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Boehringer: Wir fordern Transparenz über das deutsche Gold

Peter Boehringer von der Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim“ fordert Transparenz von der Deutschen Bundesbank. Die Bürger müssten endlich erfahren, was mit dem deutschen Gold geschehen ist. Doch die Bundesbank setzt auf absolute Geheimhaltung. Das Vertrauen in die Ehrlichkeit der großen Zentralbanken der Welt steht auf dem Spiel.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie schätzen Sie die widersprüchlichen Aussagen der Bundesbank im Zusammenhang mit der Heimholung des deutschen Goldes ein? Kann so etwas kurz vor Weihnachten versehentlich geschehen?

Peter Boehringer: Versehen können immer passieren. Aber eine wichtige Meldung („Repatriierung von 37 Tonnen Gold“) ausgerechnet am 23.12. und ausgerechnet per Bild-Zeitung verlautbaren zu lassen, ist sicher ungewöhnlich. Zumal in der Bild-Meldung Unschärfen und Auslassungen vorliegen (etwa zu genauem Ort und Zeitpunkt der Umschmelzungen von Barren sowie zu den genauen Tonnagen und zur genauen Herkunft der nun nach Deutschland zurückgeholten Ware – Paris und New York). Unschärfen, die eine offizielle Pressemitteilung der Bundesbank sicher vermieden hätte. Dasselbe dann erneut bei der wiederum nicht per Pressemitteilung, sondern per Wirtschaftswoche-Artikel (am 7.1.) verbreiteten teilweisen Abänderung der BILD-Meldung durch die Bundesbank.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Das Vorgehen der Bundesbank ist komplett intransparent. Wer von den Verantwortlichen ist wirklich informiert? Warum werden die Informationen geheim gehalten?

Peter Boehringer: Leider ist für alle Außenstehenden nicht einmal transparent, ob und ggf. welche Bundesbank-Verantwortliche über was informiert sind. Angeblich gab es vor Monaten eine (nie näher erläuterte) „Inspektion“ der deutschen Barren bei der Fed durch Bundesbank-Mitarbeiter – übrigens nach 50 Jahren erstmals überhaupt. Auch sei Jens Weidmann im Dezember 2013 bei einer Visite bei der Fed gewesen und habe sich (irgendwie, nie näher erläutert) das Gold zeigen lassen.

Und angeblich gibt es vollständige Barrenlisten an allen Lagerorten. Doch nie wurde je eine dieser Listen veröffentlicht. Nie ein Prüfungsreport. Nie irgendwelche Details – obwohl diese keineswegs alle „sicherheitsrelevant“ wären, wie uns immer wieder erklärt wird. Sogar Nummern-Listen nunmehr ganz offiziell per Einschmelzung vernichteter Barren werden nicht bekanntgegeben. Von einem physisch anhand der ausländischen Barrenlisten durchgeführten Vollaudit ganz zu schweigen.

Wir können uns nicht einmal vorstellen, dass die Bundesbank den genauen physischen Status ihrer Auslandsbarren vollständig kennen KANN, da die Fed selbst seit 60 Jahren (!) keinen offiziellen Audit ihrer Goldtresore durchgeführt hat bzw. seitdem jedenfalls fast immer akribisch Externe oder gar Journalisten außen vor gehalten hat. Ebenso die Banque de France oder die Bank of England. Und wenn es Ausnahmen gab – so waren diese „Touristen-Events“ in den Fed-Tresoren niemals Vollaudits mit physischer Bewegung der z.T. seit Jahrzehnten unbewegten Barren.

