Putin: Palast am Schwarzen Meer aus Steuergeldern

Der russische Präsident Wladimir Putin soll sich einen Palast am Schwarzen Meer aus Steuermitteln gebaut haben. Putin soll an das Geld über abenteuerliche Abrechungstricks seiner Vertrauten gelangt sein. Über die Schweiz und Liechtenstein soll das Geld schließlich nach Russland zurückgekehrt sein. Ein italienischer Star-Architekt ist auch an Bord.

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Ein angeblich für den russischen Präsidenten Wladimir Putin gebauter Palast am Schwarzen Meer ist nach Erkenntnissen der Nachrichtenagentur Reuters mit russischen Steuergeldern aus einem Projekt für die Modernisierung von Krankenhäusern gebaut worden. Die Existenz des luxuriösen Anwesens in der Nähe von Sotschi und Vorwürfe über dessen Finanzierung waren bereits bekannt. Erstmals hat Reuters nun aber den Weg der Gelder nachvollziehen können.

Laut Banküberweisungen und Zoll-Dokumenten haben zwei Vertraute Putins von staatlichen Verträgen im Volumen von 200 Millionen Dollar profitiert. Nikolai Schamalow and Dmitri Gorelow besaßen eine Firma, die medizinische Geräte an ein von Putin initiiertes und vom russischen Staat finanziertes Projekt zur Modernisierung von Krankenhäusern lieferte – allerdings zu stark überhöhten Preisen, wie einige Medizinexperten sagten.

Schamalow und Gorelow haben dann einen Teil des Extragewinns auf Schweizer Bankkonten überwiesen, wie aus entsprechenden Dokumenten hervorgeht. Von dort ging das Geld nach Liechtenstein auf ein Konto, das mit dem als „Putins Palast“ bekannten Bauprojekt in Verbindung steht.

Sergej Kolesnikow, ein früherer Geschäftspartner von Schamalow und Gorelow, sagte bereits 2010, das Anwesen sei im Auftrag Putins gebaut worden. Das Präsidialamt bestritt indes, dass Putin eine Verbindung zu der Immobilie habe.

Der Weg des Geldes wurde bei Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters über die Verwendung von Steuergeldern durch den russischen Staat deutlich. In dem 2005 von Putin ins Leben gerufenen, eine Milliarde Dollar teuren Gesundheitsprojekt agierten Schamalow und Gorelow als Vermittler, wie aus den Reuters vorliegenden Dokumenten ersichtlich ist. Es gibt Hinweise, dass sie eine Firma in Großbritannien namens Greathill besaßen, die hochmoderne medizinische Geräte vor allem von Siemens einkaufte. Diese Technik verkaufte sie mit Gewinn an den russischen Staat.

Schamalow, ein früherer hochrangiger Siemens-Verkäufer in Russland, äußerte sich auf Fragen dazu nicht. Ein Siemens-Sprecher erklärte, dem Unternehmen sei nichts über Schamalows Beziehung zu Greathill bekannt. Gorelow sagte, die Importgeschäfte seien transparent gewesen. Greathill habe Anlagen an Russland zu Preisen verkauft, die von staatlichen Experten akzeptiert worden seien.

Bankunterlagen weisen darauf hin, dass Greathill nach 2006 56 Millionen Dollar auf Konten in der Schweiz überwiesen hat. Zu der Zeit hatte Russland begonnen, den Plan zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung umzusetzen. Die Schweizer Konten gehörten den Dokumenten zufolge einer Firma namens Lanaval. Weiter geht aus Bankunterlagen hervor, dass Lanaval später 48 Millionen Dollar auf ein Konto in Liechtenstein transferiert hat, das der Firma Medea Investment gehört. Dieses Unternehmen ist in Washington DC registriert. Medea Investment wird von dem italienischen Architekten Lanfranco Cirillo kontrolliert, der Kolesnikow zufolge das Anwesen am Schwarzen Meer entworfen hat.

Cirillo ließ über seinen Anwalt erklären, er sei für die Arbeit an der Immobilie wegen seiner Erfahrungen und professionellen Fähigkeiten ausgewählt worden. Auf Fragen nach der Finanzierung des Objekts und nach Zahlungen an Medea antwortete er nicht. Ein Sprecher Putins reagierte nicht auf Fragen zu den Vorwürfen Kolesnikows und die Erkenntnisse von Reuters. Das Präsidialamt hatte bereits früher Kolesnikow als gekränkten Mann bezeichnet, der das Land wegen geschäftlicher Streitigkeiten verlassen habe.

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