Kein Märtyrer: EU geht auf Distanz zu Chodorkowski

Michail Chodorkowski ist bei westlichen Politikern sehr beliebt. Ausschlaggebend ist sein Image als Kämpfer gegen die Korruption in Russland. Doch der Ex-Chef des Ölgiganten Yukos ist alles andere als ein ehrbarer Kaufmann.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Michail Chodorkowski wird in Westeuropa oftmals als Kreml-Kritiker und Oppositioneller umschrieben. In diesem Zusammenhang wird seine vergangene Haftstrafe als politisch motiviert dargestellt. Auch Amnesty International folgte diesem Schema. Doch Chodorkowski ist weder ein Justizopfer noch ein politischer „Märtyrer“.

In Vergessenheit geraten ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) aus dem Jahr 2011. Demnach sei die Verurteilung Chodorkowskis wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Öldiebstahl „nicht politisch motiviert“ gewesen.

„Chodorkowski ist kein Mandela, kein Volksheld“, zitiert 20min.ch den Journalisten vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), Christof Franzen. Chodorkowski habe im Zuge der Privatisierungs-Welle in den neunziger Jahren mit „zwielichtigen Mitteln Milliarden angehäuft“. In diesem Sinne unterscheide er sich nicht von allen anderen Oligarchen in Russland.

Doch im Westen zeichnet Chodorkowski ein anderes Bild. So schrieb er 2010 einen Artikel für die Washington Post. Der Titel lautete „Die größte Bedrohung für die Welt sind nicht Nuklearwaffen, sondern Korruption“. Dabei beklagt er vor allem die Korruption von Staatsbediensteten in Russland.

Von der Korruption im Rahmen der wilden Privatisierung in den neunziger Jahren ist nicht die Rede. Damals hatte Chodorkowski von jener angeprangerten korrupten Beamtenschaft profitiert, die er heute für sein Schicksal verantwortlich macht.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick