Panik befürchtet: Zentralbank in Kiew warnt vor Bank-Run

Die Lage in der Ukraine gerät außer Kontrolle: Die Zentralbank hat die Bürger aufgefordert, ihre Konten nicht zu plündern. Die Bürger mögen dem Finanzsystem vertrauen. Demonstranten haben unterdessen das Regierungs-Viertel blockiert.

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Mit Blick auf die politischen Turbulenzen sucht die Notenbank der Ukraine einen Ansturm auf die Geldhäuser zu verhindern. Die Bürger sollten auf das Bankensystem vertrauen und ihre Konten nicht räumen, mahnte die Zentralbank am Montag. Sie werde trotz der politischen Proteste die Finanzstabilität gewährleisten und ihre Präsenz „in allen Marktsegmenten“ verstärken. Zugleich betonte die Nationalbank der Ukraine, dass sie für die Geld- und Devisenmärkte keine Beschränkungen erlassen habe.

An den Märkten herrschte bereits während des ganzen Tages Nervosität: So waren die Kreditversicherungen für Staatsanleihen der Ukraine in die Höhe geschossen (mehr hier).

Der Kurs ukrainischer Bonds brach im Gegenzug ein. Zugleich wurde unter Händlern auf eine Abwertung der Landeswährung spekuliert. Die Ukraine steckt in einer Rezession. Ihr Leistungsbilanz-Defizit wächst, während die Devisenreserven schwinden.

Die Opposition hat Proteste organisiert und zum Generalstreik aufgerufen, um ihrer Forderung nach einem Rücktritt von Präsident Viktor Janukowitsch Nachdruck zu verleihen. Der Staatschef hat den Zorn vieler Bürger auf sich gezogen, weil er auf Druck Russlands hin einem über Jahre ausgehandelten Assoziierungsabkommen mit der EU die Unterschrift verweigerte. Bei Protesten am Sonntag prügelten Sondereinsatzkräfte mit Schlagstöcken auf Demonstranten ein und traten am Boden liegende Menschen mit Füßen.

Mit Straßenblockaden aus Blumenkübeln und Mülltonnen haben Demonstranten in der Ukraine am Montag Regierungsbeamten den Zugang zu ihren Büros verwehrt. Rund 1.000 Menschen folgten vor dem Sitz der Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch dem Aufruf der Opposition zum Generalstreik. Sie protestieren seit Tagen gegen den anti-europäischen Kurs des Staatschefs. Tausende weitere Demonstranten waren in der Hauptstadt Kiew unterwegs. Anders als am Vortag waren wenig Polizisten zu sehen.

Der größte Boulevard der Drei-Millionen-Stadt sowie die Zufahrtsstraßen zum Unabhängigkeitsplatz, wo sich die Demonstrationen am Sonntag ebenso wie die Orangene Revolution abgespielt hatten, blieben am Montag für den Verkehr gesperrt. Oppositionelle hielten Reden. Demonstranten haben eine Zeltstadt errichtet. Sie richten sich auf eine längere Auseinandersetzung ein. Orthodoxe Priester beteten für die Verletzten, deren Zahl zunächst unklar blieb. Die Zentralbank in der Nähe des Regierungssitzes arbeitete normal, das Rathaus dagegen hielten Demonstranten noch immer besetzt. Es entwickelt sich zunehmend zu einer Schaltzentrale der Proteste.

Janukowitsch rief Demonstranten und Polizisten zur Besonnenheit auf. Alle müssten sich an die Gesetze halten, erklärte das Staatsoberhaupt in einem Fernsehinterview laut offizieller Mitteilung. „Ein schlechter Frieden ist besser als ein guter Krieg.“ Einem Fernsehbericht zufolge will er wie geplant am Dienstag zu einem Staatsbesuch nach China aufbrechen.

Die Opposition hatte zum Generalstreik aufgerufen, um ihrer Forderung nach einem Rücktritt Janukowitschs Nachdruck zu verleihen. Der Präsident hat den Zorn vieler Bürger auf sich gezogen, weil er auf russischen Druck hin einem über Jahre ausgehandelten Assoziierungsabkommen mit der EU überraschend die Unterschrift verweigerte. Er will sein Land stattdessen enger an Russland binden.


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