Ungarn: Investoren drohen mit Kapitalabzug wegen neuer Geldpolitik

Ausländische Investoren drohen Premier Viktor Orban angesichts seiner Finanzpolitik mit Kapitalflucht. Nachdem er bereits die höchste Bankenabgabe und eine Finanztransaktionssteuer eingeführt hat, gibt nun die ungarische Zentralbank ihre kurzfristige Geldpolitik auf.

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Ein Richtungswechsel in der ungarischen Geldpolitik könnte aus Sicht von Experten zu einem Abfluss von Investoren-Geldern aus dem Land führen. Dies wiederum werde den Kurs der Landeswährung Forint drücken, erklärten am Freitag Analysten der Commerzbank und der österreichischen Raiffeisen Bank. Die ungarische Notenbank hatte am Donnerstag angekündigt, ab August keine zweiwöchigen Schuldenpapiere mehr aufzulegen. Allein diese Ankündigung hat den Forint unter Druck gesetzt. Die sogenannten „two-week bills“ waren bisher ein wichtiges geldpolitisches Instrument der Zentralbank, mit dem sie überschüssige Liquidität aus dem Bankensystem abschöpfte.

Ausländische Investoren, die in Ungarn Geld anlegen wollen, müssen künftig nun auf andere Schuldentitel ausweichen. Viele Investoren werden nach Einschätzung der Commerzbank auf kurzlaufende Staatsanleihen setzen. Dies könnte jedoch dazu führen, dass die Renditen für diese Papiere fallen, was sie unattraktiv für Banken macht. „Einige Investoren könnten sich folglich dazu entscheiden, ihr Geld lieber aus Ungarn abzuziehen“, erklärten die Analysten der Commerzbank.

Ungarns Ziel sei es, dass Banken verstärkt in Forint denominierte Staatsanleihen kaufen, erklärten die Experten weiter. „Die Notenbank möchte der Regierung helfen, ihre hohe Fremdwährungsverschuldung abzubauen und in Folge das Junk-Rating auf ihre Staatsschulden zu verlieren.“ Viele Investoren würden von länger laufenden Staatsanleihen aber wohl die Finger lassen.

Zu den wichtigsten ausländischen Investoren in Ungarn zählen Banken. Finanzinstitute wie die BayernLB, Raiffeisen, Erste Group sowie die italienische UniCredit kontrollieren weite Teile des Finanzsektors – was der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban ein Dorn im Auge ist. Der kürzlich mit großer Mehrheit wiedergewählte Politiker hat deshalb wiederholt ins Finanzsystem eingegriffen. Unter anderem hat er in Ungarn die höchste Bankenabgabe Europas und eine Finanztransaktionssteuer eingeführt.

Die ausländischen Banken gaben sich nach der jüngsten Ankündigung jedoch zunächst gelassen. Der Schritt werde keinen Einfluss auf ihre Strategie haben, erklärte die Erste Group. Um die Auswirkungen besser abschätzen zu können, will das Institut jedoch weitere Gespräche mit der Zentralbank führen. Ähnlich äußerte sich die Raiffeisen Bank International. „Die Änderung der geldpolitischen Instrumente hat keinen signifikanten Einfluss auf die Position der Raiffeisenbank Ungarn“, erklärte eine Sprecherin. Die BayernLB wollte sich zunächst nicht äußern.

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