Schuldenfalle: Finanzinvestor KKR übernimmt Kontrolle bei Hertha BSC

Der Finanzinvestor KKR steigt mit 9,7 Prozent beim Fußballverein Hertha BSC ein. Die Fußball-Manager jubeln. Doch Finanzinvestoren sind keine Weihnachtsmänner: Sie wollen ihr Geld vermehren - mit weitreichenden Folgen für den Fußball-Verein.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Der US-Finanz-Investor KKR steigt beim Bundesliga-Aufsteiger Hertha BSC ein. KKR lasse sich das Engagement bei der Hertha 61,2 Millionen Euro kosten, teilte der Fußballverein am Freitag mit.

Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz sagte, die Zusammenarbeit sei „ein Quantensprung für die wirtschaftliche Seite unseres Vereins“. Preetz, der viele Jahre als Mittelstürmer der Hertha sein Geld verdiente, hofft, dass der Verein nun entschuldet wird. Der Finanzinvestor erhält unter anderem eine Minderheitsbeteiligung von 9,7 Prozent – es könnte aber auch mehr werden. KKR wiederum sieht „Potenzial, den Verein national und international stärker zu etablieren„. Hertha war erst im vergangenen Sommer wieder in die erste Bundesliga aufgestiegen.

Tatsächlich sieht das Geschäftsmodell von Finanzinvestoren nicht vor, als Wohltäter für Sportvereine aufzutreten. In der Regel werden die Kaufpreise so schnell als möglich in Form von Dividenden an den Investor zurückgeführt. Der hält dann seinen Anteil ohne Risiko – und kann ihn relativ leicht gewinnbringend veräußern. Daher ist es naiv von Preetz, auf eine Entschuldung zu hoffen: Es handelt sich bestenfalls um eine Umschuldung, für die KKR weitreichende Mitbestimmungsrechte erhält.

Man staunt in diesem Zusammenhang auch wieder einmal über die Berichterstattung der Medien. Die Süddeutsche ist begeistert: „Fußball-Bundesligist Hertha BSC ist auf einen Schlag schuldenfrei.“ Auch die FAZ titelt aufgeregt: „Und plötzlich sind Herthas Schulden weg“. Warum sollten sich denn die Schulden in Luft aufgelöst haben? Selbstverständlich gibt ein Finanz-Investor sein Geld nur, wenn er sein Geld in reale Werte umwandeln kann. Damit mögen vielleicht die Schulden weg sein – aber das Eigentum ist auch weg. Und die Praxis der Finanzinvestoren zeigt: Sie ziehen aus jedem Unternehmen die Gewinne, belasten es mit Schulden und verkaufen, wenn es eng wird, die Assets wieder. Die Fußballer und Manager der Hertha werden noch viel laufen müssen, um die Schulden abzuarbeiten, die noch kommen.

Der 1976 gegründete Finanzinvestor KKR ist eine der größte Schattenbanken der Welt. Diese Firmen kaufen Unternehmen und hoffen auf eine Wertsteigerung in den Folgejahren. KKR gehören Firmen rund um den Globus. In den Boomzeiten vor der Finanzkrise stemmten Finanz-Investoren dank Milliardenkrediten der Banken einen Mega-Deal nach dem anderen. Seit einigen Jahren ist es für sie wegen der größeren Zurückhaltung der Geldhäuser deutlich schwieriger geworden, große Übernahmen zu stemmen. Daher nehmen die Investoren zunehmend auch Minderheitsbeteiligungen und kleine Firmen ins Visier. In Deutschland ist KKR kein Unbekannter. Unter anderem ist die Firma beim Gabelstaplerhersteller Kion und der Werkstattkette ATU investiert.

Gerade das Beispiel von ATU zeigt, wie KKR arbeitet: Die Firma ächzt unter dem harten Finanzmanagement der Finanzinvestoren und taumelt von einer Schulden-Krise in die nächste (mehr dazu hier).

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer sprach von einer bahnbrechenden Vereinbarung mit KKR. Nach Angaben des Vereins haben die Amerikaner die Option, die Beteiligung jederzeit auf 33,3 Prozent zu erhöhen. Mit dem frischen Geld würden alle Verbindlichkeiten bis auf die Fan-Anleihe getilgt, sagte Herthas Finanzgeschäftsführer Werner Schiller. Außerdem würden Rechte zurückgekauft – wie das Catering im Olympiastadion. Die Zusammenarbeit mit KKR sei zunächst auf sieben Jahre ausgelegt.

Es ist bezeichnend, dass alle Beteiligten zunächst von dem Finanz-Deal scheinbar profitieren – außer den kleinen Leuten, in diesem Fall die Fans. Sie bekommen ihr Geld, das sie zur Unterstützung ihres Clubs aufgebracht haben, nicht zurück.

„Mit dem heutigen Tag ist uns die finanzielle Konsolidierung gelungen“, sagte Preetz, der vor seiner Geschäftsführertätigkeit als Stürmer auf dem Rasen gewirkt hat. Der Verein werde weiter auf seinen Nachwuchs setzen, sich über die Jahre aber neue Spielräume erarbeiten, um auch mehr auf dem Transfermarkt zu machen. Wie Hertha BSC setzte KKR auf eine langfristige Wertsteigerung und werde dazu sein Know-how bei dem Club einbringen.

Allein diese Aussage lässt staunen: Das einzige Know-How, das KKR hat, ist das in knallharten Finanzgeschäften, bei denen die Realwirtschaft die Grundlage für komplexe Finanzgeschäfte und Spekulationen bietet.

Der Verein bleibe in seinen sportlichen Entscheidungen aber frei. Die bessere finanzielle Situation werde Hertha aber auch sportlich helfen, sagte Preetz: „Die Bundesliga ist unterhalb von Bayern unglaublich eng.“ Die Berliner liegen derzeit als Tabellen-Siebter kurz vor den Europacup-Plätzen. Hauptsponsor des Vereins ist die Deutsche Bahn. Weitere Partner sind Audi sowie der Bierbrauer Warsteiner.

Derzeit sind zahlreiche hochverschuldete Vereine auf der Suche nach frischem Kapital – sie stehen dabei im Wettbewerb mit Konkurrenten aus Spanien, Italien oder England. In der Bundesliga ist das Engagement von Finanzinvestoren kein Novum. 2004 war etwa der Hedgefonds-Manager Florian Homm beim damals finanziell angeschlagenen Verein Borussia Dortmund – dem einzigen börsennotierten Bundesligisten – mit mehr als 25 Prozent eingestiegen. Homm war im vergangenen Jahr in Italien festgenommen worden, nachdem US-Behörden ihm Anlagebetrug vorgeworfen hatten.

Wie KKR bei Hertha BSC vorgehen wird, ist noch nicht bekannt – vermutlich werden die Verträge auch nie öffentlich werden.

Aber vielleicht hilft die Euphorie bei den Fußballern und Managern – die vermutlich finanziell von dem Deal ebenfalls profitieren werden – der Mannnschaft von Hertha BSC zu einem Sieg am Sonntag gegen Nürnberg.

Fest steht: Die Fans werden ihren Club bald nicht wiedererkennen.


media-fastclick media-fastclick