Rom: Papst spricht Johannes XXIII. und Johannes Paul II. heilig

Papst Franziskus hat am Sonntag die Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. heiliggesprochen. Der Papst will damit eine Versöhnung zwischen den Konservativen und den Erneuerern in der Katholischen Kirche herbeiführen.

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Unter Jubel und Applaus von mehr als einer halben Million Pilgern hat Papst Franziskus am Sonntag zwei seiner Vorgänger heiliggesprochen. Papst Johannes XXIII. und Johannes Paul II. seien mutige Männer gewesen, die den Tragödien des 20. Jahrhunderts standgehalten hätten, würdigte Franziskus die beiden Päpste, deren riesige Porträts hinter ihm am Petersdom im Vatikan prangten. Laute Jubelrufe brandeten auf, als er sie in die Reihen der Heiligen aufnahm. „Wir erklären die Seligen Johannes XXIII. und Johannes Paul II. zu Heiligen, tragen sie in den Kanon der Heiligen ein und verfügen, dass sie von der gesamten Kirche als solche verehrt werden sollen“, erklärte Franziskus auf in lateinischer Sprache.

Entlang der Via della Conciliazione (Straße der Versöhnung) bis hinunter zum Tiber drängten sich die Massen, um das Ereignis zu verfolgen. Auch der emeritierte deutsche Papst Benedikt XVI. nahm an der Messe teil. Er trat im vergangenen Jahr als erster Pontifex seit sechs Jahrhunderten zurück. Am Altar waren Reliquien der beiden Verstorbenen – Blut von Johannes Paul und ein Stück Haut von Johannes – aufgestellt. Franziskus ging während der Messe zweimal zu Benedikt, um ihn zu grüßen.

Mit der Heiligsprechung ehrt Franziskus zwei gegensätzliche Vertreter der römisch-katholischen Kirche. Der Papst hofft, die weltweit 1,2 Milliarden Katholiken nach einer Reihe von Sex- und Finanzskandalen damit wieder einen zu können. „Sie durchlebten die tragischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts, aber sie ließen sich von ihnen nicht überwältigen“, sagte Franziskus. „Sie wussten, dass Gott stärker ist und dass der Glaube stärker ist“.

Johannes XXIII. amtierte von 1958 bis 1963. Er berief das Zweite Vatikanische Konzil ein und modernisierte seine Kirche damit von Grund auf. Vor der Wahl zum Papst hatte er beide Weltkriege durchlebt. Der Italiener ging als „der gute Papst“ in die Geschichte ein. Das Zweite Vatikanische Konzil schaffte unter anderem Latein als Sprache der Messe ab, öffnete den Gottesdienst für moderne Kirchenlieder und ermutigte die Gläubigen zur Kritik am Vatikan.

Johannes Paul II., der fast 27 Jahre an der Spitze der Kirche stand, galt dagegen als Konservativer, der rigoros gegen theologische Abweichler vorging, die Macht der Vatikans stärkte und sich gegen eine liberalere Sexuallehre stemmte. Er erlebte die Zerstörung seiner Heimat Polen im Zweiten Weltkrieg und gilt als einer derjenigen, die zum Ende des Kalten Krieges und dem Sturz des Kommunismus in Polen beitrugen.

Beide Männer genießen in der Kirche großes Ansehen. Es gibt allerdings auch Kritiker, denen die rasche Heiligsprechung des vor neun Jahren verstorbenen Johannes Paul zu schnell geht.

Der Begeisterung der Massen tat dies jedoch keinen Abbruch. „Sie waren zwei großartige Menschen, jeder mit seinem eigenen Charakter, aber sie haben die Heiligsprechung verdient“, sagte der Argentinier Leonardo Ruino, der die Zeremonie verfolgte. Nach Angaben des Vatikans strömten rund 500.000 Menschen allein zum Petersplatz und in die umliegenden Straßen, um die Heiligsprechung mitzuerleben. Weitere 300.000 Menschen sahen sich danach die Fernsehübertragung auf Großleinwänden in ganz Rom an. Die große Mehrheit der Pilger war aus Polen angereist. Hunderte rot-weiße polnische Fahnen waren zu sehen. Viele Pilger harrten zwölf Stunden aus, ehe sie die Polizei morgens um 05.30 Uhr auf den Petersplatz ließ.

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