Erdogan greift durch: Minister-Söhne verhaftet

In der Türkei sind Regierungskreisen zufolge drei Söhne von Ministern aus dem Kabinett von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan und mehrere bekannte Geschäftsleute unter Korruptionsverdacht festgenommen worden. Die Razzien stehen im Zusammenhang mit möglichen Schmiergeld-Zahlungen bei öffentlichen Ausschreibungen, hieß es am Dienstag in den Kreisen.

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Am frühen Morgen habe es Durchsuchungen in Istanbul gegeben, dabei seien die Söhne von Innenminister Muammer Güler, Wirtschaftsminister Zafer Caglayan und des für Umwelt zuständigen Ressortchefs Erdogan Bayrakta verhaftet worden.

Die Polizei durchkämmte auch den Sitz des Bauunternehmens Agaoglu. Anzeichen für kriminelle Aktivitäten habe es nicht gegeben, erklärte das Unternehmen. In Ankara wurden die Büros der staatlichen Halkbank durchsucht. Die Behörden hätten Informationen und Dokumente angefordert, erklärte die Bank. Die Aktien der Bank brachen an der Börse um acht Prozent ein. Das zog den Leitindex in Istanbul nach unten: Er verlor 3,7 Prozent.

Details zu den Vorwürfen wurden zunächst nicht bekannt, auch ist unklar, ob die drei Razzien miteinander in Verbindung stehen. Fachleute vermuten jedoch, dass der Hintergrund ein innenpolitischer Streit ist und dass die Bewegung des einflussreichen Klerikers Fethullah Gülen hinter den Razzien steckt.

„Das ist ein sehr starker Schritt der Bewegung, den man unmöglich ignorieren kann“, sagte der Publizisten Ahmed Sik, der ein Buch über die Bewegung geschrieben hat und deswegen ein Jahr im Gefängnis verbrachte.

Der Machtkampf zwischen Gülen und Ministerpräsident Erdogan gewinne vor der Kommunalwahl im kommenden Jahr an Schärfe. Viele Vertreter der Gülen-Bewegung nehmen wichtige Posten in Polizei und Justiz ein. Gegner werfen Erdogan einen zunehmend autoritären Regierungsstil vor.

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