Einkaufsmanager: Amerikaner melden falsche Zahlen

Das amerikanische Institute for Supply Management (ISM) hat falsche Mai-Zahlen veröffentlicht und diese später korrigiert. Statt abwärts geht es nun aufwärts - behaupten die IMS-Analysten. Seriöse Arbeit sieht anders aus.

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Zerohedge vermutet hinter der Korrektur der IMS-Zahlen eine Manipulation. (Grafik: Zerohedge)

Zerohedge vermutet hinter der Korrektur der IMS-Zahlen eine Manipulation. (Grafik: Zerohedge)

Das Wachstum der US-Industrie hat einem Medienbericht zufolge im Mai zulegt anstatt an Tempo zu verlieren. Wie CNBC am Montag unter Berufung auf das Institute for Supply Management (ISM) berichtete, hätte der US-Einkaufsmanagerindex eigentlich 56 Punkte betragen müssen statt wie angegeben 53,2 Punkte. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Anstieg auf 55,5 Prozent nach 54,9 Prozent im April gerechnet. ISM war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Wenig später meldete Reuters:

Das Wachstum der US-Industrie hat im Mai an Fahrt aufgenommen. Der Einkaufsmanagerindex stieg im Vergleich zum April um 0,5 auf 55,4 Punkte, wie aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Instituts for Supply Management (ISM) unter Unternehmen hervorgeht. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Anstieg auf 55,5 Zählern erwartet. Ab 50 Punkten signalisiert das Barometer Wachstum.

Das ISM hatte zuvor über einen Rückgang berichtet, korrigierte die Angaben aber später.

Ursprünglich hatte es geheißen:

Das Wachstum der US-Industrie hat im Mai unerwartet an Tempo verloren. Der Einkaufsmanagerindex sank im Vergleich zum April um 1,7 auf 53,2 Punkte, wie aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Institutes for Supply Management (ISM) hervorgeht. Von Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten einen Anstieg auf 55,5 Zählern erwartet. Ab 50 Punkten signalisiert das Barometer Wachstum. Die Aufträge und der Jobaufbau legten zwar im Mai weiter zu, aber langsamer als zuletzt.

Reuters fasst das Chaos zusammen:

Die Herausgeber eines an den Finanzmärkten viel beachteten US-Wirtschaftsbarometers haben am Montag mit falschen Zahlen für Verwirrung gesorgt. Das Institut for Supply Management (ISM) wies bei seiner monatlichen Umfrage bei US-Unternehmen überraschend einen Index-Stand aus, der signalisierte, dass die US-Industrie im Mai an Fahrt verlor. Das drückte die Kurse am Aktienmarkt und sorgte für Anstiege bei US-Staatsanleihen. Kurz darauf aber berichtete der Sender CNBC, die veröffentlichten Zahlen seien falsch und das ISM werde neue Daten vorlegen, die ein Wachstum der Industrie anzeigen würden.

Daraufhin drehte sich die Stimmung wieder: Aktien stiegen leicht an, Staatsanleihen gaben nach. Das ISM wollte sich zunächst auf Anfragen nicht äußern. Am Ende dauerte es fast drei Stunden, bis das Institut die neue Index-Zahl veröffentlichte, die dann tatsächlich Wachstum anzeigte und nahezu identisch war mit den Erwartungen von Volkswirten.

Das ISM erklärte am Abend, es habe einen Software-Fehler gegeben, durch den statt für den Monat Mai irrtümlich der Faktor der saisonal bedingten Bereinigung für den Monat April in die Berechnungen eingeflossen sei.

Der Volkswirt Kenneth Kim von Stone McCarthy in New Jersey sagte Reuters, er habe die zunächst veröffentlichten Daten sofort merkwürdig gefunden. Er habe dann die Zahlen selbst mit den April-Bereinigungen durchgerechnet. „Da hatte ich dann die Erklärung, wie es zu dem Fehler gekommen war.“ Er habe das ISM darüber sofort in Kenntnis gesetzt, aber keine Antwort erhalten.

„Die Leute warten auf Zeichen für einen Aufschwung“, erklärte John Carey, Finanzmarkt-Experte bei Pioneer Investment Management in Boston, die Reaktion der Märkte. „Und als die ersten ISM-Daten kamen, haben die Anleger die Stärke der Wirtschaft in Frage gestellt.“ Die Korrektur der Zahlen gebe nun wieder Anlass für Zuversicht.

Zerohedge spricht von einer „Stunde der Amateure“ und vermutet, dass hinter den falschen Zahlen eine Manipulation steckt.

Das kann natürlich nicht überprüft werden. Doch der Vorfall zeigt, dass der globale Geldkreislauf massiv von Irrtümern, Schlampereien und Manipulationen beherrscht wird. Es ist unnötig zu sagen, dass von den Machenschaften irgendwer profitiert hat. Das werden jedoch nicht die Kleinanleger gewesen sein.

Sanktionen oder eine Untersuchung des Vorfalls, etwa durch die Börsenaufsicht wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geben.

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