Banken danken: Schuldenmachen für Euro-Staaten leicht gemacht

Die Erwartung, die EZB werde alles weitere tun, um den Euro zu retten, hat die Banken animiert, wieder massiv in Staatsanleihen zu gehen. Die Papiere wurden als risikolos eingestuft und können daher für den bevorstehenden Stresstest als Sicherheiten verwendet werden. Eine Hand wäscht die andere.

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Die Aussicht auf eine deutliche Lockerung der EZB-Geldpolitik hat am Mittwoch auch am Rentenmarkt tiefe Spuren hinterlassen. Europaweit zogen die Kurse deutlich an, so dass die Renditen auf Talfahrt gingen. Sowohl die deutschen Bundesanleihen als auch die Staatspapiere Italiens, Spaniens, Frankreichs und Portugals waren gefragt. Der Bund-Future stieg um 68 Ticks auf 147,08 Punkte, die Future auf die französischen und italienischen Staatsanleihen zogen ebenfalls um jeweils mehr als einen halben Punkt an. Selbst der US-Rentenmarkt konnte sich der Entwicklung nicht entziehen: Die Kurse der US-Treasuries folgten den Bundesanleihen steil nach oben.

Die zehnjährigen Bundesanleihen warfen am Nachmittag nur noch 1,285 Prozent Zinsen ab, nach 1,339 Prozent am Vorabend. Die entsprechenden US-Treasuries rentierten mit 2,44 Prozent ebenfalls deutlich niedriger als noch am Vorabend mit 2,52 Prozent. „Deutschland macht derzeit den Ton zur Musik, und wir reagieren nur“, erklärte David Keeble, Rentenstratege bei der Credit Agricole in New York. „Da ist nichts amerikanisches an dieser Rally.“

Tatsächlich stehen in den USA angesichts der Konjunkturerholung die Zeichen eher auf eine Zinserhöhung denn auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik wie in der Euro-Zone. Hierzulande gehen die meisten Börsianer davon aus, dass die EZB bei ihrer nächsten Sitzung am 5. Juni die Zinsen senken und weitere Lockerungsmaßnahmen beschließen wird.

Die südeuropäischen Anleihen waren ebenfalls gesucht, allen voran die Bonds Portugals. Die Rendite der zehnjährigen Anleihen ging auf 3,571 von 3,701 Prozent zurück. Auch die italienischen und spanischen Pendants waren gefragt, die Rendite der spanischen Bonds sackte sogar auf ein Rekordtief von 2,802 von 2,894 Prozent ab.

Als Auslöser der Käufe machten Händler neben neuen Aussagen von EZB-Vertretern zur Entschlossenheit der Notenbank zum Kampf gegen die Deflation deutsche Konjunkturdaten aus. So war die Zahl der Arbeitslosen im Mai bereinigt überraschend gestiegen.

Der ganze Zauber ist natürlich auch darauf zurückzuführen, dass der Stresstest der EZB eher harmlos ausfallen wird (hier).

IWF-Chefin Christine Lagarde hatte dagegen gewarnt, dass die internationalen Großbanken keinerlei Reformen durchführen, sondern sich auf die Rettung durch den Steuerzahler verlassen. Man kann davon ausgehen, dass sie als Französin nicht nur die US-Banken gemeint hat (hier).

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