Gefahr für Steuerzahler: Commerzbank bei EZB-Stresstest gefährdet

Der Steuerzahler musste die Commerzbank aus der Finanzkrise retten. Vor dem EZB-Stresstest droht erneut Ungemach. Analysten sehen in der Bank einen Durchfall-Kandidaten. Möglicherweise muss der Steuerzahler dann mit mehr Eigenkapital einspringen.

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Dirk Becker, Analyst beim Finanzdienstleister Kepler Cheuvreux, glaubt, dass die Commerzbank beim kommenden Stresstest der EZB zu jenen Banken gehört, die durchfallen können. Dies wäre für den deutschen Steuerzahler besonders unangenehmen: Er musste die Commerzbank nach der Finanzkrise retten. Eine erneute Rettung, also eine Stärkung des Eigenkapitals, könnte erneut auf Kosten des Steuerzahlers gehen. 

Becker sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten, dass es zum Wesen eines Stresstests gehöre, dass einige durchfallen müssen. Sonst würde der Test unglaubwürdig. Becker: „Der Markt will Blut sehen.“

Unter den Banken, die den normalen Investor interessieren, ist die Commerzbank einer der Kandidaten, die durchfallen könnten“, sagte Becker. Zwar komme der Verkauf auffälliger Papiere schneller voran als erwartet, doch dies bedeute für die Bank  auch höhere Verluste: Verkauft werden jene giftigen Papiere, die weniger risikoreich sind, die wirklich gefährlichen Papiere bleiben im Bestand der Commerzbank.

Die Commerzbank hatte zuletzt versucht, Optimismus zu verbreiten. CFO Stephan Engels sah sein Institut noch vor einigen Wochen „gut vorbereitet auf den anstehenden Stresstest“. Die Kernkapitalquote liege bei derzeit bei rund 11,6 Prozent. Die europäische Bankenaufsicht fordert für den Asset Quality Review mindestens 8 Prozent. Doch dieser Puffer von 3,6 Prozentpunkten (rund 7,5 Milliarden Euro) kann durch eine schlechtere Bewertung etwa der Schiffskredite durch die EZB leicht schrumpfen.

Und genau hier liegt das Problem des Instituts, für das der Steuerzahler geradestehen muss: Die Commerzbank sitze auf einem großen Volumen auffälliger Kredite, sagt Becker. „Kredite im Umfang von 30 Milliarden Euro sind stark ausfallgefährdet.

Die Commerzbank schildert den Deutschen Wirtschafts Nachrichten die Lage deutlich entspannter:

„Das Portfolio von Problemkrediten der Commerzbank lag per Ende Dezember 2013 bei 15,563 Mrd. Euro. Die Sicherheiten für dieses Portfolio hatten einen Wert von 7,4 Mrd. Euro. Zudem hat die Bank für dieses Portfolio bereits Risikovorsorge in Höhe von 6,2 Mrd. Euro gebildet. Damit ergibt sich eine Deckungsquote von 88%. Der Anteil des Portfolios von Problemkrediten am gesamten Kreditportfolio der Commerzbank betrug 3,5%. In der Kernbank, die das strategisch bedeutende kundenorientierte Geschäft der Commerzbank beinhaltet, lag die Quote der Problemkredite bei lediglich 1,8%.“

Doch die Zahl der tatsächlich ausfallgefährdeten Kredite in der Bilanz der Commerzbank ist etwa doppelt hoch, sagt Analyst Becker. „Vor allem die Schiffskredite sind eine einzige Katastrophe. Oftmals gibt es mit den Schuldnern stillschweigende Abkommen, dass nur noch die Zinsen bedient werden müssen.“ Das Grundkapital könne nicht mehr zurückgezahlt werden. So werde die Einstufung als faule Kredite vermieden – die Bilanz sehe damit viel freundlicher aus als die tatsächliche Lage bei der Bank. Die Commerzbank-Sprecher will diese Praxis nicht als generelle Regelung bestätigen, räumt jedoch ein, dass es sie gibt:

„Die Commerzbank hat immer die Gesundung des Kunden und die Rückgabe von Problemkrediten in das Weißbuch zum Ziel. Dazu gibt es verschiedene Maßnahmen, die in Abhängigkeit von der spezifischen Problemstellung ergriffen werden können. Generelle Regelungen gibt es aber nicht. Zum Volumen können wir deshalb keine Angaben machen. Generell gilt zudem: Für Problemkredite bildet die Bank immer auch Risikovorsorge.“

Doch Becker sieht nicht nur die Schiffskredite als Schwachpunkt bei der Commerzbank. Die Bilanz sei vor allem durch faule Kredite für ausländische Gewerbeimmobilien belastet. Vor allem in Spanien und Portugal wurden die Immobilienkredite durch das Platzen der Immobilienblase hart getroffen.

Die Commerzbank vertraut auf eine Erholung auf den Märkten und teilt den Deutschen Wirtschafts Nachrichten mit:

„Per 31.12.2013 hatte die Commerzbank im Portfolio spanischer gewerblicher Immobilienkredite Problemkredite in Höhe von 1,8 Mrd. Euro. Teile daraus hat sie jüngst verkauft. In Portugal betrug das Default-Portfolio im Bereich gewerbliche Immobilienkredite 300 Mio. Euro. Darüber hinaus hatte die Bank per Ende 2013 im Weißbuch spanische Gewerbeimmobilien in Höhe von 3 Mrd. Euro. Dieses hatte sie als ‚höher risikobehaftet‘ eingestuft. Das entsprechende portugiesische Portfolio in Höhe von 1,3 Mrd. Euro stufte die Bank als ‚mittelmäßig risikobehaftet‘ ein.

Das stabilere konjunkturelle Umfeld und das Weichen der von der Staatsschuldenkrise ausgegangenen Unsicherheit führen zu einer allmählichen Erholung an den Märkten für Gewerbeimmobilien, die zunächst von den Investmentmärkten ausgeht.“

Diese Einschätzung erscheint sehr optimistisch. Gerade in Portugal ist es wieder zu Unruhen gekommen , weil die soziale Lage schlechter ist als noch vor einem Jahr (hier). An eine Erholung der Gewerbeimmobilien glaubt weder Becker noch andere Marktbeobachter. Die faulen Kredite in Spanien hatten der Commerzbank bereits erste Verluste gebracht (hier).

Die Commerzbank war erst kürzlich in die Schlagzeilen geraten, weil die variable Vergütung der Mitarbeiter im vergangenen Jahr mit 300 Millionen Euro höher lag als der Jahresgewinn von 78 Millionen Euro (mehr hier).

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