Türkei: Regierung riegelt Bergbaustadt Soma ab

Die türkische Regierung hat die Bergbaustadt Soma mit hunderten von Polizisten abgeriegelt. Nach dem Grubenunglück mit 300 Toten gibt es in der ganzen Türkei massive Proteste gegen Regierungschef Erdogan. In Izmir und Istanbuls kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten.

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Die türkische Polizei hat am Samstag die Bergarbeiterstadt Soma vier Tage nach dem verheerenden Minenunglück mit insgesamt 301 Toten zur Unterdrückung wütender Proteste abgeriegelt. Hunderte von Polizisten patrouillierten nach dem Ende der Bergungsarbeiten in den Straßen, während andere an der Zufahrtstraße Ausweise kontrollierten. Der Nachrichtenagentur Dogan zufolge wurden 36 Menschen verhaftet. Darunter seien acht Anwälte, die verdächtigt worden seien, an neuen Protesten teilnehmen zu wollen. Der Lokalgouverneur hatte wegen der Ausschreitungen am Vortag ein Demonstrationsverbot verhängt.

Zuvor waren die Leichen der beiden letzten noch vermissten Arbeiter über Tage gebracht worden, wie Energieminister Taner Yildiz mitteilte. Damit stieg die Zahl der Todesopfer bei dem schwersten Bergwerk-Unglück in der Geschichte des Landes auf 301. Derzeit gebe es keine weiteren Vermisstenmeldungen von Angehörigen, sagte Yildiz. Sollte sich dies nicht ändern, dann seien die Bergungsarbeiten abgeschlossen. Dennoch würden die Rettungskräfte noch einmal durch die Grube gehen, um endgültig Klarheit zu haben. Ein Feuer hatte am Samstag zunächst die Bergungsarbeiten behindert.

In Soma war die Polizei am Freitag mit Tränengas gegen mehrere Tausend Demonstranten vorgegangen. Diese gaben dem Bergwerg-Betreiber und der Regierung eine Mitschuld an dem Unglück und warfen ihnen vor, Profitinteressen über die Sicherheit der Bergleute gestellt zu haben. In Izmir kam es in der Nacht auf Samstag ebenfalls zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei, rund 40 Personen wurden nach Medienberichten festgenommen. Auch in Istanbul demonstrierten Regierungsgegner.

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