SAP steht vor massivem Konzernumbau

Der Software-Konzern SAP plant eine grundlegende Transformation seines Geschäftsmodells. Das Unternehmen wird sich zukünftig mehr auf das Cloud-Geschäft konzentrieren. Die Veränderungen haben den Abbau von bis zu 2.500 Jobs zur Folge.

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Der Umstieg auf das neue Cloud-Geschäftsmodell bedeutet für den Softwarekonzern SAP nach den Worten seines künftigen Finanzchefs Luka Mucic die größte Transformation der Unternehmensgeschichte. „Um mit dem neuen Geschäftsmodell als Cloud-Unternehmen erfolgreich zu sein, brauchen wir eine deutliche Vereinfachung in vielen unserer Prozesse“, sagte Mucic in einem Interview mit der Börsen-Zeitung. Die geplanten Veränderungen bedeuten für Europas größte Softwareschmiede einen Stellenabbau von 1500 bis 2500 Jobs, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstagabend erfuhr.

Das seit einigen Jahren stark wachsende Cloud-Geschäft ermöglicht den Kunden, Software oder Speicherkapazitäten gegen Gebühr über das Internet zu mieten. Statt bei sich Programme fest zu installieren oder Server aufzustellen, nutzen Firmen Rechnerkapazitäten, die IT-Konzerne wie SAP vorhalten. Das führt nicht nur zu einer grundlegenden Umstellung des Bezahlsystems – denn statt einer einmaligen hohen Lizenzgebühr bezahlen die Kunden vergleichsweise niedrige Entgelte über mehrere Jahre – sondern verändert auch den Personalbedarf. Der Weltmarktführer für betriebswirtschaftliche Software muss weniger Berater zu den Kunden vor Ort schicken, aber braucht mehr Leute in Rechenzentren, die Support oder Updates aus der Ferne liefern.

Unter dem Motto „Vereinfachen und Optimieren“ hat Vorstandschef Bill McDermott, der den Konzern nach dem Wechsel seines Co-Chefs Jim Hagemann Snabe in den Aufsichtsrat Ende dieses Monats alleine führen wird, eine Umstrukturierung eingeleitet. So sollen Standorte mit nur wenigen Mitarbeitern geschlossen oder mit anderen zusammengelegt werden. Auch lieb gewordene, aber unnötige Projekte – so genannte „pet projects“ – will der Amerikaner beenden. „Es wird dazu führen, dass 1500 bis 2500 Stellen abgebaut werden“, sagte ein Insider Reuters. „Eine genaue Zahl steht noch nicht fest. Zurzeit wird noch geprüft, wo es Doppelarbeit gibt oder wo Stellen überflüssig sind.“ Betroffen seien alle Regionen weltweit und alle Arbeitsfelder. Zugleich seien für dieses Jahr aber rund 3000 neue Stellen geplant, so dass unter dem Strich die Belegschaft weiter wachse. Näheres dazu kann McDermott auf der Hauptversammlung am Mittwoch erläutern.

Als Joker im Ringen um die Marktführerschaft in der Cloud, um die SAP mit den US-Rivalen Salesforce und Oracle kämpft, betrachten die Walldorfer ihre Datenbanktechnologie Hana. Mit dieser können riesige Datenmengen in kürzester Zeit verarbeitet werden. Die treibende Kraft hinter Hana, Innovationsvorstand Vishal Sikka, hatte Anfang Mai überraschend SAP verlassen. Zum Nachfolger wurde umgehend Bernd Leukert berufen, enger Mitarbeiter von Sikka und Mitglied des erweiterten Vorstands. Während Sikka als genialer Visionär galt, bezeichnet Leukert sich selbst als Pragmatiker mit großer Kundennähe. Leukert könne ohne weiteres in die Fußstapfen von Sikka treten, sagte Mucic der Zeitung. Innovationen würden außerdem von einem starken Führungsteam in der Entwicklung getragen.

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