Siemens: Kaeser feuert Chef der Energietechnik-Sparte

Das Interesse von Siemens an einer Übernahme der Energietechnik von Alstom scheint sich in Grenzen zu halten: Statt einer Offensive in Paris setzt Vorstandschef Joe Kaeser auf eine klare Trennlinie zu seinem Vorgänger Peter Löscher. Als letzten Löscher-Mann will Kaeser nun den Chef der Energietechnik feuern.

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Der Konzernumbau von Siemens -Chef Joe Kaeser fordert ein weiteres prominentes Opfer. Der für die Energietechnik des Konzerns zuständige Vorstand Michael Süß müsse seinen Posten räumen, hieß es am Dienstag von zwei mit dem Vorgang vertrauten Personen. Seine Nachfolge solle eine amerikanische Managerin antreten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Siemens wollte sich zu den Angaben nicht äußern.

Intern werde Süß zur Last gelegt, er habe den Bereich dezentrale Energieerzeugung vernachlässigt. Zudem trage er als früherer Divisionschef eine Mitverantwortung für das kostspielige Ende der Partnerschaft mit dem französischen Atomkonzern Areva, sagten die Insider zu den Gründen. Süß war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Der Siemens-Aufsichtsrat trifft sich am Dienstagabend. Auf der Agenda stehen auch die aktuellen Quartalszahlen und die mittelfristige Strategie Kaesers, die er am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentieren will.

Der Wechsel kommt zeitlich überraschend. Siemens hat ein Angebot für die Energietechniksparte des französischen Rivalen Alstom angekündigt, um den US-Konkurrenten GE auszustechen. Unter Experten herrscht Skepsis, ob Siemens-Chef Kaeser diesen Plan mit aller Konsequenz verfolgt oder zunächst vor allem den Bitten der französischen und deutschen Politik nachkam. Die französische Regierung hat unterdessen mit dem finalen Feilschen um Details mit GE begonnen (mehr hier).

Süß ist der letzte verbleibende Siemens-Vorstand, der kein ursprüngliches Eigengewächs des Elektroriesen ist. Der 50-jährige Maschinenbauingenieur wechselte erst vor einigen Jahren vom Triebwerksbauer MTU zum Konzern. Zuvor hatte er den größten Teil seiner Karriere in der Automobilindustrie verbracht, unter anderem bei BMW und Porsche. Im Frühjahr 2011 hatte ihn Kaesers Vorgänger Peter Löscher zum Chef des Sektors Energietechnik befördert, nachdem Wolfgang Dehen zur abgespaltenen Osram wechselte. Löschers Vertraute Brigitte Ederer, Barbara Kux und Peter Solmssen haben Siemens bereits kurze Zeit nach dem Aufstieg Kaesers zum Vorstandschef den Rücken gekehrt. Süß galt als kantiger Manager in der Siemens-Spitze. Der Münchner ging selten einem Konflikt aus dem Weg.

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