Undercover: Die Süddeutsche besuchte die DWN – aber keiner hat sie gesehen

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte eine Reportage über einen „Redaktionsbesuch“ bei den DWN. Das Problem: Ein solcher Besuch der SZ hat nie stattgefunden. Die Zeitung hat einfach eine ZDF-Sendung recycelt, mit einem geklauten Zitat garniert, ein paar krude Thesen aufgestellt und das Ganze unter der Rubrik „Verschwörungstheorie“ abgelegt.

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Die Süddeutsche Zeitung schreibt, sie habe den Deutschen Wirtschafts Nachrichten einen "Redaktionsbesuch in Berlin" abgestattet. Bei den DWN ist kein SZ-Redakteur aufgetaucht. Hoffentlich haben sich die Kollegen nicht verlaufen. (Screenshot: sz)

Die Süddeutsche Zeitung schreibt, sie habe den Deutschen Wirtschafts Nachrichten einen „Redaktionsbesuch in Berlin“ abgestattet. Bei den DWN ist kein SZ-Redakteur aufgetaucht. Hoffentlich haben sich die Kollegen nicht verlaufen. (Screenshot: sz)

Am Mittwoch vergangener Woche erschien in der gedruckten Ausgabe der Süddeutschen Zeitung unter dem Titel „Die wachsende Minderheit“ ein Artikel, in dessen Unterzeile stand:

„Gegen zu viel Europa, für den Steuerzahler: Die ,Deutschen Wirtschafts Nachrichten‘ sind im Internet nicht nur bei AfD-Wählern sehr beliebt. Den Konjunktiv findet man eher selten, Verschwörungstheorien umso häufiger. Ein Redaktionsbesuch in Berlin.

Kein Redakteur der Süddeutschen Zeitung hat sich jemals bei den Deutschen Wirtschafts Nachrichten gemeldet. Einen „Redaktionsbesuch“ der SZ bei den DWN hat es nie gegeben.

Nach einer blumigen Schilderung der Redaktionsräume der DWN heißt es:

„Es ist zum großen Teil die Mundpropaganda des sozialen Webs, durch die die Deutschen Wirtschafts-Nachrichten zu einer Größe werden. ,Die Startseite ist irrelevant geworden, der einzelne Artikel ist für uns die Einstiegsseite‘, verkündete Michael Maier, der einst mit der Netzeitung ein Pionier des reinen Onlinejournalismus in Deutschland war, vor anderthalb Jahren.“

Dieses Zitat entstammt einem Interview, welches der Journalist Ronnie Grob „vor anderthalb Jahren“ mit Maier geführt hat, für die Schweizer Medienwoche. Die SZ hat das Zitat geklaut und auf eine Quellenangabe verzichtet.

An einer weiteren Stelle des Artikels der SZ heißt es:

„Den Konjunktiv meidet man, so gut man eben kann. Quasi jeder Referentenentwurf wird zum festen Plan, quasi aus jedem ,könnte‘ ein ,wird‘“. (sic)“

Diese Stelle stammt fast wörtlich aus einer ZDF-Reportage: Das ZDF war tatsächlich vor einigen Wochen bei den DWN zu einem Redaktionsbesuch (mehr hier) und hat den Beitrag auch gesendet – womit ihn die SZ eigentlich hätte zitieren müssen.

Doch hier schließt sich der Kreis: Der Bericht in der SZ war eine Zweitverwertung der Recherche des Redakteurs, der für das ZDF die DWN besucht hatte. Er hatte niemandem bei den DWN offenbart, dass er aus dem Dreh mit vollem Kamerateam auch einen Artikel für die SZ machen werde.

Wir wollen dem freien Journalisten keinen Vorwurf machen – die Kollegen werden in der Regel schlecht bezahlt und haben daher alles Recht, ihre Beiträge mehrfach zu verwerten.

Die SZ sollte sich jedoch überlegen, gewisse Verhaltensregeln zu entwickeln: Wenn man von einem „Redaktionsbesuch“ berichtet, ist es sinnvoll, wenn die besuchte Redaktion auch davon weiß.

Es wäre übrigens für die SZ von Gewinn gewesen, wenn sie mit uns gesprochen hätte. Wir hätten sie dann vielleicht rechtzeitig auf einen Widerspruch hinweisen können.

