China-Pleiten: Flucht aus den Börsen

Aus Furcht vor einer Pleitewelle in China haben sich Anleger am Mittwoch aus den europäischen Aktienmärkten zurückgezogen. Vergangene Woche platzte in China erstmals eine Unternehmensanleihe. Der Markt sei in Alarmbereitschaft wegen möglicher weiterer und größerer Pleiten, so Analysten.

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Aus Furcht vor einer Pleitewelle in China haben sich Anleger am Mittwoch aus den europäischen Aktienmärkten zurückgezogen. Außerdem sorgte der ungelöste Streit um die ukrainische Halbinsel Krim und drohende Sanktionen des Westens gegen Russland für Nervosität. Dax und EuroStoxx50 gaben um jeweils mehr als ein Prozent auf 9187 beziehungsweise 3056 Punkte nach.

Wegen der schwächelnden Konjunktur geraten immer mehr chinesische Firmen in finanzielle Schieflage. Vergangene Woche platzte dort erstmals eine Unternehmensanleihe (mehr hier). „Der Markt ist in Alarmbereitschaft wegen möglicher weiterer und größerer Pleiten“, sagte Analyst Jeremy Batstone-Carr vom Brokerhaus Charles Stanley. Entscheidend sei hierbei allerdings die Frage, ob die chinesische Konjunktur dadurch stärker abkühle als bislang gedacht. „So lange die Pleiten begrenzt werden können, sollten sie keinen längerfristigen Einfluss auf die Finanzmärkte haben.“

Der Leitindex der Börse Shanghai fiel am Mittwoch zeitweise auf ein Siebeneinhalb-Monats-Tief von 1974,38 Punkten. Im Gegenzug griffen Anleger verstärkt zu Gold, dessen Preis auf ein Sechs-Monats-Hoch von 1362,24 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) stieg. Die Nachfrage nach den ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen trieb den Bund-Future 45 Ticks in die Höhe auf 142,77 Punkte. Der Euro kostete mit 1,3867 Dollar ungefähr so viel wie zum New Yorker Vortagesschluss.

Da viele chinesische Unternehmen Verluste schreiben, befürchten Experten, dass weitere Zahlungsausfälle folgen. Diese Spekulationen schlugen auch auf den Rohstoff-Markt durch. An der Londoner Metallbörse LME fiel der Preis für Kupfer um bis zu 1,5 Prozent und lag mit 6376,25 Dollar je Tonne auf dem niedrigsten Stand seit Anfang Juli 2010. In Shanghai rutschte der Terminkontrakt um die maximal möglichen fünf Prozent ab auf ein Viereinhalb-Jahres-Tief von 43.740 Yuan (7119 Dollar).

Etwa 40 Prozent des weltweiten Kupfer-Absatzes gehen nach China. Ein Großteil der Importe dient allerdings als Sicherheit für Kredite. Dieses Geld wird dann von sogenannten Schattenbanken an andere Unternehmen weiterverliehen (hier). Börsianer befürchten nun, dass Gläubiger die als Sicherheiten hinterlegten Kupferbestände verkaufen, um an einen Teil ihres Geldes zu kommen. Als Schattenbanken gelten Versicherer oder Fonds, die bankähnliche Finanzgeschäfte anbieten, dabei aber nicht im selben Umfang staatlich kontrolliert werden wie reguläre Banken.

Der Stahlpreis geriet in China ebenfalls ins Rutschen. Eine Tonne war mit 3141 Yuan (511 Dollar) zeitweise so billig wie noch nie. Vor diesem Hintergrund gaben die Stahlkocher ThyssenKrupp 4,2 Prozent und ArcelorMittal 1,5 Prozent nach. Der Index der europäischen Rohstoffförderer und -verarbeiter fiel auf ein Zwei-Monats-Tief von 386,65 Punkten.

Die Krim-Krise machte den russischen Börsen erneut zu schaffen. Anleger warfen Aktien und Anleihen aus ihren Depots. Die Versicherung russischer Kredite gegen Zahlungsausfall war nach Angaben des Datenanbieters Markit so teuer wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. Am Wochenende will die Krim über die Loslösung von der Ukraine und den Beitritt zur russischen Föderation entscheiden. Dies und mögliche Sanktionen gegen Russland seien weitgehend eingepreist, sagte Aktienhändler Alex Chehade vom Brokerhaus TradeNext. „Es wird kurzfristig keine Lösung geben, aber zumindest scheint ein bewaffneter Konflikt vorerst vom Tisch zu sein.“

Einziger Gewinner im Dax war Bayer mit einem Kursplus von 0,1 Prozent. Der Leverkusener Konzern will dank neuer Medikamente mittelfristig wieder in die Gruppe der weltweit zehn größten Pharmafirmen zurückkehren.

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