Snowden attackiert Russland und nimmt die NSA in Schutz

Der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden hat in einem NBC-Interview Russland wegen der Verletzung der Bürgerrechte attackiert. Er verteidigte seinen ehemaligen Arbeitgeber : Die NSA sei „in unfairer Weise dämonisiert“ worden. Snowden äußerte erstmals den Wunsch, wieder in die USA zurückzukehren.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden hat mit seinem ersten Interview mit einem US-Sender die Diskussion über eine Rückkehr in seine Heimat neu entfacht. Wenn er die Wahl hätte, würde er nach Amerika zurückkehren, sagte Snowden am Mittwoch dem Sender NBC. Allerdings würde er nicht einfach in eine Gefängniszelle hineinspazieren. US-Außenminister John Kerry zeigte sich allerdings unversöhnlich und nannte Snowden einen Landesverräter, der sich vor der US-Justiz wegen seiner Taten verantworten solle. Snowden nahm in dem Interview die NSA in Schutz. Der Nachrichtendienst sei zu stark verteufelt worden, sagte er. Die NSA bestehe aus „hart arbeitenden Leuten, die für einen guten Zweck arbeiten“, die „in unfairer Weise dämonisiert worden seien, zu einem Punkt, der zu extrem ist“.

Snowden sagte einen bemerkenswerten Satz: Auf die Frage des NBC-Interviewers (der Sender betont während des Interviews mehrfach, dass NBC mit Snowden zusammenarbeitet), ob er, Snowden, der NSA durch seine Enthüllungen geschadet habe: Er habe dem Geheimdienst nicht geschadet, weil er seine Informationen mit großem Bedacht an die Öffentlichkeit gebracht habe. So sei nichts am die Öffentlichkeit gedrungen „was nicht durch die sorgfältigsten Filter der Welt veröffentlicht wurde, nämlich die besten Medien der Welt“. Der NSA – und damit implizit Amerika – schade „ein verschwörungstheoretisches Denken, das aus der Erkenntnis, dass der Staat an einer bestimmte Stelle seine Möglichkeiten missbraucht hat, dem Schluss zieht, der Staat könne überhaupt nichts Gutes machen entwickeln“.

Snowden hält sich in Russland auf, wo ihm bis zum 1. August Asyl gewährt wurde. „Wenn ich mir einen Ort auf Welt aussuchen könnte, wäre dieser Ort meine Heimat“, sagte er im Interview. Snowden ging auch auf Distanz zu seinem Gastland. Es sei frustrierend sich in einem Land aufzuhalten, in dem die Bürgerrechte „auf eine Weise unter Druck stehen, die ich als zutiefst unfair empfinde“. Allerdings werde er nicht einfach in die USA zurückkehren und auf das Beste hoffen. Im Zweifelsfall werde er eine Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis in Russland beantragen. Snowden betonte, dass er keine Unterstützung von der russischen Regierung erhalte und auch kein Geld von ihr annehme. Allerdings war er in dem Interview sehr widersprüchlich: Er sagte, dass er kein Spion sei – im Bezug auf Russland. Er brüstete sich jedoch geradezu, ein Spion zu sein: Er schildert seine Aufstieg in den Diensten und verwahrte sich dagegen, von seinen Gegnern als kleines Licht dargestellt zu werden.

Snowden droht in den USA ein Prozess unter anderem wegen des Diebstahls von Regierungseigentum und der Weitergabe geheimer Dokumente. „Unter dem Strich ist er jemand, der sein Land verraten hat“, sagte dagegen Kerry im Sender CBS. Snowden solle „ein Mann sein und in die Vereinigten Staaten zurückkehren“. Ein Sprecher der US-Bürgerrechtsgruppe ACLU sagte zu den Aussagen des Ministers, Snowden könnte nach der gegenwärtigen Rechtslage für jedes einzelne veröffentlichte Dokument mehrfach angeklagt werden. Es gebe „praktisch kein Limit“, sagte der Sprecher der Zeitung „The Guardian“. US-Behörden zufolge soll Snowden auf etwa 1,5 Millionen Geheimdokumente Zugriff gehabt haben. Wie viele er tatsächlich kopierte, ist unklar.

Snowdens Enthüllungen hatten einen weltweiten Proteststurm entfacht und im In- und Ausland scharfe Kritik an der Vorgehensweise der NSA ausgelöst. Die Verteufelung des Geheimdienstes gehe inzwischen zu weit, sagte er nun NBC und nahm die einfachen Mitarbeiter in Schutz. Nicht sie seien das Problem, sondern ihre Vorgesetzten, die ohne öffentliche Diskussion die Überwachungsmaßnahmen ausweiteten.

Die NSA soll unter anderem das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel überwacht haben. Im „Stern“ machte Snowden deutlich, dass er eine weit über die Rolle eines einfachen Systemadministrators hinausgehende Position bei der NSA gehabt habe. Er sei bei der Behörde persönlich mit der Kommunikation aus Deutschland befasst gewesen und zudem als Agent ausgebildet und eingesetzt worden. Auch Mitarbeiter deutscher Dienste hätten Zugang zum XKeyscore-Programm der NSA gehabt, das unter anderem Milliarden deutscher Kommunikationsdaten durchsuche. Der Bundestag hat einen Untersuchungsausschuss zur NSA-Affäre eingesetzt, der auch Snowden befragen will. Die Union stellt allerdings infrage, ob der Amerikaner über die auf der gesamten Welt verteilten NSA-Dokumente hinaus über wertvolles Wissen verfügt. Die Bundesregierung lehnt die Gewährung von Schutz für Snowden in Deutschland ab.

Snowdens Schlußbotschaft an die Welt: „Ich kann abends ruhig schlafen, weil ich weiß: Ich habe das Richtige getan, auch wenn es hart für mich war.“


media-fastclick media-fastclick