Vorstufe zur Schulden-Union: EZB-Bazooka verschärft die Krise

Die EZB kauft sich mit der neuesten Geldschwemme Zeit. Analysten erwarten eine Verschärfung der Krise. Am Ende kann die gemeinsame Schuldenhaftung in Europa stehen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Mario Draghis außergewöhnliche Maßnahmen stoßen bei den Märkten auf überraschend einhellige Ablehnung. Der Markt ist offenbar näher an der Realität als die Technokraten von der EZB.

Bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe der massiven Geldschwemme durch die EZB zeigten sich die Analysten irritiert: Es müsse schon sehr schlimm um die Eurozone stehen, wenn Mario Draghi zu derart drastischen Mitteln greift.

Auch die Analysten der HSH Nordbank kommen zu einem für Draghi nicht besonders günstigen Urteil. Unter dem Titel „Der deflationäre Effekt einer ultra-aggressiven Geldpolitik“ kommt Cyrus de la Rubia zu einem ernüchternden Schluss: Die Politik Draghis bewirke exakt das Gegenteil dessen, was die EZB will:

„Es scheint zu einem Transmissionsmechanismus zu kommen, der in keinem Lehrbuch nachzulesen ist: Je aggressiver und je länger die Geldpolitik eine Lockerungspolitik durchführt, desto mehr befürchten die Investoren Instabilitäten durch die sich aufbauenden Assetpreisblasen. Das Ergebnis sind Unternehmer und Manager, die aus Angst vor zukünftigen Finanzmarktturbulenzen sparen, nur vorsichtige Lohnerhöhungen zulassen und Investitionspläne zurückstellen. Banken wiederum stoßen auf eine geringere Kreditnachfrage, halten sich ihrerseits aber auch mit der Kreditvergabe zurück, um ihr Eigenkapital für den Fall einer neuen Finanzkrise zu schonen. In diesem Umfeld können auch Konsumenten nicht befreit aufschlagen, trotz höher bewerteter Vermögenswerte. Es ergeben sich deflationäre Effekte.“

De la Rubia ist der Auffassung, dass die einzige Chance, aus der Krise zu kommen, darin besteht, sie Zinsen maßvoll zu erhöhen:
„Die Schlussfolgerung daraus ist offensichtlich, die Liquiditätszufuhr in die Finanzmärkte abzubauen bzw. zu stoppen. Fed-Mitglied Richard Fisher hat dies plastisch ausgedrückt: Graben ist das falsche Rezept, wenn man in eine Grube gefallen ist.“

Mario Draghi sieht das ganz anders: Für ihn ist die erneute Geldschwemme nur ein Zwischeschritt. Dirk Schumacher von Goldman Sachs vertritt in seiner Analyse die Auffassung, dass die EZB nicht mehr den Staaten Zeit kauft, um Reformen durchzuführen. So hatte Draghi noch vor zwei Jahren argumentiert. Nun, so Schumacher, „kauft sich die EZB selbst Zeit“.

Der Goldman-Analyst erwartet als nächstes den Einsatz von Asset Backed Securities (ABS).

Eine volles QE bleibt der EZB aus rechtlichen Gründen verwehrt – sie darf per Gesetz keine Staaten finanzieren.

Gut möglich, dass Draghi sich genau aus diesem Grund „Zeit kauft“: Um dieses Gesetz zu ändern, braucht Draghi eine Periode, in der in Deutschland nicht gewählt wird.

Es ist kein Zufall, dass die Ankündigung der EZB-Bazooka unmittelbar nach der EU-Wahl erfolgt ist.

Sie ist eine Aufforderung an Angela Merkel, ihren Widerstand aufzugeben und den Weg freizumachen zur eine umfassende Vergemeinschaftung der Staatsschulden in Europa.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick