Köln: Zehntausende protestieren gegen Erdoğan

In Köln ist es zu einer Massendemonstration gegen den Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan gekommen. SPD und CDU sprachen sich gegen den Auftritt Erdoğans aus.

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In Köln haben am Samstag zehntausende Menschen gegen den Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan demonstriert. Während die Organisatoren am frühen Nachmittag von über 60.000 Teilnehmern sprachen, erklärte ein Polizeisprecher, die Zahl liege eher bei den ursprünglich angekündigten 30.000 Demonstranten. Zu Erdoğans Rede in einer Kölner Sportarena wurden ebenfalls bis zu 30.000 Teilnehmer erwartet. Zu Zusammenstößen kam es nach Polizeiangaben vorerst nicht.

Ein Leser schreibt den DWN: „Es sind definitiv große Straßenschlachten zu befürchten. In Köln herrscht Ausnahmezustand, völliges Verkehrschaos und Hubschrauber kreisen seit heute morgen rund um das Areal. Die Stimmung ist sehr angespannt.“

In der deutsch-türkischen Community hat unterdessen ein Video für Verärgerung gesorgt. Das satirisch gemeinte Video ist geeignet, von Deutsch-Türken als beleidigend empfunden zu werden, wie junge Deutsch-Türken den Deutschen Wirtschafts Nachrichten sagten (mehr dazu hier).

Politiker von Union und SPD kritisierten den geplanten Auftritt von Erdoğan. Grundsätzlich sei es zwar kein Problem, wenn ausländische Politiker Wahlkampf in Deutschland machten, sagte der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters dem WDR. Jedoch sollten sie dabei immer die aktuelle Situation im Auge behalten. Erdoğans Auftritt sei „schon eine gewisse Provokation nach dem schweren Grubenunglück und vor dem Hintergrund von gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Türkei“, erklärte der SPD-Politiker.

Die Demo gegen Erdogan hatte auch heitere Elemente zu bieten, wie dieses Double von Conchita Wurst. (Foto: via Twitter)

Die Demo gegen Erdogan hatte auch heitere Elemente zu bieten, wie dieses Double von Conchita Wurst. (Foto: via Twitter)

Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende im Bundestag Thomas Strobl. „Es wäre besser gewesen, wenn Herr Erdoğan im Vorfeld erkannt hätte, dass er im Moment in der Türkei wichtigere Aufgaben hat als einen Wahlkampfauftritt in Köln“, sagte der CDU-Politiker. Zuvor hatte bereits Kanzlerin Angela Merkel Erdoğan zu Zurückhaltung gemahnt.

Erdoğan soll am späten Nachmittag in Köln vor rund 30.000 Anhängern eine Rede halten. Hintergrund ist das zehnjährige Gründungsjubiläum der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die Erdoğans Regierungspartei AKP unterstützt. Ein Sprecher der Polizei sagte, die Einsatzkräfte seien mit einem Großaufgebot vertreten. Oberbürgermeister Roters hatte im Vorfeld die Sorge geäußert, dass es dabei zu Zusammenstößen kommen könnte. Der Besuch von Erdoğan wecke Emotionen, die sich auch gewalttätig äußern könnten.

Erdoğan ist zuletzt wegen des verheerenden Grubenunglücks im türkischen Soma in die Kritik geraten, bei dem mehr als 300 Bergleute starben. Ihm wird vorgeworfen, die Katastrophe verharmlost zu haben und für laxe Sicherheitsstandards mitverantwortlich zu sein. Für Unmut in der Bevölkerung sorgen auch Korruptionsskandale rund um die Familie Erdoğan, das gewaltsame Vorgehen gegen Proteste im vergangenen Sommer und die vorübergehende Sperre des Internetdienstes Twitter.

In der Türkei finden am 10. August Präsidentenwahl statt. Nach einer Wahlrechtsänderung dürfen erstmals auch im Ausland lebende Türken ihre Stimme abgeben. In Deutschland leben etwa drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln, knapp die Hälfte von ihnen ist bei der Präsidentenwahl stimmberechtigt. Erdoğan hat eine Kandidatur bislang noch nicht offiziell erklärt. Im vergangenen Monat sprach sich aber die Parlamentsfraktion der AKP mit großer Mehrheit für seine Kandidatur bei der ersten Direktwahl des Präsidenten aus.

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