Griechenland-Rettung: Der teuerste Stillstand der Weltgeschichte

Der EU-Beauftragte für Griechenland, Horst Reichenbach sagt: Die erfolgreiche Arbeit der griechischen Regierung habe "die Wettbewerbsfähigkeit wieder auf das Niveau vor dem Euro-Eintritt gebracht". Dieser Stillstand hat den europäischen Steuerzahler bisher 240 Milliarden Euro gekostet. Damit ist klar: Die Schulden-Staaten der Eurozone haben die Banken gerettet, damit sie weiter Schulden machen können.

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Die aus Anlass der EU-Wahl abgehaltene Auktion von Griechen-Bonds war ein Feststag für Hedgefonds: Die EZB sichert die nach britischem Recht abgeschlossenen Kredite über eine pan-europäische Haftung ab. Einen Tag nach dem Feuerwerk erklärt die EU Griechenland zum permanenten Transfer-Fall.

Die erste Kreditaufnahme Griechenlands bei angelsächischen Hedgefonds war ein Fest für die Banken: Sie bekommen das Geld für die Darlehen an Griechenland geschenkt, die Papiere werden mit 4,75 Prozent verzinst und haben die 100-prozentige Garantie der EZB, also der europäischen Steuerzahler. Außerdem sind sie nach UK-Recht abgeschlossen und damit im Fall eines Schuldenschnitts bevorzugt. Ein besseres Geschäft kann man nicht machen. Es ist völlig risikofrei und offenbar ein kleines Dankeschön der Schulden-Staaten für die weitere Finanzierung der Schulden-Exzesse.

Die Aktion ist jedoch auch ein Schauspiel, um die unruhig gewordenen Bürger in den Südstaaten einzulullen: Griechen, Iren und Portugiesen sollen vor der EU-Wahl denken, dass die Krise vorüber ist. Die EU und Angela Merkel wollen damit den rechten und linken europäischen Oppositionsparteien das Wasser abgraben.

In Griechenland selbst hat sich durch die Showeinlage nichts geändert.

Und daher meldet sich die EU auch am Tag nach der Kreditrunde mit skeptischen Worten: Der Chef der EU-Task-Force für Griechenland, Horst Reichenbach, sagte dem Spiegel, die Finanzierung Griechenlands sei trotz der Kapitalmarktauktion nicht gesichert: „Niemand kann sagen, ob Griechenland zur Zeit schon die Möglichkeit hätte, dauerhaft alleine an den Anleihemarkt zu gehen, damit es keine Hilfen mehr von den Euro-Ländern braucht.“

Die Geldgeber hätten Vertrauen gefasst und die „erheblichen Fortschritte“ Griechenlands honoriert. So habe die Regierung „die Wettbewerbsfähigkeit wieder auf das Niveau vor dem Euro-Eintritt gebracht“.

Wenn der „Fortschritt“ der Griechenland-Mitgliedschaft im Euro darin besteht, dass das Land heute „wieder auf dem Niveau vor dem Euro-Eintritt“ angelangt ist, dann muss man sagen: Das ist der teuerste Stillstand der Weltgeschichte. Er hat den europäischen Steuerzahler bisher 240 Milliarden Euro gekostet. Ein Ende der Zahlungen ist nicht abzusehen, ebensowenig wie ein Ende der Verschuldung.


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