Nigel Farage: Der größte EU-Gegner bedient sich aus den EU-Töpfen

Der populärste Kritiker der EU, der Brite Nigel Farage, ist keinen Deut besser als die von ihm kritisierten etablierten Politiker. Nach einer umstrittenen Zweitrente von der EU kommt nun heraus: Farage beschäftigt seine Frau als Sekretärin, bezahlt aus EU-Steuertöpfen – die er abschaffen will. Mehr Heuchelei geht nicht.

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Der britische Ukip-Chef Nigel Farage, verbal die Gallionsfigur der Euro-Skeptiker, bedient sich genauso unverschämt aus den Töpfen der europäischen Steuerzahler wie jene Politiker, die Farage publikumswirksam attackiert.

Die jüngste Enthüllung betrifft Farages Ehefrau: Die gebürtige Deutsche arbeitet als seine Sekretärin und bezieht daher ein Gehalt aus EU-Geldern. Farage, der von der BBC dazu sehr eindringlich befragt wurde, enttarnte sich bei dem Interview (siehe Video am Anfang des Artikels) als ein Politiker, der genauso stumpfsinnig argumentiert wie jene, die ihn kritisieren. Sobald es um die eigenen Privilegien geht (mehr zum Gesamtbild des Irrsinns – hier), flüchten sich alle Politiker in dieselben hohlen Phrasen: Farage sagte dem BBC-Reporter, dass er es ungerecht finde, dass man ausgerechnet ihn herausgesucht habe – jeder vierte Abgeordnete des britischen Unterhauses betreibe schließlich Nepotismus.

In der europäischen Politik ist es also schon zum Normalfall geworden, seine Familienangehörigen von Steuergeldern zu versorgen. Im Falle von Farage ist die Angelegenheit doppelt peinlich: Der Ukip-Chef tourt durch Großbritannien und wettert gegen die EU. Wegen ihr würden der normalen britischen Familie die Jobs weggenommen – von EU-Ausländern. In dieser Debatte versteigt sich Farage auch in rassistischen Klischees: Erst neulich sagte er, dass er jeden Briten verstehen könne, der unangenehmen Gefühle entwickle, wenn ein Rumäne in sein Haus ziehe.

Dass ausgerechnet dieser Politiker seine deutsche Frau mit einem steuerfinanzierten Posten versorgt, führt zwangsläufig zu der Frage, ob es denn keine Briten gäbe, die die Arbeit verrichten könnten – also genau das, was Farage fordert. Auf die entsprechende Frage des BBC-Reporters Nick Robinson reagiert Farage wie ein ertappter Taschendieb. Er sagt, es gäbe niemanden, der ihn heiraten würde.

Ein schlecht Scherz – für den der Steuerzahler bezahlen muss.

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Farage an einem illegalen Pensions-Schema des EU-Parlaments teilnimmt: Der Pensionsfonds wird zum großen Teil aus Steuergeldern finanziert. Der europäische Rechnungshof hält die Konstruktion für rechtswidrig. Die Parlamentarier haben sich darüber hinweggesetzt und sagen einfach, dass sie eine andere Rechtsauffassung vertreten. Dadurch erhalten die EU-Abgeordneten rund 50.000 Euro extra pro Jahr, sobald sie in den Ruhestand gehen – zusätzlich zu ihrer offiziellen Rente. Der Fonds machte im Zuge der Finanzkrise etwa 230 Millionen Euro Verlust mit dubiosen Finanzgeschäften. Der europäische Steuerzahler musste das Millionenloch füllen, damit die Zweitpensionen der EU-Beamten gesichert waren.

Etwa 80 Prozent der EU-Abgeordneten aus Großbritannien nehmen an dem Pensionsfonds teil. Sollte Farage in den Europawahlen wieder ins Parlament gewählt werden – und das steht praktisch fest – steht ihm ab 2019 eine kombinierte Pension von 86.000 Euro pro Jahr zu.

Angesprochen auf die Heuchelei, dass EU-System als verkommen zu bezeichnen und selbst sogar bei den illegalen Aktivitäten des Systems mitzumachen, sagte Farage: „Es ist kein System, das ich verteidige, aber es ist das System“, zitiert der Telegraph den UKIP-Politiker. „Die Zahlungen sollten gekürzt werden, aber ich bezweifle, dass es dazu kommt.“

Und er hofft es auch nicht: Denn auch die Euro-Skeptiker sind im Kern Politiker, die keine wirkliche Veränderung in Europa wollen. Die Parteien leben von den Steuergeldern. Das bedeutet konkret: Die Parteipolitiker sind die Nutznießer eines Systems, das keiner verändern will.

In einem Punkt herrscht volle Übereinstimmung zwischen den Euro-Fanatikern und den Euro-Skeptikern: Für ihren Lebensunterhalt – und, wie im Fall von Farage, auch für den Lebensunterhalt der Angehörigen – kann der freie Markt nicht sorgen. Die meisten Politiker sind für das reale Leben unbrauchbar. Was sie jedoch alle perfektioniert haben, ist der schamlose Griff in die Taschen der Steuerzahler.

Nicht die „EU“ oder gar „Europa“ macht die Bürger wütend, wie Frank-Walter Steinmeier in völliger Verkennung der Zusammenhänge gebrüllt hat (hier).
Die Bürger fordern immer lauter, dass dieses System der kleinen und der großen Korruption und Gesinnungslosigkeit endlich zerschlagen wird – auf EU-Ebene und auf nationaler Ebene.

Die EU-Wahl am Sonntag ist eine Farce – gar nicht so sehr deswegen, weil das EU-Parlament wenig zu bestellen hat. Die Wahl ist in erster Linie ein Betrug, weil die Parteien – Euro-Fanatiker wie Euro-Skeptiker – nicht im Schlaf daran denken, das System zu verbessern.

Die Profiteure des Systems wollen profitieren.

Dazu werden die europäischen Steuerzahler ausgepresst: Sie müssen bluten, bis die letzte illegale Zweitrente ausbezahlt wurde.

Nach uns die Sintflut.
Dieses System ist undemokratisch.
Es hat keine Zukunft in Europa.

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