40 Prozent der Weltbevölkerung an der Schwelle zur Armut

Wegen der weltweiten Wirtschaftskrise droht 2,8 Milliarden Menschen ein Abstieg in die Armut. In den vergangenen Jahrzehnten gelang Milliarden Menschen in den Schwellenländern der Sprung in die Mittelschicht. Doch ohne ausreichendes Wirtschaftswachstum drohen sie nun, wieder abzurutschen.

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Die in den letzten Jahrzehnten entstandene Mittelschicht der Schwellenländer droht, wieder in die Armut abzusinken. Circa eine Milliarde Menschen sind laut einer Studie der Financial Times vom Abstieg gefährdet. Grund ist die nachlassende Weltwirtschaft. Die Etablierung freier Märkte in den Schwellenländern hatte im Verlauf der vergangenen 30 Jahren Milliarden Menschen den Weg aus der Armut ermöglicht.

In der vergangenen Woche sagte der IWF, die Welt müsse sich über Jahre auf ein geringeres Wirtschaftswachstum einstellen. Ökonomen der Weltbank warnten, dass das Wachstum in den Schwellenländern in Zukunft wahrscheinlich 2 bis 2,5 Prozentpunkte niedriger ausfällt als vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise im Jahr 2008.

Der Großteil der Milliarden Menschen, die in den letzten Jahrzehnten den Weg aus der Armut in die Mittelklasse der Schwellenländer geschafft haben, gehört zur „fragilen Mittelschicht“. Ihr Einkommen liegt oberhalb der Armutsgrenze von 2 Dollar pro Tag, aber unterhalb von 10 Dollar pro Tag.

Laut einer Analyse der Financial Times über die Einkommensverteilung in 122 Schwellenländern lebten dort 2,8 Milliarden Menschen von 2 bis 10 Dollar pro Tag (Daten aus dem Jahr 2010). Das sind 40 Prozent der Weltbevölkerung.

Knapp eine Milliarde Menschen in den Schwellenländern leben von 2 bis 3 Dollar pro Tag. Sie drohen angesichts des geringen erwarteten Wachstums wieder unter die Armutsgrenze zu rutschen.

Schon bevor die Abkühlung der Weltwirtschaft einsetzte, gab es um die Armutsgrenze von 2 Dollar pro Tag massive Bewegungen in beide Richtungen. In Indonesien etwa war die Hälfte der Armen ein Jahr zuvor noch oberhalb der Armutsgrenze. Sie waren wieder in die Armut abgerutscht. Dennoch war der Trend bisher insgesamt positiv.

Die Daten zeigen einen starken Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und der Reduzierung von Armut.

Unter den Bric- und Mint-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China, Mexico, Indonesien, Nigeria, Türkei) zeigten Indien, China und Indonesien den stärksten Zusammenhang zwischen BIP-Wachstum und der Reduzierung des Anteils der Bevölkerung, der weniger als 2 Dollar pro Tag verdient. Diese drei Länder haben seit 1970 ein durchschnittliches jährliches Wirtschaftswachstum von 5,5 Prozent.

Das nachlassende Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern hat im vergangenen Jahr bereits Folgen gezeigt. Die Zahl der Arbeiter, die in Armut leben, ging nur noch um 2,7 Prozent zurück. In den letzten zehn Jahren hatten es stets deutlich mehr Arbeiter in die Mittelschicht geschafft.

In den entwickelten Staaten schrumpft die Mittelschicht bereits seit vielen Jahren. In Deutschland hat sich ihr Anteil innerhalb von 13 Jahren um 5,5 Millionen verringert. Die Reichen werden reicher, und in der Mitte gibt es kaum noch Aufstiegsmöglichkeiten (mehr hier).

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