Hinzu kommt, dass ein sauberer Audit auch mögliche Doppeleigentümerschaften und (buchhalterische) Entleihungen der Ware mit hätte umfassen müssen. Von all dem wurde niemals etwas berichtet. Vermutlich gab es bei keiner der drei „Partnerbanken“ der Bundesbank je einen umfassenden Audit durch Bundesbank-eigene oder deutsche externe Prüfer. Und falls es diese doch gegeben haben sollte, hätten die deutschen Bürger (als Eigentümer) ein Anrecht auf akribische Veröffentlichung und Erläuterung aller Inventur-, Listen-, Hersteller-, Umschmelzungs- und Prozessdetails. Sowie auf umfassende Foto- und Videodokumentation und auf ein personalisiertes und haftungsrelevantes Testat eines vereidigten Wirtschaftsprüfers.

Wir können und wollen nicht spekulieren, warum all diese Informationen ohne jede erkennbare Not geheim gehalten werden. Die von der Bundesbank implizit gegebene Antwort „Es geht euch nichts an“ akzeptieren wir nach Jahrzehnten des Fragens nun nicht mehr.

Leider haben weder der Bundesrechnungshof noch einige „Wir-kümmern-uns“-MdBs, die sich 2012 per mitfliegendem BILD-Fotoreporter wählerwirksam zusammen mit Fed-Portiers an der Fed-Eingangstür (ungleich Tresortür!) haben ablichten lassen, seitdem je eine ihrer schönen Forderungen nach Transparenz und Heimholung bei der Bundesbank nachgehalten! Case closed – aber noch nicht für uns.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Halten Sie es für möglich, dass die Bundesbank entgegen der eigenen Äußerungen lediglich die Echtheit der Barren prüfen wollte? Muss man die Barren dazu einschmelzen?

Peter Boehringer: Vermutlich wird dies die Antwort der Bundesbank sein, wenn erst die dubiose Aussage „Wir wollten LGD-Feinheit erlangen“ als Erklärung nicht mehr ausreicht. Es gab ja sogar im Oktober 2012 die Ankündigung der Bundesbank, 2013-2015 pro Jahr jeweils 50 Tonnen zurückzuholen, was offenbar schon im ERSTEN Jahr dieses Zeitraums nicht möglich war: Weder quantitativ (37 statt 50 Tonnen) noch qualitativ (warum sonst zuerst Umschmelzung, dann erst Prüfung?).

Und ja, man kann Barren natürlich auch ohne vollständige Einschmelzung prüfen: entweder per einfacher Stichprobe und/oder per Röntgenfluoreszenzanalyse, Stromleitfähigkeitsanalyse, Säuretest oder Ultraschallmessgerät (bei Profis sehr gebräuchlich).

Aber auch die Erklärung „LGD“ muss unbedingt plausibilisiert werden: Welches Material kam in welcher genauen Form und Reinheit von welchem Lagerort? War dies genau das Material, das die Bundesbank 1951-1967 eingekauft hatte? Welche Barrennummern waren dies genau? Falls es anderes/jüngeres Material war: Warum und wann wurde noch nach Abschluss der Käufe 1967 (Blessing-Brief) ein Umtausch der Ware vollzogen? Fragen über Fragen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie fordern die Rückführung des gesamten deutschen Goldes. Gehen Sie davon aus, dass das Gold noch in New York ist? Warum dauert der Prozess so lange?

Peter Boehringer: Wir gehen hier von gar nichts aus. Die Bundesbank sagt seit Jahren, sie habe „keinen Anlass, an der vollen Integrität ihrer Partnerbanken zu zweifeln“. Also glauben wir das (wohl wissend, dass man das auch anders sehen kann).

Aber die Zweifel wachsen, wenn schon die ERSTE Tranche über poplige 37 Tonnen (also nur 1,6% des heimzuholenden Auslandbestands) nicht ohne Widersprüche und erhebliche Unklarheiten bzw. Intransparenzen durchführbar war. Wie soll dies dann erst bei WEITEREN Lieferungen werden? Ob alles wirklich in Originalform da war und ist, werden wir erst nach der letzten, hoffentlich dann sauber dokumentierten Lieferung erfahren. Beim aktuellen Tempo wäre das etwa im Jahre 2076.

