YaCy: Deutsche Informatiker wollen Google Konkurrenz machen

Ein Projekt deutscher Informatiker bietet eine Alternative zu den großen Suchmaschinen. Durch ein dezentrales Suchnetzwerk wird dabei Datenmissbrauch und Zensur verhindert. Die Software ist quelloffen und speichert keine Daten über die Nutzer.

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Zentrale Suchmaschinen tendieren zu Datenmissbrauch und Zensur. (Quelle: YaCy)

Zentrale Suchmaschinen tendieren zu Datenmissbrauch und Zensur. (Quelle: YaCy)

Die eine Gruppe deutscher Informatiker versucht den Suchmaschinen-Giganten Google, Yahoo und Bing mit einem neuen Ansatz zu begegnen. Statt einer zentralisierten Suche, bei der die Konzerne alle Suchanfragen speichern und daraus Nutzerprofile für Werbezwecke zu erstellen, bietet das Projekt YaCy eine dezentrale Suche an. Dabei wird jeder Nutzer zum Betreiber seiner eigenen Suchmaschine und entscheidet selbstständig, was und wie gesucht wird.

Gegründet wurde das Projekt von dem Diplom-Informatiker Michael Christen.

„Die Informationsgesellschaft des 21.-ten Jahrhunderts basiert darauf, dass der Zugang zu allen öffentlichen Informationen frei ist. Das bedeutet: der Zugang sollte transparent, nachvollziehbar und für jeden auch individuell gangbar sein“, so die Initiatoren von YaCy auf ihrer Webseite. ­­­

Das Internet verfügt über viele frei zugängliche Inhalte, wie Wikipedia, freie Musik, Daten unter Creative Commons Lizenz und Dokumente der Open_Access-Bewegung. Doch die zunehmende Monopolisierung des Netzes durch  Suchmaschinen-Konzerne gefährdet den Zugang zu diesen Daten. Am Ende entscheidet Google, welche Daten sichtbar sind und welche nicht. Der Konzern entging erst kürzlich durch eine Strafzahlung einem Kartellverfahren in Europa (mehr hier).

Die Suchmaschinen-Giganten entscheiden, welche Inhalte gefunden werden. (Quelle: YaCy)

Die Suchmaschinen-Giganten entscheiden, welche Inhalte gefunden werden. (Quelle: YaCy)

„Freie Informationen können nur dann wirklich frei sein, wenn sie mit einer freien Software gefunden werden können. YaCy ist die fehlende Verbindung vom Erzeuger freier Inhalte zum Monopol-unabhängigen Nutzer“, so die Initiatoren.

Während die großen Suchmaschine wie Google und Yahoo geschlossene System sind, ist YaCy eine quelloffene, freiverfügbare und transparente Software. Jeder Nutzer kann dabei nachvollziehen, wie die Software zu den jeweiligen Suchergebnissen kommt. Durch den dezentralen Ansatz beugt YaCy dem Datenmissbrauch und der Zensur durch Suchmaschinen vor.

„Die Besonderheit von YaCy ist aber, dass es sich mit den anderen Benutzern, die ebenfalls eine YaCy Suchmaschine betreiben, verbinden kann. So entsteht ein vollständig dezentrales Peer-to-Peer Suchmaschinennetz, welches mit der Anzahl der Nutzer skaliert. Diese, von der Gemeinschaft der Nutzer betriebene Suchmaschine ist nicht zensierbar und speichert auch kein Nutzerverhalten an zentraler Stelle. Das Erreichen von Informationsfreiheit durch freie, dezentrale Suchsoftware ist auch ein Projektziel.“

Bisher nutzen neben Privatpersonen hauptsächlich Universitäten und Unternehmen die Suchmaschine für das interne Intranet. Etwa 600 Peer-Betreiber pro Monat und rund 130.000 Suchanfragen pro Tag befindet das Projekt noch am Anfang. Die Initiatoren suchen deshalb noch Entwickler und Designer, die die Idee einer freien Suche voranbringen möchten.

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