Stiglitz: „Der Euro war ein Fehler, und die Politiker finden keinen Ausweg“

Joseph Stiglitz sieht den Euro als fundamentalen Fehler. Die Aussichten für Europa bleiben „düster“, solange sich die Politik vor den Struktur-Problemen drückt. Eine Neu-Ordnung der Euro-Zone sei nötig, um die Krise zu bewältigen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Der Nobelpreisträger und ehemalige Chefökonom der Weltbank, Joseph Stiglitz, bezeichnete den Euro als fundamentales Problem von Europa. Dies berichtet die Economic Times. Stiglitz äußerte dies in einer Rede auf der Konferenz „Globale Finanz-Krise: Auswirkungen auf die Wirtschaften der Entwicklungsländer“, die von der UN-Gruppe ESCAP (Economic and Social Commission for Asia and the Pacific) organisiert wurde.

„Europa und Amerika waren im Zentrum des Lehman Brothers Kollapses vor fünf Jahren. Zurzeit feiern die Leute in Europa die Tatsache, das es ab nächstes Jahr wahrscheinlich wieder ein positives Wachstum geben wird“, sagte Stiglitz.

Der Internationale Währungsfond (IWF) erwartet für Europa einen BIP-Zuwachs von einem Prozent, wie aus einem Dossier hervorgeht. Allerdings seien die IWF-Prognose mit beständiger Regelmäßigkeit zu hoch angesetzt, sodass nur mit 0,2 Prozent Wachstum in der Euro-Zone zu rechnen sei. Dies schreibt Stiglitz für das Project Syndicate.

„Die europäischen Politiker konzentrieren sich nur auf die Sparpolitik und gehen die strukturellen Probleme Europas, die von seiner fehlerhaften institutionellen Gestaltung stammen, im Schneckentempo an. Kein Wunder das die Aussichten für Europa so düster sind“, sagte Stiglitz.

„In Europa ist das fundamentale Problem, dass der Euro ein Fehler war. Und die Anführer von Europa haben noch nicht herausgefunden, was sie mit diesem Fehler machen sollen. Was nötig ist, ist eine Neuordnung der Euro-Zone und das ist sehr schwierig“, so Stiglitz.

Zudem kritisierte Stiglitz den Fokus der westlichen Nationen auf Inflation. Stattdessen sei ein stärkeres Engagement zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum nötig, um Europa aus der Krise zu holen.

Stiglitz war Chefökonom des IWF und hat sich später radikal von der Politik der Organisation abgewandt (mehr zu seiner schonungslosen Kritik an der Strategie des IWF – hier).

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***


media-fastclick media-fastclick