Lücken bei Überprüfung: Griechenland erhält mehr Geld

Der IWF will, dass Griechenland eine höhere Hilfs-Tranche bekommt als gewöhnlich. Als Grund gibt der IWF etwas kryptisch "Lücken zwischen den Überprüfungen" an. Das Geld geht zum großen Teil an die Banken und an die EZB. Die internationalen Großbanken dürfen künftig leichter Anteile an griechischen Banken erwerben.

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Griechenland kann auf eine höhere Hilfstranche als gewöhnlich hoffen. Nach der Überprüfung der Reformen durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) im Mai könne das krisengeschüttelte südeuropäische Land mehr Unterstützung erhalten, sagte ein Fonds-Sprecher am Donnerstag. Da sich einige Kontrollen verzögert hätten, dürften sich die Auszahlungen an Griechenland ändern. „Ich nehme an, dass sie höher ausfallen, da es Lücken zwischen den Überprüfungen gab“, sagte IWF-Sprecher Bill Murray. Griechenlands internationale Geldgeber hatten Mitte März nach zähen sechsmonatigen Verhandlungen mit der Regierung in Athen Einigkeit über die Umsetzung des Reformprogramms erzielt. Zuletzt hatte das Land im Juli Finanzhilfen über 2,3 Milliarden Dollar bekommen.

Griechenland bietet im Gegenzug an, dass die internationalen Banken bei den griechischen Banken einstiegen dürfen.

Athen will, wie von den Kapitalgebern gefordert, ein Gesetz verabschieden, um den Bankenrettungsfonds HFSF zu reformieren. Das geht aus einem Entwurf hervor, der Reuters am Donnerstag vorlag. Demnach sollen die mehrheitlich im Besitz des griechischen Bankenrettungsfonds befindlichen Geldhäuser künftig im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien zu Marktpreisen begeben dürfen. Zum Fonds gehören die vier größten Banken des Landes – National Bank, Alpha Bank, Piraeus Bank und Eurobank. Diese waren im vergangenen Sommer mit 25 Milliarden Euro rekapitalisiert worden. Der Fonds erhielt im Gegenzug Aktien der Banken.

Bei einer Kapitalerhöhung könne dann der Anteil des Fonds an den Geldhäusern verwässert werden, geht aus dem Dokument weiter hervor. Der HFSF dürfe grünes Licht für neue Aktien geben, die billiger auf den Markt kommen als bei vorherigen Kapitalmaßnahmen. Die Piraeus-Bank BOP hatte am Mittwoch als zweites griechisches Geldhaus eine Kapitalerhöhung über 1,75 Milliarden Euro abgeschlossen. Am Vortag hatte bereits die Alpha Bank Anleger für neue Aktien im Volumen von 1,2 Milliarden Euro gefunden. Die erfolgreichen Kapitalmaßnahmen gelten als Zeichen dafür, dass der gebeutelte Bankensektor des Landes das Schlimmste der Schuldenkrise überwunden hat.

Griechenland wird von den Euro-Ländern, der Europäischen Zentralbank und dem IWF bereits mit zwei Rettungspaketen im Volumen von insgesamt 240 Milliarden Euro über Wasser gehalten. Dabei kam es immer wieder zu Streitigkeiten über den Spar- und Reformkurs, den Athen im Gegenzug für die Hilfen zusagte.

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