China überholt USA als Nummer eins der Weltwirtschaft

Die USA haben ihre Spitzenposition als weltgrößte Volkswirtschaft an China verloren, so ein Bericht der Weltbank. Dieser Wechsel an der Spitze kam früher als erwartet. Die Chinesen werden die Amerikaner in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter abhängen.

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Nun ist es quasi offiziell. Die USA haben ihre Spitzenposition als weltweit größte Volkswirtschaft an China verloren. Das International Comparison Program der Weltbank kommt in seiner jüngsten Veröffentlichung zu diesem Thema zu diesem für die USA wenig erfreulichen Ergebnis. Klar war seit langem, dass aufgrund der erheblichen Differenzen in der Wachstumsdynamik der USA und Chinas ein Überholen der USA durch China unausweichlich sein würde. Nun ist es auf Basis der von Kaufkraftparitäten ermittelten Vergleichszahlen anhand der ICP-Zahlen bereits in diesem Jahr dazu gekommen. Im Unterschied zu den aktuellen Wechselkursen werden dabei die Vergleiche anhand von standardisierten Warenkörben für den Ländervergleich genommen.

Damit geht eine Ära zu Ende, denn seit 1872 waren die USA immer die weltweit größte Volkswirtschaft. Nun wird China den USA immer weiter in den kommenden Jahren enteilen. Die USA müssen sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Das heißt natürlich nicht, dass China im Pro-Kopf-Aufkommen mit den USA gleichziehen konnte, sondern eben nur, dass aufgrund der Größe der chinesischen Bevölkerung einfach deren Masse aufgrund des Produktivitätsfortschritts in China so stark zu den USA aufgeschlossen hat, dass man in absoluten Zahlen jetzt ein höheres Bruttosozialprodukt ausweist als die USA. Im Vergleich zu beiden Ländern liegt die EU mit ihren jetzt 28 Mitgliedsländern jedoch gemessen an der Wirtschaftskraft immer noch vor China. Alle drei Wirtschaftsräume zusammengefasst machen bereits etwas mehr als die Hälfte des Weltbruttosozialprodukts aus. Im Pro-Kopf-Durchschnitt liegt China jedoch noch weit hinter den USA und Europa zurück. Man erreicht noch nicht einmal den globalen Durchschnittswert.

Die gerade erst jetzt veröffentlichten Zahlen zum Wirtschaftswachstum im ersten Quartal in den USA dürften eine zusätzliche Ernüchterung geliefert haben. Das auf Jahresbasis hochgerechnete Wirtschaftswachstum fiel auf nur noch 0,1%. Zwar kann dem außerordentlich harten und hartnäckigen Winter in den USA die Schuld für diese Wachstumsschwäche zugerechnet werden, aber es bleibt abzuwarten, wie stark die Erholung in den kommenden Monaten ausfallen wird. Die Weltwirtschaft befindet sich ja derzeit in einem fragilen Zustand und die Exportaussichten der USA sind alles andere als rosig. Trotz intensiver Bemühungen der USA durch diverse Freihandelsabkommen wie TTIP die US-Wirtschaft stärker anzukurbeln, dürfte mit rascher Besserung kaum zu rechnen sein.

Das in diesem Jahr auslaufende Programm der quantitativen Lockerung durch die FED sowie eine Konsolidierung des US-Bundeshaushalts lassen die Zweifel wachsen, dass die USA ihren bisherigen Wirtschaftsaufschwung fortsetzen können. Pessimisten rechnen bereits mit einem Platzen der Finanzmarktblasen in den USA. Auch diesmal würde der Fallout auf die globalen Finanzmärkte heftige Schockwellen auslösen. Von daher wundert es nicht, dass nach jüngsten Meinungsumfragen in den USA die Bereitschaft weltweit weiterhin Verantwortung zu übernehmen nachlässt. Es könnte durchaus zu neoisolationistischen Tendenzen in den USA kommen, die erstmal versuchen werden, ihr eigenes Haus in Ordnung zu bringen. Ian Bremmer hat schon das dazu passende Buch geschrieben, Every Nation for Itself. Das tiefe transatlantische Zerwürfnis über eine gemeinsame Sicherheits-, Wirtschafts- und Außenpolitik ist ja kein Geheimnis mehr. In der Ukrainekrise brechen diese Unterschiede derzeit besonders deutlich auf. Die abschreckende Wirkung der USA auf andere rivalisierende Staaten – wie derzeit Russland – hat deutlich nachgelassen, so der Economist.

All das spricht für eine neue Phase der Instabilität in der Welt. Mit der Verschiebung der wirtschaftlichen Macht gehen auch tektonische Verschiebungen bei den anderen Politikbereichen einher. Mit dem schwindenden Vertrauen in die wirtschaftliche Dominanz der USA bilden sich zentrifugale Kräfte, sei es die Versuche die Dominanz des US-Dollar als Weltreservewährung nicht mehr nur durch den Euro, sondern zunehmend auch durch den Yuan in Frage zu stellen, sind Anzeichen dafür. China als größter ausländischer Gläubiger der USA lässt seine Muskeln spielen und die USA müssen gute Miene zum bösen Spiel machen.

Hinzu kommen die rasant steigenden Rüstungsausgaben in Ländern wie China und Russland hinzu, die für sich neue Chancen im globalen Machtkampf um Einflusssphären sich entwickeln sehen. Leider ist Europa weiterhin politische betrachtet ein Zwerg, der eher zum Spielball, denn zum Gestalter dieser Veränderungen zu werden droht. Immer noch reich, aber politisch schwach und zerstritten ist keine gute Ausgangslage, um den heraufziehenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen zu können. Seit Ausbruch der Eurokrise haben sich ja die Tendenzen zu einem Zerfall der Wirtschafts- und Währungsunion nur unter größten Kraftanstrengungen unter Kontrolle bringen lassen. Jetzt droht erneutes Ungemach, sollte Russland als verlässlicher Energielieferant für Europa ausfallen.


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