Lage außer Kontrolle: 38 Tote in Odessa

In der Ukraine gerät die Lage in der Hafenstadt Odessa außer Kontrolle. Bei einem Brand starben 38 Menschen. Schon zuvor waren in der Stadt vier Menschen bei Kämpfen zwischen pro-russischen Separatisten und Anhängern der Regierung getötet worden.

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Der Konflikt in der Ukraine spitzt sich immer weiter zu. In dem bisher vergleichsweise ruhigen Odessa am Schwarzen Meer starben am Freitag nach Polizeiangaben mindestens 38 Menschen, als ein Gewerkschaftsgebäude in Flammen aufging. Schon zuvor waren in der Stadt vier Menschen bei Kämpfen zwischen prorussischen Aktivisten und Anhängern der Regierung getötet worden.

Ukrainische Truppen hatten am Morgen im Osten des Landes eine Offensive begonnen und sich heftige Gefechte mit den Separatisten geliefert. Nach Angaben Kiews schossen Aufständische zwei Hubschrauber ab, zwei Soldaten starben. Auch unter den Rebellen gab es Tote.

In Washington riefen Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama Russland erneut auf, zu einer Beilegung der Krise beizutragen. Russland erklärte indes, nach der ukrainischen Offensive sei das Genfer Abkommen zur friedlichen Lösung der Krise Geschichte.

In Odessa starben der Polizei zufolge einige Menschen, als sie aus dem brennenden Gebäude sprangen. Andere erlagen Rauchvergiftungen. Nach den Ausschreitungen im Verlauf des Tages hatte die Polizei am Abend gemeldet, ein Gewerkschaftshaus sei in Brand gesteckt worden. Über die Täter wurde zunächst nichts bekannt. Das überwiegend von russisch sprechenden Menschen bewohnte Odessa liegt unweit der Krim-Halbinsel.

Ukrainische Soldaten rückten am Freitag in Vororte der ostukrainischen Stadt Slawjansk vor. Die Vormachtstellung der Rebellen dort konnten sie aber nicht brechen. Die Separatisten warfen den Soldaten vor, bei dem Vormarsch drei Rebellen und zwei Zivilisten getötet zu haben. In der 130.000 Einwohner zählenden Stadt werden auch die EU-Militärbeobachter festgehalten.

Ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin erklärte, die ukrainischen Truppen hätten aus der Luft auf Zivilisten gefeuert und mit ihrer „Strafaktion“ den internationalen Friedensplan für die Ukraine torpediert.

Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes SBU wurde ein Kampfhubschrauber mit einer tragbaren Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Dies belege, dass „trainierte, gut ausgebildete ausländische Spezialisten“ aufseiten den Separatisten kämpften.

Russland hat jede direkte Beteiligung an den Aufständen abgestritten. In den vergangenen Wochen hatten pro-russische Kräfte Verwaltungsgebäude im Osten der Ukraine unter ihre Kontrolle gebracht. Die Moskauer Regierung hat erklärt, die russisch-stämmige Bevölkerung schützen zu wollen, und hat an den Landesgrenzen Truppen zusammengezogen.

In Washington forderte Obama, Russland müsse seinen Einfluss geltend machen und militärische Gruppen zur Aufgabe bewegen. Der US-Präsident drohte mit weiter gehenden Sanktionen für ganze Wirtschaftszweige. Beobachtern zufolge gelten die Energie- und die Bankenbranche als wahrscheinlichste Ziele. Zudem müsse Russland darauf hinwirken, dass die von Separatisten gefangen gehaltenen sieben EU-Militärbeobachter sofort freikämen, sagte Obama.

Merkel forderte, Russland müsse seiner Verantwortung besser gerecht werden. Man werde alles daransetzen, dass die Wahlen stattfinden. Sollte Russland sich daran nicht beteiligen, werde es weitere Strafen geben. Eine diplomatische Lösung werde weiter angestrebt und Sanktionen seien kein Selbstzweck. Es gebe aber breit gefächerte Möglichkeiten für wirtschaftliche Sanktionen.

 

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