Zudem ist unabhängig hiervon selbstredend von der Bundesbank eine saubere und öffentliche Inventur auch des IN DEUTSCHLAND gelagerten Goldes einzufordern. Auch beim hiesigen Gold warten wir bislang vergebens auf die Veröffentlichung der von uns schon 2011 eingeforderten Barrenlisten. Und/oder auf ein belastbares Testat eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers nach erfolgter physischer Vollinventarisierung – gleichzeitig an allen deutschen Standorten. Das Testat muss zugleich einen Nachweis enthalten, dass die Bundesbank das EXKLUSIVE Eigentums-Recht auf diese Barren hat (keine buchhalterischen Mehrfachansprüche auf ein und dieselben Barren)!

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was würde passieren, wenn die Bundesbank erklären würde, dass das deutsche Gold nicht mehr in New York ist? Welche Konsequenzen hätte dies für Deutschland und für die Welt?

Peter Boehringer: Nun, wir sprechen bei 1.500 Tonnen in New York und bei weiteren 800 Tonnen in London und Paris immerhin von knapp einer Weltjahresproduktion aller Minen und von über 10 Prozent der geschätzten Gesamt-Goldbestände westlicher Zentralbanken. Und wir sprechen von sehr knappem PHYSISCHEN Material: Im etwa einhundert Mal größeren PAPIERgoldmarkt wäre das zwar eine sehr geringe Menge: Merrill Lynch etwa verkaufte am 12.4.13 in wenigen Minuten 124 Tonnen Papiergold (!).

Aber in Zeiten, in denen der Bundesbank offenbar bereits die (Wieder-)Beschaffung von nicht einmal 50 physischen eigenen Tonnen in einem Jahr Schwierigkeiten bereitet und in denen Indien zur Erhaltung eines Angebots-Nachfrage-Gleichgewichts mit massivsten administrativen Maßnahmen die physische Nachfrage um 80 Prozent abwürgen musste, wären 2.300 Tonnen physischer Fehlbestand im offenen Markt rein markttechnisch ENORM viel.

NOCH wichtiger wäre allerdings der Vertrauensverlust der Welt sowohl in die Existenz des (physischen, unverliehenen) Goldbestands der Zentralbanken, als auch in die Vertrauenswürdigkeit der Fed und der USA. Wir überlassen es der Phantasie Ihrer Leser, sich auszumalen, was dies einerseits für den Goldpreis; andererseits für den Dollar und übrigens auch für das betrügerische fractional reserve Papier-Falschgeldsystem insgesamt bedeuten würde.

Doch all dies sind keine Spekulationen, die wir uns als Bürgerinitiative erlauben. Wir erlauben uns lediglich wichtigste und absolut angebrachte FRAGEN an die Bundesbank als Treuhänderin des zweitgrößten Goldhortes der Welt zu stellen. Ihre Frage nach möglichen Konsequenzen der Aufdeckung von Unstimmigkeiten geht allerdings in die richtige Richtung und könnte erklären, warum die Intransparenz bei weltweit allen Zentralbankgoldbeständen nun seit Jahrzehnten nicht aufzubrechen ist. In den USA natürlich ebenso – dort schon seit der letzten Inventur der US-eigenen Goldbestände unter Eisenhower 1953.

Peter Boehringer ist Vorstand der Deutsche Edelmetall-Gesellschaft e.V. und Co-Initiator der Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim“. Diese beteiligt sich nicht an unbelegbaren Behauptungen und Verschwörungstheorien, sondern fordert lediglich Transparenz von der Deutschen Bundesbank. Auf seinem höchst interessanten Blog berichtet Boehringer regelmäßig auch über das seit vielen Jahrzehnten weitestgehend im Ausland gelagerte deutsche Gold.

