Investoren fliehen aus den Schwellenländern

Die Angst vor einem Wirtschaftsabschwung hat eine Talfahrt vieler Devisen-Kurse in Asien, Afrika und Lateinamerika ausgelöst. Auch an den Aktienmärkten rutschen die Kurse ab. Experten warnen vor einer Abwärtsspirale, die die Börsen weltweit treffen könnte.

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Die Investoren fliehen aus den lange so beliebten Schwellenländern. Die Angst vor einem Wirtschaftsabschwung und eine wachsende Attraktivität des vergleichsweise sicheren Investitionsstandorts USA haben eine Talfahrt vieler Devisen-Kurse in Asien, Afrika und Lateinamerika ausgelöst. Hinzu kommen politische Krisen, die etwa in der Türkei und Argentinien den Ausverkauf beschleunigen. Auch an den Aktienmärkten rutschen die Kurse ab. Experten warnen vor einer Abwärtsspirale, die die Börsen weltweit treffen könnte – wie die Argentinien-Krise vor rund 15 Jahren. „Der Ausverkauf wird noch schlimmer, bevor es besser wird“, sagt Lorne Baring von der Investmentfirma B Capital Wealth Management.

Am Freitag bekam man einen Vorgeschmack darauf, wie sensibel die Investoren weltweit auf die Lage der Schwellenländer reagieren. Der deutsche Aktienindex Dax verlor in den letzten Handelsstunden 2,5 Prozent, nachdem sich die Talfahrt vieler asiatischer Währungen, des südafrikanischen Rand und der türkischen Lira beschleunigt hatte (mehr hier). Auch am Montag war die Stimmung nervös. „Die Welt hat die Schwellenländer-Grippe“, fasst es Michael James, Aktienhändler bei Wedbush Securities in Los Angeles, zusammen.

„Die Entwicklung an den Märkten vergangene Woche wird prägend sein für das ganze Jahr“, mahnt Larry Fink, Chef des Vermögensverwalters BlackRock, am Wochenende auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Kurse würden künftig stärker schwanken als in der Vergangenheit. Er warnte vor zu viel Optimismus. Mehr als 50 Milliarden Dollar sind in diesem Jahr bereits aus den einstigen Boomländern abgezogen worden. Experten befürchten, dass sich große institutionelle Anleger angesichts der sinkenden Währungskurse nun noch zügiger verabschieden. Wenn die Verluste im Devisenhandel zu groß werden und die Gewinne am Aktienmarkt übersteigen, geht es bei vielen Investoren oft ganz schnell. „Jede Krise in einem Schwellenland ist in erster Linie eine Währungskrise“, sagt Mike Howell vom Beratungshaus CrossBorder Capital.

Eine wichtige Rolle spielt die US-Notenbank (Fed). Einige Investoren befürchten, dass die Währungshüter die Geldpolitik möglicherweise zu schnell straffen und die Erholung der Weltwirtschaft abwürgen. Diese Woche wird die Fed entscheiden, ob sie die Wertpapierkäufe von derzeit 75 Milliarden Dollar monatlich weiter drosselt. Eine straffere Geldpolitik macht zugleich Investitionen in den USA wieder attraktiver. Anleger ziehen daher Kapital aus den riskanteren Schwellenländern ab. Vor negativen Folgen einer zu radikalen Umkehr der Fed-Politik warnte jüngst auch die Weltbank.

Die Aktienmärkte der Schwellenländer haben sich in diesem Jahr bislang am Schlechtesten entwickelt – mit einem Wertverlust von vier Prozent. Analysten zufolge flossen seit Jahresbeginn fast vier Milliarden Dollar aus Aktien dieser Staaten ab, davon allein 2,4 Milliarden Dollar in der Woche zum 22. Januar. Lange Zeit waren die aufstrebenden Volkswirtschaften sehr beliebt, da sie in Zeiten niedriger Zinsen attraktivere Renditen versprachen.

Trotz aller Sorgen sind viele Unternehmen weiter fest entschlossen, Geschäfte mit der wachsenden Mittelklasse in den neuen Mega-Städten Asiens, Lateinamerikas und Afrika auszubauen. Aber sie schauen genauer hin und scheren Länder wie Brasilien, Russland, Indien und China bei ihren Investitionsentscheidungen nicht mehr über einen Kamm. „Du musst vorbereitet sein für Auf und Abs, wenn du in Entwicklungsländern investierst“, sagt Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn. Kurzfristig müssen sich die Investoren wohl auf mehr Rückschläge einstellen – das gilt für die Anleger an den Märkten wie auch für die Konzerne, die in Fabriken investieren.

 

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