IWF-Lagarde warnt: Großbanken verweigern Reformen

IWF-Chefin Christine Lagarde attackiert die Großbanken: Sie führen die geforderten Reformen nicht durch, weil sie wissen, dass sie im Zweifel vom Steuerzahler gerettet werden.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Der IWF schlägt Alarm wegen mangelnder Fortschritte bei der Reform des Bankensektors weltweit. „Die schlechte Nachricht ist, dass es zu langsame Fortschritte gibt und die Ziellinie noch weit weg ist“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde am Dienstag auf einer Konferenz in London. Die Aufgabe sei zwar komplex. Sie werde aber zusätzlich durch heftigen Gegenwind aus der Bankenlobby erschwert. Besonders starken Nachholbedarf gebe es bei der Lösung des Problems, dass Banken wegen ihrer schieren Größe nicht pleitegehen und auf Staatshilfe vertrauen könnten. „Da klafft eine Riesenlücke“, sagte Lagarde einem Reuters-Bericht zufolge.

Das bedeutet. Die großen Banken, die mit Staatsgarantien im Hintergrund agieren, denken nicht an Reformen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass systemrelevante Großbanken diese staatlich gewährte Überlebensgarantie erhebliche Finanzierungsvorteile beschert, da sie Zinskosten sparen. Der geldwerte Vorteil im Vergleich zu kleineren Instituten wird in den USA auf bis zu 70 Milliarden Dollar und in der Euro-Zone auf maximal 300 Milliarden Dollar taxiert. Der Chef des von der Industrie- und Schwellenländergruppe (G20) beauftragten Financial Stability Board (FSB) prüft, ob jede der als global systemrelevant eingestuften Banken (G-SIB) im Notfall abgewickelt werden könnte. Aus Deutschland gehört nur die Deutsche Bank zu dieser Gruppe der Schwergewichte. FSB-Chef Mark Carney möchte das Problem der Unverwundbarkeit von Banken „bis Weihnachten“ gelöst sehen, doch hakt es bei der Umsetzung speziell in Europa und Asien.

Marode systemrelevante Großbanken sollen in Europa künftig in erster Linie auf Kosten ihrer Eigner und Gläubiger und nicht mehr länger nur vom Steuerzahler gerettet werden. Damit will Europa die Lehre aus der Finanzkrise 2007 bis 2009 ziehen, in der die Staaten große Geldinstitute immer wieder mit Steuergeld retten mussten.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***


media-fastclick media-fastclick