Fukushima: Höchste Radioaktivität aller Zeiten, Regierung verschärft Zensur

Die Lage in der Atom-Ruine bleibt weiter völlig außer Kontrolle: Nun wurde ein Leck entdeckt, aus dem so viel Radioaktivität austritt, dass ein Mensch in 20 Minuten sterben würde, wenn er sich an diesen Ort begibt. Der Fund könnte die Bergung der Brennelemente gefährden. Die IAEA hat Tepco die Erlaubnis erteilt, noch mehr radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik abzuleiten. Die japanische Regierung verschärft unterdessen die Zensur.

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Hier wurde der höchste Wert an Radioaktivität gemessen, der jemals außerhalb eines AKW festgestellt wurde. Das Foto zeigt, mit welch primitiven Mitteln Tepco in Fukushima gegen das Desaster ankämpft. (Foto: Tepco)

Hier wurde der höchste Wert an Radioaktivität gemessen, der jemals außerhalb eines AKW festgestellt wurde. Das Foto zeigt, mit welch primitiven Mitteln Tepco in Fukushima gegen das Desaster ankämpft. (Foto: Tepco)

Der Betreiber des Atomkraftwerks von Fukushima, Tepco, teilt mit: An der Atom-Ruine von Fukushima Daiichi wurde eine Stelle entdeckt, an der die höchste jemals an einen Atomkraftwerk gemessene Radioaktivität festgestellt wurde. Würde ein Mensch der gemessenen Strahlung ausgesetzt, würde er innerhalb von 20 Minuten sterben.

Tepco hat eine Strahlung von 25 Sievert pro Stunde an einem Punkt gemessen, an dem eine Ventilations-Leitung die Reaktoren verbindet. Tepco sagte, dass das Unternehmen nicht ausschließen könne, dass sich radioaktive Substanzen noch in der Belüftung befinden, berichtet der Japanische Rundfunk NHK.

Die Höhe der Radioaktivität ist ausgesprochen besorgniserregend: Sollten derart hohe Werte auch an anderen Stellen auftreten, kann die vor einigen Wochen begonnen Bergung der beschädigten Brennelemente nicht fortgesetzt werden.

Beobachter kritisieren seit langem, dass Tepco mit der höchst riskanten Bergung der Brennelemente überfordert ist. Allein die Art der Messung zeigt, dass Tepco mit unzulänglichen Mitteln gegen die Katastrophe vorgeht: Das Mess-Gerät wurde an einem Rohr befestigt, welches von einem Klein-Bus aus an die Stelle geschoben wurde, wo der dramatische Wert gemessen wurde. Offenbar war den Verantwortlichen klar, dass die Werte so hoch sind, dass Menschen sich nicht mehr an die Stelle begeben dürfen.

Die nun gemessene hohe Strahlung deutet darauf hin, dass die Lage in den zerstörten Atomkraftwerken vermutlich weitaus kritischer ist als von Tepco in der Öffentlichkeit zugegeben wurde.

Die Internationale Atomenergie-Behörde IAEA hat Tepco unterdessen in einem Bericht erlaubt, noch mehr radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik abzulassen. Offenbar glaubt auch die IAEA nicht an das Gelingen einer kontrollierten „Dekommissionierung“ von Fukushima.

Die japanische Regierung hat unterdessen – vermutlich auf Druck der Atomlobby – die Zensur in Japan verschärft. Premier Abe hat ein Gesetz durch das Parlament gepeitscht, demzufolge die Weitergabe von „Staatsgeheimnissen“ unter schwere Strafe gestellt werden soll. Zwar hat die Regierung auf Druck der Opposition die Regeln für Journalisten und Whistleblower etwas entschärft. Doch ein Beamter, der „Staatsgeheimnisse“ weitergibt, muss mit zehn Jahren Gefängnis rechnen.

Unabhängige Informationen über die Lage in Fukushima gibt es so gut wie keine. Man kann davon ausgehen, dass alle Details aus Fukushima als „Staatsgeheimnis“ eingestuft werden.

Allerdings reichen auch die „offiziellen“ Informationen von Tepco: Sie zeigen, dass die Lage völlig außer Kontrolle ist – und vermutlich weiter eskalieren wird.

Die Folgen sind unabsehbar – für die Japaner und für die Welt.

Erfahren werden davon erst, wenn es zu spät ist.

Die Katastrophe nimmt ihren Lauf.


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