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Russland bietet Türkei Wiederaufnahme der Pipeline Turkstream an
Russland bietet Türkei Wiederaufnahme der Pipeline Turkstream an
Russland möchte die mögliche Normalisierung des Verhältnisses mit der Türkei nutzen, um das für die EU wichtige Pipeline-Projekt Turkstream zu realisieren. Das Projekt war wegen der Spannungen auf Eis gelegt worden und soll die EU unter Umgehung der Ukraine mit…
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Russlands Präsident Putin und Außenminister Lawrow beim Emfang ausländischer Diplomaten am Donnerstag in Moskau. (Foto: dpa)

Russlands Präsident Putin und Außenminister Lawrow beim Emfang ausländischer Diplomaten am Donnerstag in Moskau. (Foto: dpa)

Nach dem Telefonat zwischen den Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, lockert die Regierung in Moskau über das Nachbarland verhängte Sanktionen. Sowohl beim Tourismus als auch beim Pipeline-Projekt Turkstream sowie dem geplanten Bau eines Atomkraftwerkes zeigte sich die russische Regierung am Donnerstag bereit, Restriktionen aufzuheben.

Der russische Energieminister Alexander Novak erklärte, Russland sei bereit, die Arbeiten an der Gas-Pipeline Turkstream wieder aufzunehmen. Mit dem Projekt soll Erdgas unter Umgehung der Ukraine in die EU gepumpt werden. Zudem sollen die auf Eis gelegten Arbeiten an dem geplanten Atomkraftwerk Akkuyu wieder aufgenommen werden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den russischen Vertreter bei der internationalen Atomenergiebehörde IAEA.

Das Projekt könnte für die Energieversorgung der EU wichtig werden, weil die Terror-Miliz IS angekündigt hat, die Kontrolle über den Handelsweg über die Straße von Hormus übernehmen zu wollen. Wenn es eine Alternativ-Route gibt, könnte die EU von Russland und den USA mit Energie versorgt werden. Die Amerikaner setzen auf Exporte von Flüssiggas (LNG) nach Europa.

Die Nachrichtenagentur Tass meldete, das Verkehrsministerium habe nach einer Anweisung der Regierung angefangen, Charterflüge in die Türkei wieder aufzunehmen. Das könnte ein erster Schritt sein, um den für die Türkei wichtigen Tourismus aus Russland wieder anzukurbeln.

Die Türkei hatte im November ein russisches Kampfflugzeug im syrischen Grenzgebiet abgeschossen, was die Beziehungen zwischen beiden Staaten schwer belastete. Russland verhängte Sanktionen. Vor allem die türkische Tourismusbranche und die Landwirtschaft waren davon stark betroffen. Am Dienstag hatten Putin und Erdogan erstmals wieder telefoniert.

Der russische Botschafter in Ankara, Andrej Karlow, erklärte, Russland erwarte eine Kompensation für den Abschuss des Kampfjets, bevor die bilateralen Beziehungen umfassend normalisiert würden. Dazu gehöre eine Entschuldigung, die Bestrafung der Verantwortlichen für den Abschuss und eine Entschädigung. Die Türkei habe sich für den Abschuss des Jets entschuldigt, sagte Putin bei einem Treffen mit russischen Diplomaten. Ob es zu einer Entschädigung kommen wird, ist unklar.

Türkei: Attentäter waren IS-Rekruten aus Russland und Zentralasien
Türkei: Attentäter waren IS-Rekruten aus Russland und Zentralasien
Die Attentäter vom Atatürk-Flughafen sollen Islamisten gewesen sein, die aus Russland, Usbekistan und Kirgisien stammen. Unklar bleibt, ob die Attentäter einer Terror-Organisation angehörten oder Söldner waren. Unklar ist ebenfalls, in welchem Auftrag sie gehandelt haben.
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BU: Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan will gegen Terroristen und Attentäter vorgehen. (Foto: dpa)

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan will gegen Terroristen vorgehen. (Foto: dpa)