Denn die SZ schrieb zunächst anerkennend über den Erfolg der DWN:

„All das ohne den Startvorteil einer eingeführten Printmarke, ohne großes Medienhaus im Rücken, ohne aufwendige Werbekampagne zum Launch – mitten in der Medienkrise ist das in der Tat ein bemerkenswerter Erfolg.

Die SZ zeigte sich beeindruckt und schrieb, „die DWN bieten … eine meist akademisch gebildete Leserschaft, im Schnitt zwischen 30 und 55 Jahren alt“, nicht wenige davon sind „selbst wirtschaftliche Entscheider“.

Doch die Süddeutsche Zeitung traut dieser akademisch gebildeten Leserschaft und den Entscheidern intellektuell offenbar wenig zu. Sie wittert stattdessen eine Verschwörung zwischen den Lesern und der Redaktion der DWN:

„Legitime EU- und Regierungskritik (der DWN, Anm. d. Red.) ist immer wieder durchzogen von ganz bestimmten sprachlichen Codes. Vom „Dog-Whistle“ spricht man im Englischen – wie der Pfiff mit der Hundepfeife werden die Signale nur von denen wahrgenommen, die sie verstehen sollen.“

Genau so, liebe Kollegen von der SZ, funktioniert eine Verschwörungstheorie: Man unterstellt dem anderen, dass er etwas Bestimmtes denkt – gerade weil er es nicht sagt. Man behauptet, ein bestimmtes Wort sei ein Code, der nur von „denen wahrgenommen“ werde, der ihn verstehen soll.

Der britische Journalist Jon Ronson hat diese Methode in seinem sehr lesenswerten Buch „Them. Adventures with extremists“ beschrieben. Er hat verschiedene echte Verschwörungstheoretiker besucht und eine lehrreiche Analyse verfasst.

Über antisemitische Stereotypen im Gewand von staatlichen Verschwörungstheorien hat DWN-Herausgeber Michael Maier an der Hebräischen Universität Jerusalem eine Fallstudie geschrieben (ein Auszug wurde auf den DWN veröffentlicht).

Selbstverständlich glaubt oder behauptet niemand bei den DWN, dass die Welt von einer geheimen Weltregierung systematisch gesteuert wird. Das ist blanker Unfug. Die Welt wird nicht von dunklen Mächten regiert, sondern von realen, einzelnen Menschen – guten wie schlechten, gierigen wie verantwortungsbewussten, Kriminellen und Wohltätern. Der Einzelne ist das größte Risiko und zugleich die einzige Chance für die Menschheit.

In einer globalisierten Welt sind die Zusammenhänge zwischen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen und ihren Folgen allerdings nicht mehr leicht zu erkennen. Es gibt Profiteure und Verlierer. Große PR-Firmen, Spin-Doktoren und Lobbyisten verdienen Milliarden, indem sie die öffentliche Meinung manipulieren. Unabhängige und erst recht unberechenbare, neue Medien werden argwöhnisch gemustert. „EU-Berater wollen Medien stärker überwachen“, schrieb die FAZ vor einem Jahr durchaus alarmistisch und berichtete, dass der EU vor allem die Veröffentlichungen im Internet Sorge bereiteten.

Die DWN wollen diese Zusammenhänge aufzeigen und kritisch über die Player in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft berichten. Dazu gelten für uns, neben einem durchaus unkonventionellem Stil, die klassischen journalistischen Regeln und ein paar einfache redaktionelle Prinzipien, die hier jeder nachlesen kann. Manchmal schreiben wir einen sarkastischen Artikel. Da steht dann „Satire und tiefere Bedeutung“ drüber. Gelegentlich gibt es auch sarkastische Halbsätze in den Artikeln. Diese werden nicht gesondert gekennzeichnet.

Unsere Berichterstattung über die Bilderberger hätte die SZ vielleicht ins Grübeln lassen können: Weil die SZ jedoch nicht mit uns gesprochen hat, konnten wir sie nicht auf den Artikel hinweisen (hier ist er, zum Nachlesen).

Wir freuen uns, dass wir mit unserem geradlinigen Kurs in kurzer Zeit ein Millionen-Publikum gefunden haben.

Um mit der DWN-Redaktion über ihre inhaltlichen Positionen zu reden, muss sich kein anderes Medium hinter den Kameras und Scheinwerfern des staatlichen Fernsehens verstecken.

Wir sind neutraler Boden.
Eine Email genügt.
Wir sehen Euch immer gerne.

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