Prüfer warnen: Bilanz-Check zwingt Banken zu Korrekturen

Die Bilanzprüfung deutscher Banken könnte im Extremfall zu nachträglichen Korrekturen der Vorjahres-Bilanz führen. Die wahren Risiken der Geldhäuser zeigen sich jedoch erst beim kommenden Stresstest. Wirtschaftsprüfer fürchten die Einflussnahme der Politik auf die Maßnahmen.

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Der anstehende Bilanzcheck der europäischen Aufsichtsbehörden könnte für die Banken nach Ansicht führender Wirtschaftsprüfer unangenehme Folgen haben. Sollten die Sonderprüfer massive Bewertungsfehler feststellen, müssten die Finanzinstitute „im Extremfall“ ihre Bilanz für das Jahr 2013 korrigieren, sagte Michael Göttgens, der den Bankenfachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) leitet, am Montag in Frankfurt. Dass es in Deutschland zu solchen Fällen kommt, glaubt Göttgens jedoch nicht. „Massive Dinge würde ich eher nicht erwarten.“

Nach dem Bilanzcheck (AQR) wollen die Aufsichtsbehörden in einem Stresstest herausfinden, ob wichtige europäische Banken für eine Krise gewappnet sind. Im Anschluss will die Europäische Zentralbank (EZB) im November die Aufsicht über die größten Häuser der Euro-Zone übernehmen. Aus Sicht des IDW lässt sich nach dem Bilanzcheck noch kein umfassendes Bild einer Bank zeichnen. Beim Asset Quality Review (AQR) würden im Kern die Aktiva in der Bankbilanz geprüft, nicht aber die Passiva, sagte IDW-Vorstand Klaus-Peter Feld. „Wenn man ein vollständiges Bild haben will, muss man sich aber beide Seiten ansehen.“

Der IDW setzt deshalb darauf, dass die Aufsichtsbehörden Finanzierungs- und Zinsrisiken sowie andere Gefahren für Banken im Rahmen des Stresstests beleuchten. „Die Deutsche Bank hat Risiken, die nichts mit ihren Aktiva zu tun haben – zum Beispiel Rechtsstreitigkeiten“, sagte IDW-Experte Göttgens, der für den Wirtschaftsprüfer Deloitte arbeitet. Grundsätzlich hat er die Sorge, dass die Politik zu viel Einfluss auf den Gesundheitscheck für die Banken nehmen wird.

Die Hoffnung einiger Geldhäuser, dass Anleger nach der Überprüfung wieder verstärkt in europäische Banken investieren werden, teilt Göttgens deshalb nicht. „Ich bin skeptisch, ob ein Stresstest dazu führen kann, Vertrauen wieder herzustellen.“ Göttgens geht davon aus, dass die Behörden mit dem Thema Staatsrisiken – also der Ausfallwahrscheinlichkeiten von Staatsanleihen oder Kommunalkrediten – beim Gesundheitscheck „sehr vorsichtig umgehen werden. Das ist politisch ein unheimlich heißes Eisen“, sagte der IDW-Experte. „Da ist dem Kapitalmarkt ungenommen, das anders zu sehen.“

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