Stützpunkt: Ukraine meldet Schüsse von russischen Soldaten

Bei der Einnahme eines Marinestützpunktes sollen russische Soldaten geschossen haben. Die Ukraine fürchtet, dass die Russen ihre Marine komplett lahmlegen könnten: Schon in Georgien haben die Russen dafür gesorgt, dass das Land praktisch über Nacht keine Flotte mehr hatte.

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Russische Truppen haben bei der Übernahme eines ukrainischen Marinestützpunktes auf der Krim einem Agenturbericht zufolge Schüsse abgegeben. Es sei niemand verletzt worden, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Montag unter Berufung auf einen ukrainischen Offizier. Demnach drangen die Soldaten auf das Gelände nahe der Stadt Bachtschissarai ein, nahmen den ukrainischen Soldaten Mobiltelefone ab und versuchten, Fahrzeuge in Besitz zu nehmen. Der Kommandant der Ukrainer habe in Verhandlungen versucht, die Russen von der Besetzung abzubringen.

Der Großteil der ukrainischen Flotte befindet sich in höchster Alarmbereitschaft: Die russische Marine haben das Schwarze Meer blockiert und stellen sicher, dass die 25 Kriegsschiffe, darunter ein U-Boot, nicht auslaufen und damit Russland auch nicht gefährlich werden können. Wenn die Bewohner der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim am Sonntag über ihren Anschluss an Russland abstimmen, könnte die Ukraine nicht nur dieses Gebiet verlieren, sondern auch viele Kriegsschiffe. Da sie nicht auslaufen können, fallen sie dann Russland zu – so die Befürchtung vieler Ukrainer.

Er könne kaum glauben, dass sich die einst freundlich gesinnte russische Schwarzmeerflotte nun gegen die Marine der Ukraine stelle, sagt der ukrainische Brigade-Kommandeur Witali Swjaginzew der Nachrichtenagentur Reuters. Er hat die Befehlsgewalt über einen Teil der festgesetzten Boote. Jahrelang lagen die Schiffe der beiden Länder Seite an Seite im Schwarzmeerhafen von Sewastopol. Gemeinsame Manöver waren an der Tagesordnung.

„Ich habe zwei Theorien“, erläutert der Kommandeur. „Die erste ist, dass sie einfach nur die ukrainischen Schiffe am Verlassen ihrer Stützpunkte hindern wollen. Die zweite ist, dass sie sichergehen wollen, dass die Ukraine ihre Schiffe nicht zurückbekommt, wenn die Krim an Russland geht.“ Genauso sei es auch Georgien gegangen. Nach dem Krieg mit Russland im Jahr 2008 habe die Regierung in Tiflis plötzlich ohne Flotte dagestanden. Außerdem hatten russische Einheiten die Kontrolle über ein Fünftel des Landes.

Die ukrainische Marine zählt 15.000 Soldaten, 10.000 von ihnen sind auf der Krim stationiert. Die russischen Streitkräfte sind klar überlegen. Allein auf der Krim, dem Heimathafen der Schwarmeerflotte darf Russland nach einem Abkommen mit der Ukraine 25.000 Mann stationieren. Derzeit dürften es Experten zufolge rund 16.000 Soldaten sein. Die russische Flotte auf der Krim verfügt zudem über rund 40 Kriegsschiffe, darunter ein U-Boot, zwei Kreuzer, ein Zerstörer und acht Fregatten.

Für Russland ist der Stützpunkt von strategischer Bedeutung. Der einzige weitere Militärhafen am Schwarzen Meer im russischen Noworossijsk bietet nicht die geschützten Buchten und das besonders für U-Boote notwendige Tiefwasser. Es wären Milliardeninvestitionen nötig, um Noworossijsk zu einer Alternative zu Sewastopol auszubauen. Und: Sollte die Krim an Russland fallen, müsste die Regierung in Moskau die Ukraine nicht mal mehr um Zustimmung bitten, wenn sie dort zusätzliche Kriegsschiffe stationieren will.

Swjaginzew will nicht sagen, wieviele ukrainische Seeleute auf seinem etwas abseits gelegenen Stützpunkt Dienst tun. Ganz in der Nähe haben sich Angehörige der russischen Streitkräfte in einer verlassenen Jugendherberge eingerichtet. Auf dem Dach haben sie die russische Fahne gehisst. Ukrainische Soldaten, die den eigenen Stützpunkt mit Nahrungsmitteln versorgen, werden unter vorgehaltener Waffe bedroht.

Russische Soldaten halten auch das Hauptquartier der ukrainischen Marine in Sewastopol besetzt. Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Flotte, Denis Beresowski, war unmittelbar nach dem Umsturz in Kiew auf die russische Seite übergelaufen. In der Ukraine weckte dies die Befürchtung, er könne nach einem Anschluss der Halbinsel an Russland das Kommando über eine Art Krim-Flotte übernehmen. Swjaginzew und seine Leute wollen aber standhaft bleiben. Sie hätten einen Eid geleistet und würden ihre Waffen nicht niederlegen, sagt der Kommandeur. „Wir haben nichts zu verlieren. Ich weiß, wofür ich sterben würde. Aber wissen es die russischen Soldaten auch?“

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