Die Attentäter vom Atatürk-Flughafen in Istanbul sollen den türkischen Behörden zufolge aus Rekrutierungsgebieten der Terror-Miliz ISIS im Kaukasus und in Zentralasien. Die Selbstmordattentäter seien ein Usbeke, ein Kirgise und ein russischer Staatsbürger gewesen, hieß es am Donnerstag aus türkischen Regierungskreisen. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, der russische Staatsbürger stamme aus der Region Dagestan.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass analysiert die Meldung:

„Die drei Selbstmordattentäter, die die Terror-Attacke vom Atatürk-Flughafen in Istanbul ausgeführt haben, sind russischer, usbekischer und kirgisischer Nationalität, berichtete die Nachrichtenagentur Dogan am Donnerstag. Die Agentur berichtet unter Berufung auf Sicherheitsquellen, dass einer der Täter aus der Republik Dagestan im Nordkaukasus kam. Andere türkische Medien berichten, dass er in der Nachbarrepublik der Türkei, Tschetschenien, stammen soll und über Syrien in die Türkei eingereist sein soll. Die Polizei in Istanbul hatte am frühen Donnerstag 13 Personen festgenommen – drei von ihnen sind Ausländer, die im Zusammenhang mit dem Flughafen-Anschlag von Dienstag stehen, bei dem 42 Menschen getötet und 239 verletzt wurden.“

Das Söldnertum ist im Kaukasus und weiteren Ex-Sowjetrepubliken besonders ausgeprägt. Junge arbeitslose Männer schließen sich Söldnertruppen an, um das finanzielle Überleben ihrer Familien zu sichern. Bei Selbstmordattentätern locken die Auftraggeber ebenfalls mit Geld. Den mittellosen Attentätern wird versprochen, sich nach ihrem Ableben mit großen Geldsummen um ihre Hinterbliebenen zu sorgen. Im vergangenen Jahr hatte die französische Polizei in Paris fünf Russen tschetschenischer Herkunft festgenommen. Sie sollen ein Attentat geplant haben. Unklar war, ob sie einer terroristischen Vereinigung angehören oder Söldner sind, die für Geld weltweit Aufträge erfüllen.

CIA-Chef John Brennan hatte am Mittwoch im Zusammenhang mit dem Anschlag am Atatürk-Flughafen gesagt, dass es das „Markenzeichen“ der Terror-Miliz ISIS trage. „Ich wäre überrascht, wenn ISIS nicht versuchen würde, diese Art von Attacken auch in den USA auszuführen“, zitiert ihn USA Today.

 

Österreich: Flüchtlingspolitik ist „dramatischster Fehler“ der EU
Österreich: Flüchtlingspolitik ist „dramatischster Fehler“ der EU
Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz hält den Zusammenbruch der EU für möglich. Die Flüchtlingspolitik hält er für einen dramatischen Fehler. Man habe zu lange versucht, die Bürger mit Durchhalteparolen ruhigzustellen.
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Österreichs Außenminister Sebastian Kurz, mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini beim Ministerrat in Brüssel. Seiner Meinung nach ist die Flüchtlingspolitik der EU wie der dramatischster Fehler. (Foto: dpa)

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz, mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini beim Ministerrat in Brüssel. (Foto: dpa)

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz hat angesichts der Flüchtlingskrise vor einem Auseinanderbrechen Europas gewarnt. Kurz bezeichnete die Flüchtlingspolitik als „dramatischster Fehler“ der EU. Das Thema habe die Menschen emotionalisiert und sei am Ende entscheidend für den Ausgang des Brexit-Referendums gewesen, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch in Österreich erwarte man „mehr von Europa“, und das Thema Bewältigung der Flüchtlingsströme stehe „für die Bürger ganz oben auf der Agenda“. Viele Probleme seien in Europa nicht gelöst und die Bürger mit „Durchhalteparolen ruhiggestellt“ worden.

Zugleich verteidigte Kurz die österreichische Haltung in der Flüchtlingsfrage. „Ich würde mir mehr Verständnis in Deutschland für unsere Positionen wünschen, zumal Deutschland mit Kontrollen an der österreichisch-deutschen Grenze kein Problem hat“, sagte er. Der Außenminister bekräftigte seine Forderung, Migranten konsequent abzufangen, die über den Seeweg kommen. „Wenn sich jemand illegal auf den Weg nach Europa macht, muss er an der EU-Außengrenze gestoppt werden und am besten in das Transit- oder Herkunftsland zurückgebracht werden. Solange wir das nicht tun, unterstützen wir indirekt die Schlepper, weil sich dann immer mehr auf den Weg machen, und dann werden auch mehr Menschen ertrinken.“

 

Flüchtlingszahlen auf Balkan-Route steigen erneut an
Flüchtlingszahlen auf Balkan-Route steigen erneut an
Die Flüchtlingszahlen auf der Balkan-Route sollen erneut ansteigen. Das berichtet der UNHCR. In Serbien kommen täglich 300, in Ungarn 186 und in Österreich 111 Flüchtlinge an. In Italien kommen täglich 3.645 Flüchtlinge an.
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Die Flüchtlingszahlen auf der Balkan-Route und in Italien steigen an. (Grafik: UNHCR)

Die Flüchtlingszahlen auf der Balkan-Route und in Italien steigen an. (Grafik: UNHCR)

Nach einer Aufstellung des Flüchtlingswerks UNHCR sollen die Flüchtlingszahlen auf der Balkan-Route erneut angestiegen sein. Derzeit erreichen etwa täglich 300 Flüchtlinge Serbien. 186 Flüchtlinge erreichen täglich Ungarn und 111 Flüchtlinge erreichen täglich Österreich. In Italien ist die Lage dramatischer. Dort kommen täglich 3.645 Flüchtlinge an. Diese reisen über Libyen und das Mittelmeer nach Italien.

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz fordert angesichts der Flüchtlingskrise ein entschiedeneres Vorgehen der EU. Der Außenminister bekräftigte seine Forderung, Migranten konsequent abzufangen, die über den Seeweg kommen. „Wenn sich jemand illegal auf den Weg nach Europa macht, muss er an der EU-Außengrenze gestoppt werden und am besten in das Transit- oder Herkunftsland zurückgebracht werden. Solange wir das nicht tun, unterstützen wir indirekt die Schlepper, weil sich dann immer mehr auf den Weg machen, und dann werden auch mehr Menschen ertrinken.“

Die Regierung in Ungarn war bereits Ende Mai dazu übergegangen,  ihre Grenze zu Serbien zu sichern, da sie einen Anstieg an Flüchtlingen beobachtete.

Kroatien errichtet zwei Meter hohen Zaun an Grenzübergang zu Serbien
Kroatien errichtet zwei Meter hohen Zaun an Grenzübergang zu Serbien
Kroatien hat einen neuen Grenzzaun zu Serbien errichtet. Damit will das Land verhindern, dass Flüchtlinge über Serbien in die EU kommen. Die Regierung in Zagreb ist offenbar wegen Meldungen besorgt, dass die Zahl der Flüchtlinge auf der Balkan-Route wieder steigen soll.
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Kroatien hat an der Grenze zu Serbien einen zwei Meter hohen Metallzaun errichtet, um Flüchtlinge und Migranten an der Einreise zu hindern. Örtliche Medien wie die Zeitung Novi List zeigten am Donnerstag Bilder von Arbeitern, die am Grenzübergang Batina einen Zaun auf einer Brücke über die Donau aufstellten, die an dieser Stelle eine natürliche Grenze zwischen Kroatien und Serbien bildet.

Mit den Barrieren könne die Brücke bei Bedarf komplett gesperrt werden, teilte das kroatische Innenministerium mit. So sollten illegale Einreiseversuche in das Land verhindert werden. Derzeit gebe es aber keine „aktuelle Gefahr für die Sicherheit“ in dem Gebiet. Den Medienberichten zufolge gab es Gerüchte, wonach mehrere hundert Flüchtlinge auf dem Weg zur kroatisch-serbischen Grenze seien. Dies konnten die serbischen Behörden nicht bestätigen. Die UN hatte den erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen auf der Balkan-Route gemeldet.

