Warren Buffett verkauft Händlern keine Tipps mehr

Der Milliardär Warren Buffett muss seinen Informations-Dienst Business Wire einstellen. Dieser verkauft „privilegierte Informationen“ an Trader, die im Hochfrequenz-Handel tätig sind. Die Staatsanwaltschaft betrachtet Buffets Informationsdienst als Markt-Manipulation.

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Der Milliardär Warren Buffett hat den Informationsdienst Business Wire eingestellt, der zu seinem Finanz-Konglomerat Berkshire Hathaway gehört. Der Dienst liefert Pressemitteilungen an ausgesuchte Trader, die im Hochfrequenzhandel tätig sind.

Bei Business Wire laufen beispielsweise Informationen darüber zusammen, welche Autohersteller welche Margen erwirtschaften, welches Unternehmen welche Profite abwirft, welche neuesten Kursentwicklungen bei Rohstoffen zu erwarten sind und wie sich Aktien- und Devisenkurse entwickeln.

Dabei verteilt „Business Wire“ einige Hunderttausend Pressemitteilungen pro Jahr, ist jedoch nicht der einzige Informationslieferant für die Trader. Die Informationen werden auch an die US-Börse Dow Jones, Reuters und Bloomberg verteilt.

Trader, die mit Hochleistungs-Computern arbeiten, zahlten bisher an die Firma Business Wire, um rasch Informationen über Unternehmens-Daten zu beziehen, also im Besitz von Informations-Vorsprüngen zu sein: zum Nachteil der übrigen Börsenteilnehmer, die sozusagen traditionell an der Börse handeln.

Mithilfe dieser Informations-Vorsprünge können in Bruchteilen von Sekunden die lukrativsten Aktien besonders schnell und sicher verkauft oder gekauft werden, bevor die anderen Marktteilnehmer überhaupt Kenntnis über die entscheidenden Informationen erlangen.

Bislang war dieses Vorgehen legal. Der Staatsanwalt Schneiderman des Staates New York hatte sie im vergangenen Jahr jedoch bei einem Bloomberg-Summit als neue Form der Marktmanipulationen bezeichnet. Damit läutete der Staatsanwalt offenbar den jetzigen Verzicht von Warren Buffett ein, keine „privilegierten Informationen“ mehr an Trader zu verkaufen, die mit Hochleistungs-Computern arbeiten, berichtet die Financial Times.

Zuvor hatte Cathy Baron Tamraz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied bei Business Wire erklärt, die Trader hätten absolut keinen Zeit-Vorteil dabei, neue Informationen von Business Wire zu erhalten, da die Hochgeschwindigkeitsrechner ohnehin simultan und in „real-time“ allen Marktteilnehmern zur Verfügung stünden.

Mit der Materie vertraute Kenner machen den Hochfrequenzhandel stets für Kursstürze verantwortlich. Im Mai 2010 kam es zu einem Zusammenbruch der US-Börsen. Innerhalb kürzester Zeit fiel der US Aktienindex Dow Jones um 9 Prozent. Rund eine Billion US-Dollar wurden „vernichtet“.

Denn diese Hochleistungsrechner werten in Sekundenschnelle Informationen aus. Nach Maßgabe der Trader werden dann Aktien und Anleihen automatisch entweder gekauft oder verkauft. Dies wiederum geschieht im Millisekunden-Bereich, und in diesem Zeitraum können hundertfache Geschäfte geschlossen bzw. abgewickelt werden.

Bezeichnend dabei ist, dass diese Player auf den Finanzmärkten vielfach mit geliehenem Geld (und nicht mit Eigenkapital) in der Realwirtschaft quasi „Casino“ spielen.

Dirk Müller, deutscher Börsenmakler und Buchautor, gehört zu den Kritikern des Hochfrequenzhandels. Denn auch in Deutschland macht der Hochfrequenzhandel überschlägig etwa 40 Prozent des Handels aus. In den USA wird der Anteil in diesem Segment noch weit höher geschätzt.

Müller würden den Hochfrequenzhandel komplett verbieten, sagte er bei einer Anhörung vor einem Jahr vor dem Finanzausschuss des Bundestags. Der Wert der Börse mit ihrem „Primärmarkt“ besteht seiner Ansicht nach darin, Geld für Unternehmen zu beschaffen, die damit Investitionen leisten und Mitarbeiter einstellen können. Der „Sekundärmarkt“ besteht darin, den Handel zu gewährleisten. Die Entwicklung am Sekundärmarkt durch den Hochfrequenzhandel gehe jedoch dahin, dass reale Investoren aus dem Markt vertrieben werden.

Vor einem Jahr beschloss der deutsche Bundestag ein Gesetz zur Finanzmarktregulierung. Damit sollte der im Millisekunden-Bereich von Computerprogrammen durchgeführte Börsenhandel mit Wertpapieren reguliert und im Ergebnis entschleunigt werden.

„Der Gesetzesbeschluss sieht vor, dass Hochfrequenzhändler der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unterstellt werden. Zudem werden strengere Anforderungen an den Handel gestellt. Im Hochfrequenzhandel tätige Unternehmen müssen in Zukunft sicherstellen, dass ihre Handelssysteme den Markt nicht stören. Dadurch sollen extreme, irrationale Kursschwankungen ohne jeden Bezug zu realwirtschaftlichen Entwicklungen bis hin zu einem ‚Flash Crash‘, wie etwa der Zusammenbruch der US-Börsen am 6. Mai 2010, verhindert werden.“

Wie von Deutschland aus Flash-Crashs verhindert werden sollen, bleibt indessen unklar.

Kritiker wie Gerhard Schick (Grüne) warf der damaligen CDU/CSU-FDP-Regierung vor, das Gesetz „schade mehr als es nutze. Liquidität werde nur in Teilbereichen geschaffen, „und das mittelständische Unternehmen, das an der Börse in Stuttgart notiert ist, hat von dem ganzen Hochfrequenzhandel gar nichts““.

In den USA argumentiert der Informationsdienst „Business Wire“ beim „Verzicht“ auf die Info-Weitergaben an die Trader mit Hochleistungsrechnern, mit einem möglichen Schaden für den eigenen Ruf. Es sei aber nichts Verwerfliches daran, Berichte an die Trader zu verkaufen.

Warren Buffett dürfte sich demnach nun nur noch selbst an den eigenen Infos bedienen.

Am Hochfrequenzhandel selbst ändert dieser Sachverhalt jedoch nichts. Glasfaserleitungen befinden die Trader inzwischen als zu langsam. Sie bedienen sich nun bei der Militärtechnik, berichtete die Welt. Bei den von Algorithmen befeuerten Handelsaufträgen könnten Vorsprünge von Nanosekunden – der Milliardste Teil einer Sekunde – über Gewinn und Verlust entscheiden.

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