EU-Präsident Van Rompuy beim Karlspreis: „Wir haben die Schlacht gewonnen!“

Der Friedensnobelpreisträger Herman Van Rompuy wurde in Aachen mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Der EU-Ratspräsident zeigte sich äußert zufrieden über das gute Essen und die Fortschritte in Europa. Er sagte, dass die EU die Schlacht gewonnen habe. Er lobte seine eigene mutige Arbeit und Angela Merkels unendliche Weitsicht.

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Die EU kämpft gegen ihre Implosion (mehr zu den Fakten – hier).
In Frankreich wankt das Abendland (mehr hier).

Die Franken waren vor mehr als zwölfhundert Jahren der Ausgangspunkt der ersten europäischen Einigung.

Hermann von Rompuy, den kein europäischer Bürger jemals gewählt hat und der daher als vom Steuerzahler finanzierter Beamter eigentlich ein Diener aller europäischen Bürger wäre, wird in Aachen mit großem Pomp geehrt.

Er erhält den Karlspreis.
Und das passt.

Andreas Kilb schrieb in einem sehr lesenswerten Artikel in der FAZ über Karl den Großen, dass dieser auf seinen „rasanten und unaufhaltsamen Machtzuwachs“ als „allmächtiger, alles verstehender, allseitig interessierter Bürokrat“ reagierte:

„Karl will aufräumen in der Welt, die ihm gehorcht. Kaum hat er seinen Hofstaat in Aachen etabliert, fängt er an, alles zu vereinheitlichen, die Sprache, die Bildung, den Kalender, die Verwaltung seiner Hausgüter, die Steuern, die Militärdienste. Aus England, Italien, Nordspanien lässt er Gelehrte nach Aachen kommen, fördert ihren Wettstreit, belohnt sie mit Pfründen. In den Schriften seines Lehrers Alkuin tritt er selbst als Schüler auf, stellt unbedarfte Fragen, lässt sich sophistisch aufs Glatteis führen, staunt über die Möglichkeiten der Dialektik.

Zugleich wird er, wenn es ans Eingemachte geht wie bei Kriegsführung und Glaubensbekenntnis, zum Tyrannen, erteilt Befehle, verteilt Strafen. Wer die Messe verfälscht oder heidnischen Praktiken frönt, verliert seinen Kopf, wer die Heerfolge verweigert wie der bayerische Herzog Tassilo, wird auch nach zwanzig Jahren noch abgesetzt. Die Christenheit soll geordnet den Jüngsten Tag erwarten, der nach Auskunft der Astrologen entweder im Jahr 801 oder auch erst in tausend Jahren kommt. Genaues weiß man nicht.“

Tausend Jahre und eine Crash-Warnung später, steht nun Herman Van Rompuy in Aachen.

Er sagte in seiner Rede wörtlich auf Deutsch, schriftlich (sic!) dokumentiert auf der Website der EU:

„(DE)
(…) Ich fühle mich sehr geehrt.
Lassen Sie mich danken Herrn Linden und dem Preisdirektorium für diese große Auszeichnung. Ich bin auch Oberbürgermeister Philipp dankbar für seine wohlwollenden Worte, und den Aachener Bürgern für den Empfang hier in ihrem Rathaus.

Wo wir uns jetzt befinden, stand einst die Burg Karls-des-Großen…

Immer wenn ich diesen Ort besuche, überwältigt mich der Gedanke an die zwölfhundert Jahre fortlaufender Geschichte. Heute aber ganz besonders.
Die Stadt Aachen besitzt aufgrund dieses Erbes ein großes Geschichtsbewusstsein…
Geschichte, nicht als lähmender Schatten der Vergangenheit, sondern als ständige Aufruf, dass wir selbst für die Gestaltung unserer Zukunft verantwortlich sind.
Deshalb haben Sie 1949 den Karlspreis gegründet. Als unsere Länder in Trümmern lagen, war Aachen in der Lage, als Kaiserstadt und Grenzstadt, über die Grenzen der Nationalstaaten hinauszusehen.

Sie haben es gewagt, einen Neuanfang zu verkünden – ‚Europa‘.“

Ferner sagte Van Rompuy:

„After the wars, for many in West-Germany and many elsewhere, ‚Europe‘ was a way to again write their own history. In the words of Karlspreisgründer Dr. Kurt Pfeiffer, nothing was more urgent than to fight the notion ,dass gegen den Zwangsablauf der Geschichte nichts getan werden könne und alles Mühen schon bereits von vornherein zum Scheitern verurteilt sei.‘“

Und schließlich:

This prize goes beyond me personally. I see it as a recognition of the courageous work of European leaders and all European institutions to combat the existential threat of the financial crisis.

Wie Karlspreis-rägerin (sic!) Angela Merkel einmal sagte: “scheitert der Euro dann scheitert Europa”.

It was the worst ever threat to Europe’s unity, and together we have overcome it. We have won the battle.“

Wir haben die Schlacht gewonnen?

Henryk Broder, ein intimer Kenner der Zustände der EU, sieht in seinem neuen Buch eher etwas ganz anderes:

„Auf der Kommandobrücke der MS-Europa ist die Panik ausgebrochen. Galt bis jetzt die Losung »Vorwärts immer, rückwärts nimmer, die EU in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf!«, so heißt es nun: »If you can’t beat them, join them!« Den »Opportunisten und Populisten «soll der Wind aus den Segeln genommen, sie sollen ausgebremst werden. Es geht nicht um den Austausch von Positionen und Argumenten zum Wohle Europas, sondern nur noch um das Wohl der Eurokraten, die um ihre Posten und Privilegien bangen. Der neue Adel Europas will sich nicht entmachten lassen. Um den Plebs zu beruhigen, lässt er die Mär verbreiten, die Wahl sei das einzige Instrument der Bürger, »um auf die Politik der EU unmittelbar Einfluss zu nehmen«; zudem habe das EU-Parlament »deutlich an Einfluss gewonnen«. Beides ist so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil wahr wäre.“

Wahr ist jedoch, dass der große, alte Kontinent schon vielen überlebt hat: Kaiser, Könige, Despoten, Scharlatane.

Große Bürokraten. Kleine Bürokraten.

Karl der Große.
Herman, der Belgier.

Andreas Kilbs Fazit:

„Karl, ,der Große‘? Ja, wenn es groß ist, dass einer die Chance nutzt, die ihm die Geschichte bietet, aus Kalkül wie aus Instinkt, aus Lust an der Macht wie am Erfolg, dann war er groß. Das heißt nicht: gut. Aber wer fragt schon nach Kollateralschäden, wenn es um Europa geht. Damals wie heute.“

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