Italien und Frankreich: Banken mit Riesen-Problemen

Die Banken in Italien und Frankreich lechzen nach Hilfe durch die EZB: Viele Institute melden Verluste. Nach der EU-Wahl und vor dem EZB-Stresstest will Mario Draghi das Füllhorn öffnen. Damit sollten die Banken den Stresstest, der ebenfalls von der EZB durchgeführt wird, einigermaßen unbeschadet überstehen.

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Viele Banken, vor allem aus Italien und Frankreich, stecken noch immer in der Krise. Der Zeitpunkt ist ungünstig, denn die EZB wird den Banken in den kommenden Wochen in die Bücher schauen (mehr zu dem etwas dubiosen Procedere – hier).

Damit die Bankenaufsicht der EZB jedoch nicht vom Schlag getroffen wird, die die Abteilung Geldpolitik der EZB ab Juni die Geldschleusen erneut öffnen (mehr dazu hier).

Die Europäische Zentralbank wird damit ihr vorgebliches Ziel nicht erreichen: Draghi kann die schwache Kreditnachfrage deutscher Unternehmen nach Auffassung der Commerzbank auch mit einer weiteren Zinssenkung nicht ankurbeln. „Ob der Zinssatz der EZB jetzt noch einmal gesenkt wird, ist irrelevant für die deutsche Konjunktur“, sagte Commerzbank-Vorstandsmitglied Markus Beumer am Mittwoch in Frankfurt. Nach einer Umfrage der Bank unter mehr als 4000 mittelständischen Unternehmern begründen nur 17 Prozent davon ihre Investitionszurückhaltung mit Problemen bei der Finanzierung. „Für dieses Thema kriegen wir von der EZB keinen Schub“, sagte Beumer.

Für die Banken dagegen ist das Geld höchst willkommen. Denn nicht nur die Commerzbank muss zittern, ob sie den Stresstest besteht (mehr zur betrüblichen Lage der vom Steuerzahler geretteten Bank – hier).

Die schlechten Nachrichten, die uns aus Italien und Frankreich erreichen, lassen erkennen: Es ist – aus Sicht der südeuropäischen Banken – höchste Zeit, dass wieder frische Liquidität in die Märkte gepumpt wird.

Eine kleine Rundreise durch Europa sorgt für Ernüchterung.

Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi kommt nicht aus den roten Zahlen. Im ersten Quartal 2014 stieg der Nettoverlust auf 174 Millionen Euro, nachdem es im Jahr zuvor bereits ein Minus von 100 Millionen war, wie das traditionsreiche Institut aus der Toskana am Montag mitteilte. Es ist der achte Quartalsverlust in Folge. Er geht vor allem darauf zurück, dass die Vorsorge gegen faule Kredite trotz der wirtschaftlichen Erholung Italiens noch immer hoch ist.

Die drittgrößte Bank des Landes ist besonders hart von der Schuldenkrise getroffen worden. Außerdem hatte sich das Institut mit riskanten Derivate-Geschäften sowie Übernahmen verhoben. Der Staat musste die älteste Bank der Welt vor dem Kollaps bewahren (mehr zu MPS, bei der Mario Draghi in der Vergangenheit als Banken-Aufseher in Italien schon eine gewisse Rolle gespielt hat – hier).

Die größte italienische Bank UniCredit steigerte ihren Gewinn im ersten Quartal unterdessen um 59 Prozent auf 712 Millionen Euro. Die Mailänder profitierten davon, dass es erstmals seit 2008 wieder weniger faule Kredite gab.

Das italienische Geldhaus Banco Popolare hat im ersten Quartal deutlich mehr faule Kredite abschreiben müssen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum und ist dadurch in die roten Zahlen gerutscht. In den ersten drei Monaten sei ein Nettoverlust von 19 Millionen Euro angefallen, nach einem Gewinn von 91,9 Millionen Euro im Vorjahr, teilte die Bank am Dienstag mit. Die Nettoabschreibungen von Krediten schlugen den Angaben zufolge mit 328 Millionen Euro zu Buche, einem Plus von 43 Prozent.

Das Ergebnis der Banco Popolare steht damit im Gegensatz zu dem des größeren Rivalen Unicredit. Dieser hatte für das erste Quartal einen Rückgang der Abschreibungen um 28,5 Prozent verzeichnet. Die Banco Popolare ist gemessen an der Zahl der Geschäftsstellen die viertgrößte Bank in Italien.

Die belgisch-französische Bank Dexia hängt auch Jahre nach der Finanzkrise noch in den roten Zahlen fest. Für das erste Quartal 2014 wies der einst weltgrößte Staatsfinanzierer am Mittwoch ein Minus von 184 Millionen Euro aus. Auch 2014 wird es weiter rote Zahlen geben. Als Hauptgrund dafür wurden negative Derivate-Effekte genannt. Die Dexia musste vom französischen und belgischen Steuerzahler gerettet werden. Kurz davor bescheinigte ihr die Europäische Bankenaufsicht (EBA) beim ersten europäischen Stresstest, dass die Dexia eine grandiose Bank ist.

Der Korrespondent des Hessischen Rundfunks berichtete 2011:

Erst im Juli hatte die Dexia den europäischen Bankenstresstest mit Bravour bestanden. Sie gehörte weder zu den acht Banken, die sich bis zum 15. Oktober frisches Kapital besorgen sollen, noch zu den 16 Instituten, denen mehr Zeit dafür eingeräumt wurde. Bei der Dexia war nach Ansicht der Europäischen Bankenaufsicht einfach alles in Ordnung. Wenn man davon ausgeht, dass alle anderen Banken mit der gleichen Seriosität geprüft wurden, dann können wir wahrscheinlich nur beten.

Es ist ein schwacher Trost, dass in diesem Jahr der Stresstest von der US-Gruppe Oliver Wymann durchgeführt wird: Diese Beraterfirma hatte vor einigen Jahren die Anglo-Irish Bank zur weltweiten Sieger im Bereich Performance gekürt. Wenig später war die Bank pleite. Die irischen Steuerzahler mussten für den Schaden aufkommen, wie Michael Lewis für Vanity Fair beschreibt.

Oliver Wyman hat das peinliche Ranking (Shareholder Performance Hall of Fame) übrigens diskret von seiner Website entfernt, Alphaville von der FT hat es für die Nachwelt bewahrt.

Der Ukraine-Konflikt kommt die französische Großbank Société Generale (SocGen) teuer zu stehen. Die Nummer zwei des Landes schrieb am Mittwoch 525 Millionen Euro auf den Firmenwert des Russland-Geschäfts ab, wie das Institut mitteilte. Der Westen hat Sanktionen gegen Russland verhängt wegen dessen Vorgehens in der Ukraine.

SocGen begründete den Schritt mit den Unsicherheiten in Russland und der Talfahrt des Rubel. Eine zufriedenstellende Rendite werde das Russland-Geschäft erst 2016 abwerfen, betonten die Franzosen. Wegen der Abschreibung fiel der Nettogewinn im ersten Quartal um 13 Prozent auf 315 Millionen Euro, obwohl sich die Einnahmen um 14 Prozent erhöhten.

Besser lief es bei der Nummer drei in Frankreich, der Crédit Agricole. Hier kletterte der Quartalsgewinn um knapp 30 Prozent auf 868 Millionen Euro. Das genossenschaftliche Institut profitierte dabei von Kostensenkungen und Fortschritten in Italien. Zahlreiche Übernahmen im Ausland hatten Credit Agricole große Probleme eingebracht. Jetzt will sich das Geldhaus wieder auf Privatkunden im Heimatmarkt konzentrieren.

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