Erdoğans Polizeistaat: Frau wegen Protest mit Schuh-Karton verhaftet

In der Türkei wurde eine Frau verhaftet, weil sie Premier Erdoğan bei einer Kundgebung von ihrem Balkon mit einen Schuhkarton winkte. Die Geste war symbolisch gemeint: In solchen Kartons hatten die Behörden während der Korruptionsermittlungen bei einem Verdächtigen Schuhkartons mit Geldscheinen gefunden. Die Polizei versteht in der Türkei allerdings momentan keinen Spaß.

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4,5 Millionen Dollar versteckt in diversen Schuhkartons – diese Summe fand die türkische Polizei am 18. Dezember bei der Durchsuchung des Hauses von Halkbank-Chef Suleyman Aslan vor. Eine Frau im westtürkischen Manisa spielte am Wochenende genau auf diesen Umstand an. Dafür bezahlen musste sie mit ihrer Festnahme.

Nurhan Gül soll einen Schuhkarton von ihrem Balkon aus gezeigt haben, als der türkische Premier Erdoğan am Sonntag während einer Kundgebung zu seinen Anhängern im Distrikt Akhisar sprach. Kurz nach dem Protest der Frau tauchten schließlich Polizei und Bodyguards des Premierministers auf und nahmen sie fest. Erst nach einem zwei Stunden andauernden Verhör auf der Polizeiwache wurde sie wieder freigelassen.

„Ich saß auf meinem Balkon und habe mit einem leeren Schuhkarton gewunken“, zitier die türkische Zeitung Hürriyet Gül. Gesagt hätte sie hingegen nichts. Nur ein oder zwei Minuten später seien auch schon Bodyguards und die Polizei bei ihr zuhause aufgetaucht. „Sie fragten, wer mit dem Karton gewunken habe. Nachdem ich angab, dass ich es war, wurde ich verhaftet.“ Am Freitag zuvor ging die Polizei ebenfalls harsch gegen regierungskritische Demonstranten vor.

Eigenen Angaben zufolge, wollte Gül mit ihrer Aktion vor allem gegen ihre niedrige Rente von 690 Lira, umgerechnet lediglich 236 Euro, protestieren. Altersarmut ist in der Türkei weit verbreitet. Viele müssen weiter arbeiten. Ihrer Ansicht nach sei der Grund für ihre niedrigen Bezüge die Untersuchungen innerhalb der Polizei und der Staatsanwaltschaft statt in den Reihen von Betrügern und Dieben.

Halkbank-Manager Aslan wurde am 21. Dezember wegen des Verdachts der Bestechung verhaftet. Dem aserbaidschanischen Unternehmer Reza Zarrab wird vorgeworfen, Bestechungsgelder in Höhe von 142 Millionen Lira, etwa 48.635.000 Euro, verteilt zu haben. Mithilfe der Halkbank soll Zarrab in den beiden letzten Jahren Gold im Wert von gut 5,8 Milliarden Euro über die Türkei in den Iran transferiert haben.

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