Kroatien und Serbien liegen auf der sogenannten Balkanroute, über die 2015 und Anfang 2016 hunderttausende Flüchtlinge und Migranten nach Westeuropa gelangten. Seit März ist sie versperrt. Dennoch gelangen nach Angaben des UN-Flüchtlingskommissariats täglich mehrere hundert Migranten nach Serbien.

Die meisten von ihnen steuern die serbisch-ungarische Grenze an – nicht weit vom Grenzübergang Batina entfernt – um in Ungarn Asyl zu beantragen.

ISIS will wichtigsten Handelsweg für Öl nach Europa kontrollieren
ISIS will wichtigsten Handelsweg für Öl nach Europa kontrollieren
Der sogenannte Islamische Staat hat ein Video veröffentlicht, in dem er sein strategisches Ziel auf einer Landkarte darstellt. Demnach wollen die islamistischen Söldner die wichtigsten Handelsroute für Erdöl nach Europa kontrollieren. Sollte dies gelingen, wäre ein sicherer Transport von Öl…
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Die obere Karte zeigt die von ISIS beanspruchten Gebiete, in denen Konflikte toben oder noch entstehen sollen. Die untere Grafik der EIA zeigt sieben wichtigsten Knotenpunkte und Wasserwege für den weltweiten Ölhandel. (Grafik: Screenshot und EIA)

Die obere Karte zeigt die von ISIS beanspruchten Gebiete, in denen Konflikte toben oder noch entstehen sollen. Die untere Grafik der EIA zeigt sieben wichtigsten Knotenpunkte und Wasserwege für den weltweiten Ölhandel. (Grafik: Screenshot und EIA)

In einem aktuellen Propaganda-Video von ISIS zum Jubiläum „Two Years Since the Caliphate“ erhebt die Terror-Miliz Anspruch auf sechs geographische Gebiete: auf einen Teil Zentralsyriens und Ost-Syrien, die arabische Halbinsel, den Jemen, den Sinai, Libyen und Algerien. In alle diesen Gebieten will die Terror-Miliz künftig noch aktiver werden, was zwangsläufig zu einer Destabilisierung dieser Regionen führen wird. Wer genau hinter dem IS steckt, ist nicht bekannt. Auffällig an dem Jubiläums-Video ist, dass der angebliche Führer der Bewegung, Abu Bakr al-Baghdadi, keine Rolle spielt. Eigentlich hätte man zum Jubiläum eine Botschaft des angeblichen Kalifen erwartet.

Besonders interessant ist, dass diese Regionen sich an den Knotenpunkten (Nadelöhren) des weltweit wichtigsten Schifffahrtswegs befinden, der wiederum unerlässlich ist für den weltweiten Öltransfer. Der Ölhandel von Ost nach West wird über diese Wasserstraße durchgeführt. Nach Angaben des US-Energiebehörde EIA wird 63 Prozent des weltweiten Öls über Wasserstraßen abgewickelt. Eine Destabilisierung der von ISIS als Angriffsziele ausgewählten Regionen würde zwangsläufig den weltweiten Ölhandel massiv behindern. Der allerwichtigste Knotenpunkt für den weltweiten Öltransfer bildet die Straße von Hormus. Auch die Region an dieser Wasserstraße will die Terror-Miliz destabilisieren.

