Banken-Krise: „System der Risiko-Bewertung ist extrem problematisch“

Die US-Finanzprofessorin Anat Admati sieht in der Volcker-Regel noch kein Allheilmittel gegen die Banken-Krise: Das systemische Problem der Banken liege darin, dass die Risiken falsch bewerten werden. Wie groß die Risiken wirklich waren, weiß man offenbar immer erst, wenn es geknallt hat.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Verringert die Volcker-Regel das Risiko, das von den Too-big-to-fail-Banken ausgeht?

Anat Admati: In Verbindung mit anderen Regulierungen kann sie das Risiko verringern, indem sie beschränkt, was die Too-big-to-fail-Banken machen können. Auf diese Weise beschneidet sie deren Wachstum und die Risiken, die sie eingehen können.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Solange die Banken für sich in Anspruch nehmen können, dass sie Market-Maker sind – wie kann man sie stoppen?

Anat Admati ist Professorin für Finanz-wirtschaft (Kapitalmärkte, Unternehmensfinanzierung) an der Stanford University. Außerdem arbeitet sie in einem Komitee des Einlagensicherungsfonds der USA.

Anat Admati ist Professorin für Finanz-wirtschaft (Kapitalmärkte, Unternehmensfinanzierung) an der Stanford University. Außerdem arbeitet sie in einem Komitee des Einlagensicherungsfonds der USA.

Anat Admati: Die Ausnahme für das Market-Making ist problematisch und macht die Umsetzung sehr schwierig. Die Regel wurde geschrieben, um zu versuchen, die Banken dazu zu zwingen nachzuweisen, dass Trades, die als Market-Making klassifiziert sind, einigermaßen vereinbar damit sind. Doch es gibt erheblichen Raum für Ermessensentscheidungen und Entscheidungsfreiheit auf Seiten der Banken und der Regulierer. Die Regulierer (hier und anderswo) müssen wachsam sein bei der wirksamen Durchsetzung der Regel. Die Hoffnung ist, dass eine stärkere Belastung der Banken das übermäßige Eingehen von Risiken beschränkt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was sind die tatsächlichen Risiken im Bankensektor und wie groß sind sie?

Anat Admati: Die Risiken kommen von der Undurchsichtigkeit und Vernetzung und den extrem niedrigen Kapitalquoten. Abgesehen von der Wahrscheinlichkeit einer vermuteten Insolvenz und Ansteckungseffekten sind hoch verschuldete Banken, wie alle großen Schuldner, ineffektiv bei ihren Investitions-Entscheidungen und vermeiden möglicherweise besonders die Vergabe von relativ sicheren Unternehmenskrediten, weil diese nicht genug Gewinnpotential haben. Ein solches Verhalten zusammen mit der Jagd nach Rendite, die das Eingehen übermäßiger Risiken beinhalten kann, gefährdet und schädigt die Wirtschaft. Ich kann die Risiken und den Schaden nicht beziffern, aber sie sind erheblich und sie dauern an.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Themen sollten die Regulierer ihrer Ansicht nach angehen, um das systemische Risiko wirklich zu verringern?

Anat Admati: Regulierer müssen sicherstellen, dass keine Risiken entstehen oder versteckt werden. Und sie müssen sicherstellen, dass die Banken sich auf deutlich mehr Kapitalfinanzierung stützen. Ein stabiles Finanzsystem kann die Wirtschaft besser und beständiger unterstützen, ohne so viele Boom-Phasen und Krisen und mit weniger Verzerrungen. Die Regulierer müssen auch die Art und Weise überdenken, wie Regulierungen versuchen, mit Risiken umzugehen. Das System zur Risikobewertung ist extrem problematisch. Anzunehmen, dass das Kapital so „knapp“ ist, nur weil die Banken sich nicht auf diese Art der Finanzierung stützen wollen, ist vollkommen falsch.

Anat Admati ist Professorin für Finanz-Wirtschaft (Kapitalmärkte, Unternehmensfinanzierung) an der Stanford University. Außerdem arbeitet sie in einem Komitee des Einlagensicherungsfonds der USA. In ihrem neuen Buch „Des Bankers neue Kleider – was bei Banken wirklich schiefläuft und was sich ändern muss“ entzaubern Anat Admati und Martin Hellwig die modernen Märchen der Finanzwirtschaft, dass eine Regulierung der Banken ohne Zusammenbruch des Systems unmöglich sei. Das Buch ist im FinanzBuch Verlag München auf Deutsch erschienen und kostet 24,99 Euro.

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