kürzlich mit.

Auch darin könnte die EU-Kommission eine Motivation sehen, die Kleinen klein zu halten.

Das ist: Chancengleichheit nach dem Geschmack Brüssels.

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