Rekordmeister: Uli Hoeneß hat 18,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen

Überraschung zum Prozessauftakt gegen Uli Hoeneß: Der Präsident des FC Bayern hat sogar die Ermittler der Staatsanwaltschaft in den Schatten gestellt und eingeräumt, dass er die sagenhafte Summe von 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen hat. Er zeigte sich dennoch enttäuscht, dass er sich überhaupt vor Gericht verantworten muss.

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FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat mehr Steuern hinterzogen als die Staatsanwaltschaft ihm bislang vorwirft. Auf insgesamt etwa 18,5 Millionen Euro summiert sich die ausstehende Steuerschuld, wie der Fußballmanager am Montag vor dem Landgericht München einräumte. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen 3,5 Millionen hinterzogener Spekulationsgewinne angeklagt. Die höhere Summe ergebe sich aus einer nun vorliegenden Aufstellung von Devisengeschäften zwischen 2002 und 2005, erklärte Hoeneß und zeigte sich in dem vielbeachteten Verfahren reumütig. „Ich bin jetzt froh, dass alles transparent auf dem Tisch liegt“, sagte der 62-Jährige im Münchner Justizpalast. „Mein Fehlverhalten bedaure ich zutiefst“, sagte er. „Ich werde alles dafür tun, damit ich dieses traurige Kapitel für mich abschließen kann.“ Ihm sei klar, dass ihm nur absolute Steuerehrlichkeit helfe.

Hoeneß zeigte sich enttäuscht, dass ihn die Staatsanwälte trotz seiner Selbstanzeige vom Januar 2013 vor Gericht gestellt haben. Nach Recherchen von Journalisten habe er seinerzeit beschlossen, mit Hilfe seines Steuerberaters reinen Tisch zu machen. Seine umfassenden Spekulationen in der Zeit seien auf die Schnelle allerdings nicht zu dokumentieren gewesen. Er habe seinerzeit über ein Zürcher Konto der Schweizer Vontobel-Bank mit Devisen spekuliert und die Gewinne in Wertpapiere angelegt. Über 50.000 Transaktionen seien aufgelaufen. „Es war immer klar, dass das Konto hauptsächlich zum Zocken da war“, sagte Hoeneß. Die Beträge seien immer extremer geworden. „Das war der pure Kick, das pure Adrenalin.“ Ab dem Jahr 2006 habe sich das Glück dann gewendet. „Es wurde richtig eng.“ Sein Freund, der frühere Adidas -Chef Robert Louis-Dreyfus, habe ihm mit Millionenbeträgen aus der Patsche geholfen.

Insgesamt hätten sich die Kapitalmarktgeschäfte nicht gelohnt. „Unter dem Strich habe ich von 2003 bis 2009 einen Millionenverlust erlitten.“ Zudem habe er keine Dokumentation über seine Schweizer Geschäfte angelegt. „Ich hatte keinen Überblick. Letztlich war alles ein großes Durcheinander.“ Dass die Münchner Staatsanwälte trotz der Selbstanzeige einen Haftbefehl und eine Hausdurchsuchung erwirkte, habe ihn schockiert. „Die Folgen für mich und meine Familie waren katastrophal.“ Er habe sogar Morddrohungen erhalten.

„Ich bin kein Sozialschmarotzer“, rief Hoeneß. In den letzten Jahren habe er an die fünf Millionen Euro für soziale Zwecke gespendet und in den letzten zehn Jahren mehr als 50 Millionen Euro an Steuern in Deutschland gezahlt.

Die Staatsanwaltschaft will den Fußball-Manager und Wurstproduzenten wegen der Hinterziehung von gut 3,5 Millionen Euro Steuern verurteilt sehen. Anklagevertreter Achim von Engel erklärte zum Prozessauftakt, Hoeneß habe seinem Miesbacher Finanzamt Kapitalerträge und Verkaufserlöse von gut 33,5 Millionen Euro verschwiegen. Zudem habe er Verlustvorträge über gut 5,5 Millionen Euro falsch deklariert. Die Selbstanzeige von Hoeneß erwähnte der Staatsanwalt nicht.

Das Landgericht München will klären, ob der Fußballmanager wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ins Gefängnis muss. Offen ist, ob Hoeneß seine Vergehen so rechtzeitig und umfassend beim Finanzamt angezeigt hat, dass er eine Strafe abwenden kann. Auf Steuerhinterziehung stehen bis zu fünf Jahre Haft, in besonders schweren Fällen zehn Jahre. Der Fußballmanager beruft sich darauf, dass das Gesetz Steuersündern bei einer Selbstanzeige Straffreiheit gewährt. Der Prozess ist auf vier Tage bis Donnerstag angesetzt.

Der Vorsitzende Richter Rupert Heindl unterbrach nach der Verlesung der Anklage die Verhandlung kurz. Hoeneß, der mit drei Anwälten erschien, äußerte sich zunächst nicht. Er bestätigte lediglich mit knappem Nicken seine vom Richter vorgetragenen Personalien.

Die Hoeneß-Affäre befeuerte die Debatte über den Umgang mit prominenten Steuersündern. Das Rechtsinstrument der Selbstanzeige wird immer stärker genutzt, um einer Strafverfolgung zu entgehen. Allein in Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Selbstbezichtigungen im Februar auf einen Rekordwert von knapp 1000.

Während sich Hoeneß heftiger Kritik ausgesetzt sieht und die große Koalition in Berlin an schärferen Gesetzen arbeitet, stärkten Fans und Sponsoren des FC Bayern ihrem Idol demonstrativ den Rücken. Sie verweisen auf die jahrzehntelangen Verdienste des Ex-Fußballers und Weltmeisters von 1974. Hoeneß hatte auch Unterstützer im Gerichtssaal, eine Frau zeigte sich mit einem roten T-Shirt auf dem der weiße Schriftzug „Uli Hoeneß – Legend“ prangte.


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