Monte Paschi in Not: Italien will Skandal-Bank nicht retten

Die Regierung in Rom will im Fall der in bedrohliche Schieflage geratenen Monte dei Paschi Härte zeigen: Die Bank soll nicht verstaatlicht werden. Nun fragen sich die Märkte, woher die 3 Milliarden Euro kommen werden. Die sozialistische Stiftung, die größter Anteilseigner der Bank ist, will keine ausländischen Eigentümer. Doch die Haie kreisen bereits um um die älteste Bank der Welt.

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Die schwer angeschlagene Bank Monte dei Paschi di Siena soll nach dem Willen der italienischen Regierung auch nach der vorerst geplatzten, dringend notwendigen Kapitalerhöhung ihre Eigenständigkeit behalten. Der Regierung sei daran gelegen, dass die finanzielle Aufstockung von drei Milliarden Euro für die älteste Bank der Welt umgesetzt und die Bank nicht verstaatlicht werde. Zudem solle das Institut seine unter dem früheren Premierminister Mario Monti erhaltenen Bonds zurückzahlen, sagte ein Regierungssprecher am Montag.

Die Anleger zeigten sich verunsichert wegen der unklaren Perspektiven für die Bank. Zunächst gab das Papier nach der Verschiebung der Kapitalerhöhung um bis zu knapp acht Prozent nach, der Kurs wurde vorübergehend ausgesetzt. Am Mittag lag es dann wieder leicht im Plus.

Nach einer beispiellosen Revolte ihres Großaktionärs, der ebenfalls Monte Paschi heißenden Stiftung aus Siena, steht die Führung der Bank vor einem Scherbenhaufen. Eine Aufstockung des Kapitals schon im Januar wurde am Samstag auf der Aktionärsversammlung des Geldhauses abgelehnt. Der Sanierungsplan steht damit infrage. Die Stiftung steckt selbst in Schwierigkeiten und hatte eine Verschiebung des Kapitalschritts auf Mai gefordert. „Dadurch, dass der Hauptaktionär um einen Aufschub gebeten hat, arbeiten wir nun daran, sicherzustellen, dass es mit der Kapitalerhöhung vorangeht“, sagte der Regierungssprecher.

In dieser Situation kreisen die Finanz-Haie um die MPS: Für ausländische Banken und Spekulanten könnte die Bank ein interessantes Objekt sein. Sie könnten die Schulden übernehmen und in Anteile umwandeln.

Das größte Problem ist die sozialistische Stiftung, die als Mehrheitseigentümer der Bank fungiert. Sie will nicht nachschießen, weil sie selbst pleite ist. Zugleich will sie ausländische Investoren verhindern. Doch offenbar ist bei der Stiftung ein Umdenken zu beobachten. In einem Interview mit dem Corriere sagte die Präsidentin der Stiftung, Antonella Mansi, dass die Stiftung bereit sei, ihre Anteile zu verkaufen. Sie hoffe jedoch, dass die Sozialisten wenigstens einen kleinen Anteil behalten können, denn dies sei die einzige Rechtfertigung, warum es diese Bank in Siena überhaupt gibt. Die Ablehnung der Kapitalerhöhung begründete Mansi mit einem möglichen Verlust von 700 Millionen Euro, der der Stiftung gedroht habe. 

Die 1472 gegründete Traditionsbank ist wegen riskanter Derivategeschäfte und der Schuldenkrise in der Schieflage. Sie hat in den vergangenen zwei Jahren fast acht Milliarden Euro Verlust geschrieben, auch 2013 werden rote Zahlen erwartet. Die Regierung stützt das Institut mit 4,1 Milliarden Euro. Für eine Genehmigung dieser Staatshilfe verlangt die EU-Kommission eine Kapitalerhöhung, anderenfalls droht eine Verstaatlichung.

Mehr zum Krimi um die MPS und den vielen prominenten Beteiligten an der Geschichte hier. 

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