Boko Haram: USA suchen entführte Mädchen mit der Luftwaffe

Nach der Entführung von 200 Mädchen in Nigeria durch die Terrorgruppe Boko Haram beteiligt sich nun auch die US-Luftwaffe an der Suche nach den verschleppten Mädchen. Boko Haram will in Nigeria ein islamisches Kalifat errichten.

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Die USA setzen bei der Suche nach den von Islamisten entführten Mädchen in Nigeria nach Angaben aus amerikanischen Regierungskreisen Aufklärungsflugzeuge ein. Die bemannten Flüge fänden mit Erlaubnis der Regierung in Abuja statt, sagte ein hochrangiger Vertreter am Montag nach Reuters-Angaben. Ihr würden auch Satelliten-Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Die Islamistengruppe Boko Haram hatte Mitte April rund 250 Mädchen aus einer Schule entführt. Etwa 200 sollen sich noch in der Gewalt der Sekte befinden. Sie hat damit gedroht, die Kinder als Sklaven zu verkaufen. Mehrere Staaten haben Unterstützung bei der Suche angeboten.

Der Anführer der radikal-islamischen Boko-Haram-Rebellen in Nigeria soll einen Austausch der entführten Schülerinnen gegen Gefangene angeboten haben.

Auf einem von Boko-Haram veröffentlichten Video war Rebellenchef Abubakar Shekau zu sehen. In seinem minutenlangen Vortrag soll er den Gefangenenaustausch angeboten haben. Dabei soll er aber auch widersprüchliche Botschaften abgegeben haben.

Unter anderem soll er gesagt haben : „Wir werden die Mädchen nicht freilassen, solange ihr unsere Brüder gefangen haltet.“ Aber auch: „Diejenigen, die den Islam nicht akzeptieren, werden so behandelt, wie der Prophet Ungläubige behandelt, sie werden bei uns bleiben“.

Shekau trug auf dem Video militärische Kleidung und hatte eine Kalaschnikow im Arm. Teilweise gestikulierte er heftig und lachte auch an einer Stelle.

Auf dem Video waren auch rund 100 Mädchen zu sehen, die in bodenlange Gewänder gehüllt an einem unbekannten Ort zusammensaßen, sangen und beteten. Ob sie am gleichen Ort wie der Boko-Haram-Führer waren, war unklar.

Eine offizielle Reaktion der nigerianischen Regierung gab es zunächst nicht.

Boko Haram hatte Mitte April rund 250 Mädchen aus einer Schule entführt. Etwa 200 sollen sich noch in der Gewalt der Sekte befinden. Die Gruppe hatte damit gedroht, sie als Sklaven zu verkaufen. Mehrere Staaten wie die USA, Großbritannien, Frankreich und Israel haben Nigeria Unterstützung bei der Suche nach den Kindern angeboten.

Die Entführung hatte weltweit für Empörung gesorgt. Die Islamistengruppe Boko Haram, die sich zu der Tat bekennt, überzieht das Land bereits seit Jahren mit einer Welle der Gewalt. Sie gilt als größte Bedrohung für die Sicherheit im Land. Ihr Anführer Abubakar Shekau droht damit, die Mädchen in Zwangsehen zu verkaufen.

Der Name Boko Haram bedeutet übersetzt in etwa „westliche Bildung ist Sünde“. Die Gruppe kämpft seit Mitte 2009 für die Errichtung eines mittelalterlichen islamischen Kalifats in Nigeria und hat inzwischen weite Teile des Nordostens destabilisiert. Boko Haram ist die erste Extremistengruppe, die in Nigeria Selbstmordattentate verübte. Sie setzt auch Sprengfallen, Panzerfäuste oder Schusswaffen ein. Ziele sind Polizei, Militär, Regierungsvertreter, Märkte, christliche und muslimische Geistliche, Banken, Schulen und Mobilfunkmasten.

Boko Haram wurzelt im vernachlässigten Nordosten Nigerias, der im Gegensatz zum ölreichen Süden eine der ärmsten Regionen der Welt ist. Kindersterblichkeit, Analphabetenquote und Jugendarbeitslosigkeit sind hoch. Der Regierung wird vorgeworfen, zu wenig für die unterentwickelte Region zu tun, die sich vom relativ wohlhabenden, weitgehend von Christen bewohnten Süden betrogen fühlt. Die traditionellen Stützen der Wirtschaftzweige im Norden – Landwirtschaft und Textil – sind mit der Konzentration auf das Ölgeschäft zusammengebrochen.

Gegründet wurde Boko Haram 2002 von Muhammed Yussuf als streng salafistische Sekte. Seine Anhänger rekrutierte er unter arbeitslosen Jugendlichen mit wenig Aufstiegschancen. In ihren ersten Jahren lieferte sich die Gruppe nur Scharmützel mit den Sicherheitskräften. Nach dem Tod Yussufs im Polizeigewahrsam 2009 radikalisierte sich die Gruppe zusehends. Ihr neuer Anführer Abubakar Shekau war ein enger Verbündeter Yussufs und gilt als ideologischer Hardliner. Boko Haram unterhält Kontakte zur Al-Kaida im islamischen Maghreb, von der sie Waffen, Geld und Ausbildung erhalten haben soll.

Durch Anschläge und Gewalttaten von Boko Haram wurden seit 2009 Tausende Menschen getötet. Mehr als 250.000 Nigerianer sind wegen der Unruhen nach UN-Angaben im Land auf der Flucht, weitere 60.000 haben das Land verlassen. Etwa die Hälfte der rund 170 Millionen Nigerianer bekennt sich zum Islam, die andere Hälfte zum Christentum. Die Muslime leben vornehmlich im armen Norden, die Christen im Süden.

Eine typische Einheit der Islamistengruppe umfasse 300 bis 500 Kämpfer, sagt Jacob Zenn vom US-Terrorabwehr-Institut CTC Sentinel. Seine Prognose für die Zukunft ist düster: Die Gruppe erhalte immer mehr Zulauf und mehr Waffen, ihre Macht steige täglich, warnt er.

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