Geheime Konten: Charité zweigt Forschungsgelder in Millionenhöhe ab

Die Berliner Uni-Klinik Chartié leitete jahrelang Forschungsgelder auf Geheimkonten um. Wirtschaftsprüfer fanden nun etwa 40 Millionen Euro, die durch die Klinik zweckentfremdet wurden. Die Charité kämpft seit Jahren ums wirtschaftliche Überleben.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die Universitätsklinik Charité in Berlin hat jahrelang Forschungsgelder abgezweigt und auf gesonderten Konten deponiert. Die Klinik hat die Gelder nicht für die dafür gedachten Forschungsprojekte verwendet, sondern auf geheime Konten umgeleitet. Insgesamt sollen so Gelder in Höhe von 40 Millionen Euro angesammelt.

Die Charité bestätigte die Vorwürfe auf der Nachfrage der Berliner Morgenpost. Die Berliner Klinik kämpft seit Jahren um das wirtschaftliche Überleben. Im letzten Jahr gelang der Klinik ein ausgeglichener Haushalt. Sie erwirtschaftete trotz der Reduzierung um 118 Betten einen Gewinn von 5,2 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2010 verbuchte die Charité jedoch noch Verluste in Millionenhöhe, wie aus dem Geschäftsbericht der Klinik hervorgeht.

Wirtschaftsprüfer hatten die Konten bei ihren Kontrollen zum Jahresabschluss 2013 entdeckt. In den Jahren zuvor sei die Umleitung der Gelder nicht aufgefallen.

„Die hatten über Jahre eine parallele Buchführung ohne echte Kontrolle“, sagten Mitglieder des Aufsichtsrates der Morgenpost, die von dem Vorgehen angeblich nichts wussten.

Die zweckentfremdeten Gelder stammten aus der Wirtschaft, aus Stiftungen und von öffentlichen Organisationen zur Förderung der Wissenschaft. Allein 2012 sammelte die Charité so Drittmittel in Höhe von 154 Millionen Euro ein. Davon kamen 35 Millionen Euro von verschiedenen Bundesministerien und etwa 42 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgesellschaft. Damit erhält die Charité mehr Drittmittel als jede andere Uniklinik in Deutschland.

Zusätzlich erhält die Charité jährlich 190 Millionen Euro vom Land Berlin für Forschung und Lehre.

Die Charité redet den Vorfall klein. Ein solches Verfahren mit Drittmitteln sei auch in anderen Hochschulen und Unikliniken üblich. Die Gelder seien nicht verschwunden, sondern würden „Forschung und Forschungsinfrastruktur“ eingesetzt, so ein Sprecher der Klinik.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick