UniCredit erwägt Abzug aus der Ukraine

Für die italienische UniCredit werden die Abenteuer in Osteuropa zum Horror-Film: Die Bank fürchtet die Entwicklung in der Ukraine und erwägt den Rückzug. Mehrere Milliarden Euro stehen auf dem Spiel, wenn das Finanzsystem in der Ukraine zusammenbricht.

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UniCredit-Osteuropachef Gianni Franco Papa denkt über einen Rückzug seiner Bank aus der Ukraine nach: Papa sagte, dass ein Verkauf eine Option sei. Diesen hatte bereits UniCredit-Chef Federico Ghizzoni ins Spiel gebracht. Papa: „Ich habe keine Kristallkugel – aber noch sind wir dort. Eine Investition wie diese kann man nicht einfach fallen lassen, nur weil es die ein oder andere schwierige Situation gibt.“

Tatsächlich ist das Problem vor allem, dass die UniCredit bisher noch keinen Käufer für das Ukraine-Geschäft gefunden hat.

Die Turbulenzen in der Ukraine bedrohen die Banken massiv: So warnte die Zentralbank am Montag vor einem Bank-Run – was in der Regel erst geschieht, wenn ein solcher bereits in vollem Gang ist (mehr hier).

In der Ukraine haben in den vergangenen Tagen Hunderttausende Menschen gegen die Entscheidung von Präsident Viktor Janukowitsch protestiert, das Land wieder enger an Russland statt an Europa zu binden. Die dortige Zentralbank pumpe viel Liquidität in den Markt, sagte Papa. Bislang gebe es keine „größeren Probleme“. UniCredit hatte die ukrainische Tochter Ukrsotsbank 2008 im Zuge eines 1,5 Milliarden Euro schweren Deals übernommen und sie jüngst mit einer kleineren lokalen Bank verschmolzen.

Die Lage in der Ukraine dürfte sich nicht entspannen: Das ukrainische Parlament hat am Dienstag ein Misstrauensvotum gegen Regierungschef Mikola Asarow zurückgewiesen. Die Abgeordneten lehnten es mehrheitlich ab, eine Vertrauensabstimmung zuzulassen.

Oppositionsvertreter wie der Schwergewichtsboxer Vitali Klitschko hatten auf das Votum gedrungen, mit dem sie einen Machtwechsel herbeiführen wollen.

Für die europäischen Banken werden die Ost-Europa-Engagements immer mehr zum Alptraum: Auch in Ungarn kämpft die UniCredit gegen das politische Chaos. Auch hier erwägt die Bank einen Rückzug.

Sollte die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban erneut Maßnahmen gegen die Finanzinstitute beschließen, sei die Grenze der Belastbarkeit erreicht, sagte Gianni Franco Papa: „Wir können nicht so weitermachen. Wenn sie wieder beginnen mit einer neuen Runde, werden wir (unsere Aktivitäten) überdenken.“ Weitere Steuererhöhungen seien jedoch kein Grund für einen Rückzug.

Vor rund zwei Jahren hatte die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban in Ungarn tätige Banken gezwungen, Euro- und Franken-Kredite in Forint-Darlehen umzuwandeln. Daraus entstanden hohe Verluste für die Banken. Vor der Krise hatten viele Ungarn solche Fremdwährungskredite aufgenommen und konnten sie dann wegen des Wertverfalls des Forint nicht mehr zurückzahlen. Zuletzt standen Pläne für ein neuerliches Umtauschprogramm im Raum – bislang sind sie jedoch nicht konkret. Zu den größten ausländischen Banken in Ungarn gehören neben der UniCredit die BayernLB -Tochter MKB sowie die österreichischen Institute Erste Group und Raiffeisen Bank International. UniCredit leitet ihr Osteuropageschäft großteils über die österreichische HVB-Schwester Bank Austria.

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