Metro will trotz Krise weiter in Russland expandieren

Für den Metro-Konzern bleibt der russische Markt im Fokus: Trotz der Warnungen der US-Regierungen lässt sich der Konzern nicht in seiner Geschäftspolitik beirren.

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Trotz der Spannungen zwischen dem Westen und Russland denkt der Einzelhandelskonzern Metro über einen Ausbau seiner dortigen Aktivitäten nach. Das Geschäftsklima in Russland sei immer noch gut, sagte Vorstandschef Olaf Koch der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg. „Nachfrage und Konsum sind stabil, es gibt für Unternehmen auch Möglichkeiten für Wachstum. Deshalb bleiben wir präsent und engagiert und überlegen sogar einen Ausbau unseres Engagements“, fügte er hinzu. Aber natürlich beobachte Metro auch mit Sorge die künftigen Entwicklungen in seinem wichtigsten Auslandsmarkt.

Koch nimmt als einziger Chef eines deutschen Großkonzerns an dem russischen Wirtschaftsforum teil. Einige Firmenlenker – etwa E.ON -Chef Johannes Teyssen – hatten ihre Flüge nach St. Petersburg storniert. Die USA hatten eine Teilnahme westlicher Wirtschaftsvertreter an der Veranstaltung als unangemessen bezeichnet. In einer vertraulichen E-Mail, in die Reuters Einblick nehmen konnte, wies die russische Regierung einheimische staatliche Medien an, das Fehlen westlicher Firmenchefs nicht zum Thema zu machen, sondern auf die wachsende Zahl asiatischer Investoren hinzuweisen.

Hintergrund ist das umstrittene russische Vorgehen in der Ukraine-Krise und der völkerrechtlich nicht anerkannte Griff nach der Halbinsel Krim. Der Westen wirft Russland vor, die ehemalige Sowjetrepublik destabilisieren zu wollen und droht mit Wirtschaftssanktionen. Die Regierung in Moskau weist die Vorwürfe zurück. Präsident Wladimir Putin hieß die Teilnehmer des Wirtschaftsforums am Donnerstag per Telegramm willkommen: „Russland ist bereit, die vielfältigen Kontakte zu allen Partnern zu vertiefen, aber auf der Basis von echter Gleichheit und Respekt für die gegenseitigen Interessen“, schrieb er. Am Freitag will er persönlich auf der Konferenz erscheinen.

Die deutsche Wirtschaft sorgt sich um ihre Geschäfte in Russland, falls es in dem Konflikt tatsächlich zu Sanktionen kommt. Industriepräsident Ulrich Grillo warnte davor, den Gesprächsfaden mit Russland abreißen zu lassen. Auch eine Metro-Sprecherin betonte, Konzernchef Koch wolle mit seiner Teilnahme vor allem den Dialog aufrecht erhalten. Außerdem biete die Konferenz die Möglichkeit, verschiedene Geschäftspartner und Wirtschaftsvertreter treffen zu können.

Russland ist für Metro mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

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