Hollande kneift und verweigert Stellungnahme zu Wahl-Debakel

Der französische Präsident Francois Hollande gerät immer mehr unter Druck: Die Sozialisten sind nach der Wahl-Schlappe vom Sonntag in einen Überlebenskampf gestoßen. Hollande will offenbar mir den EU-Regierungschefs beraten, was er tun soll.

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Francois Hollande hatte für heute Morgen eine Krisensitzung einberufen, mit den engsten Vertrauten (hier). Es muss eine triste Veranstaltung gewesen sein (hier).

Um 13 Uhr ließ der Präsident einen Vertrauten dem Figaro mitteilen, dass er noch immer über einer Entscheidung brüte.

Bis um 18 Uhr war nichts mehr von Hollande zu hören.

Umso deutlicher wurden dagegen seine politischen Gegner. Denn auch seine Feinde von der UMP fürchten nun um ihre eigene Zukunft. Den meisten ist völlig klar, dass es nicht weitergehen gehen könne. Am meisten fürchten die etablierten Parteien Neuwahlen, wie von Marine Le Pen gefordert (hier).

Doch noch wird nicht der Präsident selbst attackiert – sondern seine besten Leute: Die ehemalige Justizministerin Rachida Dati (UMP), in einem der zahllosen Diadochenkämpfe aus dem Amt entfernt, gab Premier Manuel Valls die Hauptschuld an dem Debakel. Sie sagte, dass er als Innenminister gerade „das Drehbuch für den Front National“ geschrieben habe. Unter seiner Ägide sei die Kriminalität wegen der ständig steigenden Zuwanderung explodiert: „Dadurch haben sich alle französischen Werte aufgelöst“, sagte Dati. Solche Sprüche waren während des Wahlkampfs vor allem von Marine Le Pen gekommen, die dafür des Extremismus geziehen wurden. Die Wutrede von Dati zeigt, dass die Niederlage den Sozialisten an die Substanz geht – in jeder Hinsicht.

Sie verlangte, dass Valls die Konsequenzen für das Debakel übernehme.

Hollande selbst will sich erst mit den EU-Regierungschefs treffen. Solche Treffen sind für Dienstag in Brüssel geplant.

Bis dahin dürfte sich der „vor den Augen Europas gedemütigte Präsident“ (Le Figaro) hinter den schwarzen Vorhängen des Élisée-Palasts verschanzen, seine Wunden lecken, und sich auf die Suche nach einem Schuldigen machen.

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