Juncker trifft Helmut Kohl: Gute Nacht, Europa!

Der christdemokratische Frontmann Jean-Claude Juncker nützt den EU-Wahlkampf, um auf Kosten der Steuerzahler einige alte Freunde in Europa besuchen. Um bei seinem Auftauchen in Helmut Kohls Bungalow den Anschein eines politischen Treffens zu wahren, enthüllten Juncker und Kohl nach dem Treffen eine Sensation: „Es geht um viel. Es geht um Europas Zukunft. Und weil wir Europa sind, geht es um unser aller Zukunft.“

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Der Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei bei der Europawahl, Jean-Claude Juncker, hat am Freitag auf seiner Wahlkampftour Station in Ludwigshafen gemacht, für einen Besuch bei Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl.

Dabei kam es zu einer skurrilen Vorstellung (siehe Video).

Die Bild-Zeitung, deren Chefredakteur der Trauzeuge von Helmut Kohl ist, berichtet über das Rahmenprogramm: „Kohl empfing Juncker an der Haustür, beide umarmten sich. Danach haben die Politiker eine Stunde miteinander gesprochen.“ Die Bild-Zeitung erinnert ihre Leser, dass die Steuerzahler auch dieses Gipfeltreffen finanziert haben: „Der Luxemburger war in einem blauen Bus vor Kohls Bungalow vorgefahren. Auf der Front des Fahrzeugs prangte in weißen Lettern sein Name – Wahlkampf für Europa.“

Kohl und Juncker gaben nach dem Treffen eine gemeinsame Erklärung ab, die an Tiefsinn, Scharfsinn und Weitsicht alle bisherigen Erklärungen zur EU-Wahl in den Schatten stellt:

„Europa steht vor großen Herausforderungen. Jetzt ist erst einmal wichtig, dass viele Menschen in der Europäischen Union am nächsten Sonntag, den 25. Mai, zur Wahl gehen. Wichtig ist auch, dass sich die Menschen genau überlegen, wem sie ihre Stimme geben. Denn bei der Europawahl werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Es geht um viel. Es geht um Europas Zukunft. Und weil wir Europa sind, geht es um unser aller Zukunft. Es kommt jetzt darauf an, Verantwortung zu zeigen.“

Man habe über viele Themen gesprochen, sagte Juncker im Anschluss. Etwa die Lage in der Ukraine und die Beziehungen zu Russland. Aber auch über gemeinsame Zeiten in Europa: „Ich erinnere mich daran, dass Helmut Kohl immer, wenn es darauf ankam, wusste, dass man manchmal auch, wenn man Zweifel hat, die nationale Karte nicht spielen darf, sondern die europäische Karte auf den Tisch legen muss, weil im Endeffekt derjenige, der die europäische Karte spielt, seinem Land die größten Dienste leistet und dann auch die größten Verdienste hat.“ (mehr zu den Hintergründen hier)

Kohl hatte dies vor einigen Jahre etwas weniger poetisch ausgedrückt: „Aber ich wusste, dass ich die Abstimmung nie gewinnen kann in Deutschland. Eine Volksabstimmung über die Einführung des Euro hätten wir verloren. Das ist ganz klar. Ich hätte sie verloren. Eine Volksabstimmung hätte ich natürlich verloren, und zwar im Verhältnis 7 zu 3.“ Kohl sagte, er habe deshalb bei der Einführung des Euro bewusst als Diktator gehandelt.

Kohl pries die herausragenden Fähigkeiten Junckers und beruhigte die Europäer: Es gibt keinen besseren Mann. Er ist ein Mann, der in jeder Phase weiß, was zu tun ist. Europa ist in keiner guten Verfassung, das brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Aber ich bin ganz sicher, wenn er es wird, wie er ist, dann schlafen Sie ruhig.

Das dürfte wiederum mit Junckers Politik-Verständnis zusammenhängen: Bei einer Veranstaltung in Brüssel sagte Juncker vor einigen Jahren: „Ich bin für geheime Verhandlungen in dunklen Räumen.“ Wenige Jahre zuvor hatte Juncker gesagt, wenn es ernst werde, müsse man als Politiker lügen (mehr hier).

Wenn die EU also einen Kommissionspräsidenten bekommt, der am liebsten in dunklen Räumen lügt, dann muss man Kohl recht geben. Dann heißt es: Gute Nacht, Europa!

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