Weiterhin ist auffällig, dass ISIS es nicht in etwa auf Gesamt-Ägypten, sondern hauptsächlich auf den Sinai und damit den Suez-Kanal als Angriffsziel abgesehen hat. Ägypten ist zwar nicht als Ölexporteur wichtig. Doch der Suezkanal ist nach Angaben des Chefvolkswirts der BHF Bank, Uwe Angenendt, einer der sieben wichtigsten Transportwege des Öls. „Aufgrund des Suezkanals und einer parallel dazu laufenden Pipeline werden täglich gut zwei Millionen Barrel Rohöl vom Roten Meer zum Mittelmeer transportiert“, zitiert der Deutschlandfunk Carsten Fritsch, Rohstoffspezialist der Commerzbank. In diesem Zusammenhang würden die Rohstoffmärkte auch durch Entwicklungen in den Nachbarländern Ägyptens beeinflusst werden, zu denen Libyen zählt. Algerien – auch ein Angriffsziel von ISIS – hingegen liegt ebenfalls an der weltweit wichtigsten Wasserstraße und ist zudem Ölproduzent.

Insgesamt ist diese Wasserstraße mit ihren Knotenpunkten vor allem wichtig für die Versorgung Europas mit Öl. Sollte der Ölhandel per Schiff von Ost nach West ins Stocken geraten, wären die EU-Staaten darauf angewiesen, US-amerikanischen Öl und Gas von West nach Ost zu importieren. Die USA haben im Mai erstmals Gas nach Europa geliefert. Der Transport erfolgte über den Seeweg. Im Februar hatte die EU-Kommission entschieden, dass US-amerikanisches Gas ungehindert in die EU importiert werden darf. In dieser Woche hat der Deutsche Bundestag die Freigabe für Fracking in Deutschland erteilt.

Vermutlich würde auch Russland von einer solchen Entwicklung in die Lage versetzt, für Europa als Energielieferant die Nummer Eins zu bleiben. Das russische Erdgas macht heute den weitaus größten Teil der Energieversorgung in Europa aus.

Die Nato wird bei ihrem Gipfel im Juli beschließen, den Einsatz im Mittelmeer zu verlängern. Als offizieller Grund wird die Flüchtlingskrise und seit kurzem auch der Waffenschmuggel angegeben. Der IS transportiert offenbar ständig Waffen über das Mittelmeer – wohl auch, um die geografische Verbindung zwischen den Kampfgruppen herzustellen. Die Waffentransporte gehen allerdings in beide Richtungen: In Syrien sind US-Waffen aufgetaucht, die von der CIA nach Libyen gebracht worden waren, um Söldner-Truppen auszurüsten.

Das Video des IS nimmt auch indirekt Bezug auf den Syrien-Krieg: Es trägt den Titel: „Two Years Since the Caliphate – Wilāyat Ḥalab”. Wilāyat Ḥalab bedeutet „Provinz Aleppo”. Die Osmanen hatten Syrien in zwei Provinzen aufgeteilt. Die eine Provinz hieß „Damaskus” und die andere „Aleppo”. Die Provinz Aleppo ragte bis in die heutigen türkischen Städte Urfa und Maras. Um die Provinz Aleppo tobt aktuell die Entscheidungsschlacht im Syrien-Krieg: Russland und die syrische Armee kämpfen gegen islamistische Söldner. Insgesamt wird in Syrien darum gekämpft, Regionen für Pipelines durch ethnische Säuberungen freizuschlagen. Die Vertreibung von Millionen Menschen ist die Folge. Sie führt zur massiven Fluchtbewegung nach Europa. In der politischen Debatte um die Fluchtursachen findet dieser entscheidende Aspekt kaum Berücksichtigung.

Stratfor, George Friedman, Robert Kagan und andere US-Geopolitiker haben regelmäßig darauf verwiesen, wie klug die Osmanen den Nahen Osten regiert haben und die Gebiete nach religiösen Gesichtspunkten und nach Stämmen aufgeteilt haben. Die Geopolitiker geben mit der Würdigung der Osmanen einen Hinweis, wie eine mögliche Aufspaltung von bestehenden Staaten im Nahen Osten durch Sezessionen zu einer Neu-Ordnung der Region führen könnten.

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