Libor-Skandal erreicht Deutsche-Bank Chef Anshu Jain

Die Finanzaufsicht Bafin ermittelt bei der Deutschen Bank, in welcher Form der Vorstand in die Manipulationen des Libor involviert war. In diesem Zusammenhang fällt auch der Name Anshu Jain. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass Jain mit ernsthaften Problemen rechnen muss.

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Erstmals fällt im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal der Name Anshu Jain.

Das ist überraschend: Denn bisher waren für Banken-Skandale ausschließlich kleine Mitarbeiter zuständig, die sich über die strengen ethischen Vorschriften, denen Top-Manager in Banken lückenlos folgen, mit krimineller Energie hinwegsetzten.

Diese offizielle Lesart gerät nun bei der Deutschen Bank ins Wanken.

Der Skandal um Zinsmanipulation könnte bei der Deutschen Bank doch noch das Top-Management erreichen. Die Bonner Finanzaufsicht BaFin hat ihre Sonderprüfung im Zuge der Libor-Affäre Finanzkreisen zufolge vertieft und untersucht, ob und wie weit Manager von der Manipulation des Interbanken-Zinses wussten oder diese deckten. „Dabei geht es immer auch um die Verantwortung des Vorstandes“, sagte einer der Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Belege für eine Mitwisserschaft von Führungskräften erhofft sich die Finanzaufsicht auch von Akten aus einem Kündigungsschutzprozess, den vier Händler kürzlich vor dem Frankfurter Arbeitsgericht gewonnen hatten. Die Behörde hat die Gerichtsakten angefordert.

Die Händler, die wegen „unangemessener Kommunikation“ mit anderen Marktteilnehmern gefeuert worden waren, hatten vor Gericht den ehemaligen Chef des Devisen- und Geld-Handels der Deutschen Bank, Alan Cloete, belastet. Er habe die internen Untersuchungen des Libor-Falls für beendet erklärt – mit dem Hinweis, dass der damalige Investmentbank-Chef Anshu Jain vor seiner Berufung zum Vorstandschefs nicht beschädigt werden solle. Die Deutsche Bank bestreitet, dass Cloete dies gesagt hat. Cloete ist im erweiterten Vorstand der Deutschen Bank für die Region Asien/Pazifik zuständig.

Zu den Informationen zur Ausweitung der BaFin-Prüfung wollten sich die Deutsche Bank und die Aufsichtsbehörde nicht äußern. In der ersten Phase der Sonderprüfung hatte die BaFin festgestellt, dass organisatorische Mängel die Manipulationen erleichtert hätten, aber keine Mitschuld des Vorstands gesehen. Die BaFin hat verschiedene Werkzeuge, um Bankvorstände zu sanktionieren: Das reicht von einer Rüge – im Fachjargon ein „scharfes Schreiben“ – über eine Verwarnung bis zur Abberufung.

Kleiner Vorschlag an die Bafin für ein „scharfes Schreiben“:

Lieber Herr Jain, 

wir haben im Falle Libor bestimmte Unregelmäßigkeiten vorgefunden, deren Urheberschaft wir aufgrund einer unübersichtlichen Beweislage nicht identifizieren können. Selbstverständlich gehen wir davon aus, dass alle Beteiligten im besten Wissen und Gewissen gehandelt haben.

Dennoch möchten wir Sie ersuchen, künftig dafür Sorge zu tragen, dass die strengen ethischen Maßstäbe, denen sich Ihr Institut bekanntermaßen verpflichtet fühlt, auch allen Mitarbeitern zur Kenntnis gebracht werden.

Im gemeinsamen Interesse um die europäische Finanzmarktstabilität müssen alle Beteiligten ein Interesse daran haben, dass die Öffentlichkeit weiter von der Integrität des Finanzsektors überzeugt bleibt.

Das kürzlich vom Bankensektor ausgesprochene Verbot zur Benutzung von Chatrooms durch Trader sehen wir als ein erste, wichtige Maßnahme an, um jede Form der Kleinkriminalität im Finanzsektor in einem möglichst frühen Stadium zu ersticken.

Wir hoffen, dass die Banken diese Maßnahmen in Kürze auch auf Kaffeehäuser, Bierhallen und Flughafen-Bars ausweiten wird.

Nur so kann der Öffentlichkeit die Sicherheit gegeben werden, dass es durch unangemessene Kommunikation zu Insider-Handel oder gar Manipulationen kommen könnte.

Wir danken im Voraus für Ihre gute Kooperation.

Ihre Bafin e.h.

 


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