Bilfinger will Tiefbau-Sparte verkaufen

Mit dem Verkauf des Tiefbaus kappt das 1880 gegründete Traditionsunternehmen Bilfinger eine seiner Wurzeln. Ganz aufgeben werde der Konzern das Baugeschäft aber nicht, so der frühere hessische Ministerpräsident Koch, der jetzt den Vorstandsvorsitz innehat. Der Konzern wolle sich so unabhängiger von Wetter und Konjunktur machen.

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Unter Führung des Ex-Politikers Roland Koch entfernt sich Bilfinger immer weiter von seiner Tradition als Baukonzern. Mit dem Verkauf des Tiefbaus kappt das 1880 gegründete Traditionsunternehmen eine seiner Wurzeln. Die Sparte ist Bilfinger mit einer operativen Rendite von zuletzt gerade 0,1 Prozent nicht profitabel genug.

Ganz aufgeben werde Bilfinger das Baugeschäft aber nicht, betonte der frühere hessische Ministerpräsident Koch auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Mannheim. „Wir sind und bleiben eines der größten deutschen Hochbauunternehmen“, sagte er. Wie unter Kochs Vorgänger Herbert Bodner 2002 begonnen, verlegt sich Bilfinger immer mehr auf die profitableren Dienstleistungen rund ums Bauen, etwa das Gebäudemanagement oder das Konzipieren, Modernisieren und Warten von Industrieanlagen und Kraftwerken.

Am Aktienmarkt kam der nächste große Schritt weg vom Baugeschäft nach dem Verkauf des Straßenbaus im vergangenen Jahr gut an. Die MDax-Aktie stieg zeitweise um mehr als fünf Prozent über 88 Euro. Der Fokus auf das Servicegeschäft sei eine positive strategische Entscheidung, sagte Ingbert Faust, Analyst von Equinet. „Das Baugeschäft war schwierig in den vergangenen Jahren, es gab immer wieder böse Überraschungen.“ Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger kritisierte den Plan auf der Hauptversammlung. „Sind die Margen tatsächlich so schlecht?“, fragte SdK-Vertreter Markus Kienle, oder liege es daran, dass Bilfinger das Baugeschäft nicht mehr könne.

Kochs Vorgänger Bodner hatte die Wende mit dem Verkauf des Baugeschäfts in Australien und den ersten großen Akquisitionen von Dienstleistern Anfang des Jahrtausends eingeleitet. Bilfinger will sich damit unabhängiger machen von Wetter und Konjunktur und die Rendite steigern. Den Hochbau behalten die Mannheimer bei, um das Know-how für das Gebäudemanagement zu bewahren. Bilfinger hat viele bekannte Brücken und Bauwerke errichtet, so 1957 die als „Schwangere Auster“ bekannte Kongresshalle in Berlin. Das spektakuläre Gebäude im Tiergarten stürzte 1980 teilweise ein und wurde in den folgenden Jahren wieder aufgebaut.

Der 2011 aus der Politik an die Konzernspitze gewechselte Ex-Ministerpräsident Koch will durch weitere Zukäufe von Ingenieurdienstleistungen seinem mittelfristigen Ziel näher kommen: Bis 2016 soll der Umsatz auf elf bis zwölf Milliarden Euro von zuletzt 8,5 Milliarden Euro steigern. Das bereinigte Konzernergebnis soll bei 400 Millionen Euro liegen – 2013 waren es knapp 250 Millionen Euro.

Den Tiefbau hatte Bilfinger in den vergangenen Jahren bereits so stark geschrumpft, dass die Sparte nicht mehr groß genug war, um wettbewerbsfähig zu sein, wie Koch einräumte. Die Entwicklung im ersten Quartal könnte die Verkaufschancen allerdings erhöhen. Die Sparte, die zu 80 Prozent aus Tiefbau mit Projekten wie dem U-Bahn-Bau in Berlin besteht, warf einen operativen Gewinn von fünf Millionen Euro ab nach einem Verlust von vier Millionen Euro vor einem Jahr, der allerdings vor allem an ausstehenden Bezahlungen in Polen lag.

In dem von Wiesbaden aus gesteuerten Baugeschäft arbeiten weltweit 3000 der insgesamt fast 74.000 Mitarbeiter, davon 1700 in Deutschland. Beim Verkauf werde der Konzern darauf achten, dass die Interessen der Beschäftigten angemessen berücksichtigt würden, sagte Koch.

Insgesamt ist Bilfinger im ersten Quartal nicht vom Fleck gekommen. Bei einem nur leicht auf 1,88 Milliarden Euro steigenden Umsatz brach das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) von Januar bis März um gut die Hälfte auf 22 Millionen Euro ein. Dem Aktienmarkt war jedoch der Ausblick auf den Rest des Jahres wichtiger, denn wie Koch erklärte, ist das erste Quartal bei Bilfinger traditionell schwach. Im zweiten Halbjahr sei mit einer deutlichen Besserung zu rechnen. Die Leistung des Konzerns soll 2014 auf mindestens acht Milliarden von 7,7 Milliarden Euro – ohne Tiefbau – im Vorjahr steigen und das bereinigte Ebita soll deutlich zulegen. Dazu sollen niedrigere Kosten, unter anderem durch den Stellenabbau in der Verwaltung, beitragen.

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