Machtkampf in Brüssel: Euro-Chef nennt Juncker einen „Trinker“

Die Neuvergabe der Posten in Brüssel hat zu einer regelrechten Schlammschlacht geführt. Der Niederländer Dijsselbloem sagte im Fernsehen, Jean-Claude Juncker habe ein Alkoholproblem. Der Kommissar Barnier lässt ein Buch nicht drucken, weil er gerne auf dem Cover „Kandidat“ stehen haben möchte. Das Tollhaus wird vom Steuerzahler finanziert.

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In Brüssel fliegen die Fetzen: Es geht um die Vergabe der lukrativen Posten, wenn Barroso und Van Rompuy abtreten. Im Kampf um den Kommissions-Präsidenten hat der Luxemburger Jean-Claude Juncker sein Interesse angemeldet: Er würde sich „zur Verfügung stellen“, wenn die Rahmenbedingungen passen, sagte Juncker in einem Fernsehinterview.

Doch es gibt massiven Widerstand gegen den Freund von Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble. Im niederländischen TV bezeichnete der aktuelle Euro-Gruppenführer Jereon Dijsselbloem Juncker als einen „starken Raucher und Trinker“. Er sprach damit, wie der EUObserver berichtet, öffentlich aus, was in Brüssel viele Insider sagten: dass nämlich Juncker – einer der größten Verfechter des Euro als einer politischen Vision – ein Alkoholproblem habe. Der EUObserver schreibt: „Gerüchte über Junckers schlechte Angewohnheiten sind in Brüssel seit Jahren zirkuliert. Aber Dijesselbloem hat als erster das Tabu zu diesem Thema gebrochen.“ Dijesselbloem sagte, dass die Atmosphäre der Sitzungen der Finanzminister „calvinistischer“ geworden sei, seit Juncker an den Sitzungen nicht mehr teilnimmt.

Juncker entgegnete in der Zeitung Luxemburger Wort und sagte: „Ich habe kein Alkoholproblem… und ich möchte nicht auf Kommentare reagieren, die in einer humoristischen Talk-Show im holländischen Fernsehen gefallen sind.“

Juncker wird auch von Angela Merkel abgelehnt, weil Merkel auch eher calvinistisch ist – vor allem aber, weil Merkel einen schwachen EU-Kommissionpräsidenten möchte. Juncker hatte in der Vergangenheit öfter Deutschland wegen seiner politischen Positionen kritisiert.

Im Vorfeld des Brüsseler Machtkampfes wird aber nicht nur wie am Wirtshaus-Tisch gekämpft – es gibt auch stille Genießer: Der Franzose Michel Barnier möchte ebenfalls Kommissionspräsident werden. Er hat daher den Druck eines Buchs gestoppt, weil er gerne auf den Umschlag geschrieben haben will: „Von Michel Barnier, EU-Kommissionspräsidenten-Kandidat 2014“.

Barniers Pech: Sein eigener Premier ist Sozialist und wird den Konservativen nicht unterstützen.

Es wird daher erwartet, dass eher ein Außenseiter zum Zug kommt – der Pole Tusk und der Ire Kenny sind im Gespräch – oder aber eine Frau: Christine Lagarde gilt als heimliche Favoritin (hier).

Der EU-Kommissionspräsident wird von den Regierungschefs hinter verschlossenen Türen und ohne jede öffentliche Rechtfertigung oder durch den Wähler legitimierten Prozess bestimmt. Angela Merkel hat bereits unmissverständlich klargemacht, dass sie die erweiterte Mitbestimmung durch das EU-Parlament für nicht bindend hält (kein Automatismus – hier).

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